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Die Perlen von Wiesbaden

Märchen zum Thema Abgrenzung


von Lisboeta

Alle kamen und besichtigten den schönen Jugendstil der Stadt.
Jeder lief die Willhelmstraße entlang, mindestens bis zum Staatstheater. Der Warme Damm entzückte mit seiner Romantik, wo Stockenten, Nilgänsen und Teichhühner ihre Brut großzogen. Den Weiher teilten sie sich mit Graureihern und sogar die Möwen kamen sie besuchen, bis zu 30 an der Zahl. Eichhörnchen flitzten, Kaninchen spitzten aufmerksam die Ohren. Die Papageien kreischten von ihren Bäumen.

Die schön restaurierten, teils vergoldeten Fassaden aber verbargen insgeheim andere Geschehnisse.

Bei starkem Regen bildete sich eine Pfütze. Das Wasser war nicht besonders warm. Während die Enten sicher und geschützt vor den Schritten und der Neugierde der Menschen lebten, wuchs die Pfütze langsam zu einem kleinen Sumpf. Dort geschah es:

Der Sumpf gebar ein Mädchen. Seine Kleider waren aus Lehm und Ton. Es schaute sich im Spiegel des Wassers an und wusste nicht, dass es sein Abbild war. Es dachte:  "So etwas Wunderschönes!"

Es kannte die Enten, die Teichrallen, auch die Möwen. Ihre Sprache lernte es von den Vögeln, die ihre Nester in seiner Höhle bauten. Und es sang Tag und Nacht, solang die Menschen noch nicht erschienen oder in dem Abend verschwanden. In den Bäumen erkannte es die grünen Spielgefährten, die es liebevoll vor Regen, Wind und Hitze schützten.

Eines Tages, als die Beine schon stärker waren, lief es ein Stück vom Sumpf weg. Es verirrte sich, ohne den Sumpf wieder zu finden und irrte lange im Park umher. Schließlich erreichte es die Willhelmstraße, eine Straße mit vielen Menschen. Es hielt sich die Ohren zu. Sein Atem wurde mühsam. Die Augen schmerzten  von der Dunkelheit zwischen den großen Häusern. Da erblickte es den kleinen Spielplatz  im Park und eilte zu ihm hin.

Alle Menschen starrten es an. Es starrte zurück, immer wieder. Allmählich verstand es, dass sie ihm sehr ähnlich waren. Sie sprachen es an und es sang zurück. Erst lachten sie, dann aber begannen sie, es hin und her zu schubsen, verspotteten es und rissen ihm gar die dichte Masse Lehm aus seinem Leib heraus. Jedes Haar der Haut tat ihm nun weh. Die Sonne brannte auf seine nackte Haut. Es rannte fort, so weit es ging, bis es einen Baum umarmen konnte. Es weinte bitterlich und wusste nicht, warum.

Der Baum aber bedeckte es mit langen, grünblättrigen Ästen. Die Menschen sahen es, ohne es zu verstehen. Das Mädchen verschwand.

Seit diesen Tag wächst an jedem Baum der Parkanlage ein Ast, viel grüner als jeder andere, viel stärker als sie. Im Frühling tragen sie unendlich viele Blüten. Im Sommer, so sagt man, tropfen aus diesen Ästen wunderschöne kleine Perlen, die schimmern wie Ton.

So geschah es, dass inmitten des Reichtums der Stadt ein Sumpf entstand, der die schönsten Perlen an die Welt schenkte, schöner als jeder Stein der vergoldeten Fassaden und Geldsymbole auf den Balkonen der Banken.

22.04.2009 / 01.07.2016


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Graeculus (69) (21.05.2017)
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Lisboeta meinte dazu am 21.05.2017:
Von jedem ein Bisschen. Warmer Darm mit seinen tierischen Bewohner, Staatstheater, Wilhelmstraße, sind sehr konkret. Die Parkanlage ist doch nicht so groß, dass irgendeiner Bewohner auf der Flucht der Menschheit schon zuvor den Kinderspielplatz da drin nicht gefunden hätte. Auch der Spielplatz ist Realität. Der Rest ist rein fantastisch, wie man es merkt, die wegen mancher Erfahrungen im Reich der Neuen Reiche mich inspirierten und überhaupt keinen Zusammenhang mit irgendeiner Tradition zu tun haben, statt dessen eine Arte von Revanche gegen den sichtbaren sozialen Ungleichheiten. Ich betreute drei Geschwister dort und verbrach viele Zeit auf dem Park allein oder mit den Kindern auf dem Spielplatz…

Vielen Dank für die Empfehlung - ich habe nicht mit ihr gerechnet! Sie hat mir große Freude bereitet.

Grüße

Lisboeta
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Festil (59) antwortete darauf am 22.05.2017:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Lisboeta schrieb daraufhin am 22.05.2017:
Liebe Festil,

mit Grüßen bedanke ich mich für Empfehlung, Lieblingstext und Kommentar. Interessante Jüdische Legende dieser "Golem"! Die mit der Zeit in Romane und Filmen umgewandelt wurde. Kannte ich nicht. Danke.

Lisboeta
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