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Die Schneekönigin II. AKT

Drama zum Thema Kälte


von AlmÖhi

II. AKT


Szene 1. Es wird wieder langsam hell und wir sehen immer deutlicher den Rosengarten. Wir hören "Morgenstimmung" von Grieg. Als es hell ist, bricht "Morgenstimmung" abrupt ab und wir hören "Vampin'" von Willie Hutch. Gerda und Kay kommen auf die Bühne. Sie tragen wieder Unterwäsche und diesmal auch Sonnenbrillen. Jeder hat ein Wassergewehr. Die beiden begeben sich in diverse coole Posen. Dann hören wir statt "Vampin'" "Grazin' In The Grass" von Orchestra Harlow feat. Ismael Miranda. Die beiden feuern mit ihren Gewehren auf eine Reihe Gartenzwerge, die sie auf einem Brett aufgereiht haben.

Gerda: Ach Kay! Diese Schießübungen, hier mit dir, im abgeschiedenen Rosengarten deiner Großmutter, sind meine große Leidenschaft!

Kay: So was ähnliches sagtest du bereits. Der zweite von rechts hat dich schief angeguckt.

Gerda: Was! Wirklich? Das soll er mir büßen! Hast du schon gehört? Die Schneekönigin will unser Königreich besuchen.

Kay: Ja. Ich bin gestern Jürgen und Jochen begegnet, die haben es mir erzählt. Sie wollen ihrem Aufruf folgen und zu diesem sogenannten "Casting" gehen. Das soll wohl so eine Art Vorsprechen sein. Und wer genügend Eindruck schindet darf zu so einer Art Praktikant der Schneekönigin werden. Die beiden sind völlig aus dem Häuschen und wittern ihre Chance, groß rauszukommen.

Gerda: Diese Trottel! Die werden vor aller Augen verheizt werden!

Kay: Das denke ich auch. Ich werde sie allerdings begleiten.

Gerda: Wie bitte? Wieso das denn? Malst du dir bessere Chancen als die beiden aus, verheizt zu werden?

Kay: Ich denke gar nicht daran, mich für die Schneekönigin zum Affen zu machen. Ich möchte das Miststück, das unser aller Leben beeinträchtigt, einfach mal sehen. Und wenn sie mich zu Wort kommen läßt, werde ich schon dafür sorgen, daß sie es bereut.

Gerda: Laß' das lieber, Kay! Die Schneekönigin und ihre Leute sind gefährlich. Mein Vater wird auch dort sein. Er ist gefährlich und haßt dich sowieso schon.

Kay: Nein. Solange wir Bürger Öffentlichkeit haben, müssen wir sie auch nutzen. Da das ganze öffentlich stattfindet, werden sie auch nicht wagen, mich anzugreifen. Das würde ihrem Gutmenschen-Image schaden.

Gerda: Du hast recht, Kay! Wir haben uns vorgenommen, unseren Spielraum so gut es geht zu nutzen, um uns zu befreien. Und das hier könnte eine Chance sein. Gib's ihnen, mein Dicker! (schnappt sich Kay und knutscht ihn)


Szene 2.Das Casting. Die Schneekönigin, der Kommerzienrat und der Dämon Garion sitzen als Jury hinter einem Tisch. Vor ihnen steht ein junger Mann in einem Anzug. Der Anzug und sein Haar sehen völlig zerrupft aus. Ein Diener der Schneekönigin führt ihn von der Bühne und führt den nächsten Kandidaten herein.

Kommerzienrat: Na, wie heißen wir denn?

Jürgen: Jürgen. Mein Name ist Jürgen.

Schneekönigin: Guten Tag, Jürgen!

Jürgen: Guten Tag!

Schneekönigin: Was ist deine Vision, Jürgen?

Jürgen: Was ist das Populärste auf der ganzen Welt?

Garion: Musik.

Schneekönigin: Eiskrem.

Kommerzienrat: Geld.

Jürgen: Sonnenschein und gutes Wetter! Wäre es nicht toll, wenn immer Sommer wäre? Diese Vision kann wahr werden! Und zwar so!
Er zieht eine Spraydose aus der Hosentasche und sprüht in die Luft.
Ich versprühe in diesem Moment eine chemische Verbindung namens Flurchlorkohlenwasserstoff, kurz FCKW. Wenn wir allen Spraydosen dieser Welt etwas dieses Stoffes beisetzen, so habe ich errechnet, führt das dazu, daß der Nordpol und der Südpol der Erde abschmelzen. Wenn wir dann noch größere Mengen Kohlenstoffdioxid freisetzen, erwärmt sich die Erdatmosphäre, ein sogenannter Treibhauseffekt. Es gäbe kein Eis und Schnee mehr auf der Welt. Keinen Winter mehr. Niemand würde mehr frieren. Keine hohen Heizkosten mehr. Die Menschen wären immer gut gelaunt und das Bruttosozialprodukt stiege.

Schneekönigin: Jürgen! Hast du dich schon einmal gefragt, warum man mich die Schneekönigin nennt?

Jürgen: Hmmm, nein....So eine Art Spitzname, oder? So wie man zu manchen Mädchen ja auch Schneewittchen sagt...hehe.

Schneekönigin: Nein, ich heiße die Schneeköngin, weil mein Reich am Nordpol liegt. Weil ich allen Schnee der Welt kontrollieren kann. Und weil mein Blut kälter ist als Eis. Warum sollte ich wohl einen Plan unterstützen, der meine Existenzgrundlage bedroht?

Jürgen: Tja... Puh, das ist eine schwierige Frage. Vielleicht... um zu surfen?

Schneekönigin: Danke, Jürgen! Der nächste bitte!

Der Diener führt Jürgen ab.

Jürgen (während der Diener ihn hinausführt): Ich habe noch was anderes! Er zieht einen Trichter hervor, aus dem man per Knopfdruck einen Ball an einem Faden herausspringen lassen kann, damit man ihn mit dem Trichter wieder einfangen kann. Doch der Diener drängt Jürgen unerbitterlich hinaus. Dann kommt er mit Kay wieder.

Schneekönigin: Hallo, junger Mann! Wie ist dein Name?

Kay: Mein Name ist Pip.

Schneekönigin: Und, Pip? Was ist deine Vision?

Kay: Meine Vision ist eine Welt, in der jeder das beste und meiste aus sich machen kann. Wenn er will. Und eine Welt, in der man glücklich ist.

Kommerzienrat: Wollen wir nicht alle so eine Welt?

Kay: Ich glaube nicht, daß Sie so eine Welt wollen. Sie wollen nur Macht und Privilegien für sich selbst und Ihresgleichen.

Kommerzienrat: Da schätzt du uns sehr fehl, Junge!

Schneekönigin: Wie könnte man deiner Meinung nach so eine Welt schaffen, Pip?

Kay: Zunächst mal, indem man aufhört, die Entwicklung der Menschen aktiv zu bekämpfen.

Kommerzienrat: Wer macht denn sowas, deiner Meinung nach?

Kay: Ich gehe noch zur Schule. Meine Lehrer bringen uns bei, daß wir unserem Instinkt, unserer Wahrnehmung, unserem Gefühl nicht trauen können. Unser Urteil ist nichts. Was sie uns beizubringen haben ist alles. Oder die Zeitungen und Ausrufer dieses Königreichs! Sogar der König selber. Sie erzählen uns, daß es nur zu unserem besten ist, wenn man uns immer mehr Rechte nimmt, unsere Arbeit und unseren Lohn. Wir sind nur zu dumm, die größeren Zusammenhänge zu verstehen, sagen sie.

Schneekönigin: Pip! Wenn ich dir viel Geld und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit schenken würde, was würdest du damit tun?

Kay: Ich will euer Geld nicht. Ich will auch euren Zeitungen keine Interviews geben. Ich bin nur hierher gekommen um die Leute zu sehen, die mein Land ausbeuten. Und um euch zu sagen, daß ich euer Treiben durchschaue. Und daß ich nicht der Einzige bin. Hasta la vista! Exit.

Schneekönigin (zu ihrem Diener): Erstmal keine Kandidaten mehr. Wir müssen uns beraten. (zum Kommerzienrat:) Das war der Junge, von dem Sie sprachen, oder?

Kommerzienrat: Ja.

Schneekönigin: Kein leichter Fall.

Kommerzienrat: Eure Majestät! Das männliche Wesen, das Eurem Liebreiz zu widerstehen vermöchte, muß noch geboren werden!

Schneekönigin: Sie schmeicheln mir wie immer, Herr Kommerzienrat. Aber selbst ich brauche Berührungspunkte, um mich einem Menschen nähern zu können. Immerhin, er sah mich viel länger und interessierter an als Sie beide. Das ist schonmal gut. Sonst sah ich nichts, woran man ihn greifen könnte. In seinem Blick, seiner Haltung, seiner Stimme, seiner Rede lag nichts Ängstliches. Keine Gier, kein verdrängter Schmerz. Diese Dinge leben auch in seinem Herzen, ich bin sicher. Wenn man sie nur vergrößern könnte. Es wäre mir wohler, wenn wir ihn noch etwas bearbeiten könnten bevor ich mich ihm nähere. Garion! Weißt du Rat?

Garion lacht.



Szene 3. Kays Zimmer. Er knipst das Licht an und kommt rein. Unter dem Arm trägt er ein zusammengerolltes Plakat.

Kay: Das lief doch viel reibungsloser als erwartet! Fast schon enttäuschend.

Er legt eine Schallplatte auf. Wir hören "The Whip" von Asha Puthli & Goblin. Er rollt das Plakat aus. Es wirbt für das Casting, von dem er kommt. Die Schneekönigin ist darauf in ihrer ganzen kalten, dominanten Pracht zu sehen. Sie macht eine einladende Handbewegung. Dazu der großgedruckte Spruch "DIE SCHNEEKÖNIGIN RUFT DICH".

Kay: Was für ein Miststück! Aber sie ist heiß. Vielleicht werde ich heute Nacht zumindest in meiner Fantasie mal der Praktikant der Schneekönigin sein. Hähäh.

Er legt das Plakat ausgebreitet auf sein Bett. Er stellt sich vor das Fenster seines Zimmers, in dem er sich spiegelt. Er zieht sich langsam bis auf die Unterhose aus und begibt sich währenddessen in unterschiedliche Posen. Er bewundert seinen jugendlichen Körper. Allmählich sehen wir draußen vor dem Fenster das Rauschen des Fernsehers. "The Whip" wird langsam leiser, dafür hören wir immer deutlicher "Satanic", das musikalische Thema der Schneekönigin.

Kay: Was zur Hölle ist das denn? Schneit es etwa, oder....

Kay geht nah zum Fenster um besser hinausschauen zu können. Das Schneegestöber auf dem Bildschirm materialisiert sich zum Gesicht der Schneekönigin. Sie lacht.

Kay: Heilige Mutter Gottes! Er springt hinter sein Bett.



Szene 4. Die Straße vor dem Haus von Kays Großmutter, in dem er lebt. Kay schippt Schnee. Die Schneekönigin erscheint. Sie steht nur eine ganze Weile schlank, aufrecht und starr da und betrachtet Kay bei seiner Arbeit.

Schneekönigin: Kay!

Kay: Hallo, Schneekönigin. Seid Ihr noch nicht abgereist? Ich habe gehört, Ihr habt das Casting abgebrochen und möchtet ohne einen Auserwählten abreisen.

Schneekönigin: Das Ganze war ohnehin die Idee des Kommerzienrates. Ich habe mich dazu überreden lassen.

Kay: Schnee im September. Ihr seid wahrhaft die Schneekönigin.

Schneekönigin: Schnee und Kälte verfolgen mich. Diesmal war ich recht schnell. Aber sie holen mich immer ein. Aber nunja, jetzt gehe ich ja wieder.

Kay: Na dann: Gute Reise!

Schneekönigin: Kay...Man sagte mir, dein richtiger Name sei Kay...Wir beide sind uns sehr ähnlich, Kay.

Kay: Haha! Was soll das für eine Nummer werden, Schneekönigin?

Schneekönigin: Wir beide sehnen uns nach einer besseren Welt, Kay.

Kay: Wenn Ihr eine andere Welt wollt, Schneekönigin, warum seid ihr dann in dieser Welt eine Königin und keine Bettlerin?

Schneekönigin: Wenn du eine andere Welt willst, warum willst du dann ein Tagelöhner sein und kein König, Kay? Wer die Welt ändern will, der braucht die Macht dazu. Aber in dieser Welt erlangt man Macht nur, wenn man nach den Regeln dieser Welt spielt, nicht, indem man sich ihr verweigert. Ich habe mir die Macht, die ich in dieser Welt habe, hart erarbeitet.

Kay: Was wollt Ihr von mir?

Schneekönigin: Ich will dich mitnehmen, Kay. Von dem Kommerzienrat und seiner Politik werde ich mich trennen. Das ist beschlossene Sache. Ich will ein neues Kapitel in meinem Leben aufschlagen. Ich bin hier, um dich zu bitten, mir dabei zu helfen. Du bist jung, unverdorben und lebendig. Du bist mutig. Du hast neue, eigene Ideen und Kraft. Ich kann jemanden wie dich gut gebrauchen.

Kay: Mein Platz ist hier. Tut mir leid.

Schneekönigin: Kay, lass mich dir mein Reich zumindest zeigen. Und was ich dir geben kann. Wenn du nichts damit anfangen kannst, kannst du jederzeit wieder gehen. Ich werde dich nicht an mich binden. Sie streckt ihre Hand aus. Na komm! Mein Schlitten wartet auf uns. Es macht Spaß, mit mir Schlitten zu fahren. Sie zwinkert und lächelt.

Kay nähert sich zögerlich. Die Schneekönigin greift seine Hand und zieht ihn schnell mit sich fort. Sie lächelt. Exeunt.

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