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Der Beweis Kreis

Kurzprosa zum Thema Absurdes


von neinneigung

Sehe ich eine Welle an, sehe ich alle Ufer. Ein weisshaariges Heer, das gegen Kuesten anstuermt. Vor dem Kiesstrand der West Pier, eine verrostete Krabbe. Ehemals bevoelkert von vergnuegungssuechtigen Lords, inzwischen Heimat einer gesamten Moewenpopulation. Nachts spuert man die Anwesenheit der Masse, ich sehe seine mit Schnee bedeckte Stirn, hoere die dunklen Wellen heranrauschen und endlich sehe ich die selben Wasser vor meinen Fuessen branden. Die gierigen Wellen reissen den Strand mit sich, nachts, nah am Wasser graben sie bestaendig wo ich sitze. Sie nehmen ein Stueck von mir, tragen es zurueck mit sich hinaus und ich sehe mich auf das offene Meer hinaustreiben und richte dabei einen letzten freundschaftlichen Gruss an mich selbst bevor ich hinter Wellenbergen verschwinde. Tagsueber sehe ich den Moewen beim leichten Flug zu und denke dann ,dass sie sich zwischen Weltall und Erde ganz leicht bewegen koennen muessten. Waehrend ich so mit dem Kopf im Nacken am Strand stehe, habe ich Angst hinaus in die Himmel, in die Weite, mit ihnen oder ihrem Flug gezogen zu werden. Ihnen kann die Vorstellung der raeumlichen Tiefe beim Blick in die Sterne nichts ausmachen, sie glauben auch die Illusionen der blauen Himmel und kennen nicht die Rotationsgeschwindigkeit des Erdballs und glauben auch, dass die Sonne am Ende eines Tages im Meer versinkt, erloescht. Aber die Schwerkraft macht ihre Fluegel trotzdem muede. Und sie lachen darueber.

[Wir halten allen Ursprung in der Hand, ein offensichtliches Geheimnis. Jedes Atom oder das einzige des Alls in der hohlen Hand. Um unsere Gesichter ein Strahlen, das wir Seele nennen werden. Es wird uns das Sterben leichter machen. Wir lieben uns nicht. Wir lieben auch keinen anderen. Wir lieben die Art wie jemand uns ansieht, verehren uns selbst darin und lassen uns von dem Gedanken emporheben, dass wir vergaenglich sind. Wenn wir traeumen, dann traeumen wir davon Kirchen niederzubrennen und Geistliche zu enthaupten, ihre Frauen zu schaenden, ihre Kinder zu essen. Wir schaemen uns dann am naechsten Morgen fuer unsere Traeume, die das letzte bisschen Regung in unserer Seele sind, das wir mit gleichgueltigen Haenden hundertmal erwuergen wuerden. Wenn wir waehlen koennten, wir waehlten den Tod. Wenn wir bereuen koennten, wir bereuten uns selbst, bereuten uns selbst anstelle unserer Eltern. Niemand hat uns gerufen, doch wir folgen den Rufen in uns, die wir selber in die Finsternis sagen. Weissgetuenchte Flure und Schritte, die unser Echo sind.]

Lachen weht durch die blattlosen Leiber der Baumschatten und in der Ferne ein Nebel wie aus Licht lastet auf der Stadt und auf den Haeusern, in der Ferne ein silbriges Band bedeutet die Themse und noch weiter weg die blinden Etagen der Wolkenkratzer. In einigen Etagen brennt noch Licht und im vierzigsten Stockwerk steht ein Mann in schwarzem Anzug. Er drueckt sich die Nase an der Scheibe platt um seine Sorgen in die Strassen unter ihm zu streuen. Unzaehlige geschaeftige Taxis, rote Doppeldeckerbusse und selbst in der Etage ueber ihm scheinen die Menschen noch zu arbeiten. Er hoert ihre Anschlaege auf den Tastaturen und blickt weit, weiter, kneift die Augen etwas zusammen bis er in der Ferne einen Huegel sieht, wo wir auf einer Bank sitzen und lachen. Ich stehe mit den Augen ganz weit weg, lache noch ueber meine Phantasie und hoere dann von allen Seiten das Meer von Geraeuschen, das aus der Stadt mit den Winden kommt. Ein stetes Rauschen, wie Wellen, die sich staendig ueberragen wollen. Mein Lachen verstummt ploetzlich als ich Sirenen hoere, aus drei verschiedenen Richtungen. Alles ist ganz ernst und der Wald um mich runzelt alle Stirnen, wie um mich zu belehren und mich zur Ruhe zu ermahnen.

[Ich muss mich zum Lachen zwingen, waehrend um mich Autobahnen wie entfernte Meere klingen, wenn aus den Haefen bestaendig Hammerschlaege toenen, wenn die Stadt vor meinen Fuessen erleuchtet ist aber ich in Gedanken ein weisses Laken ueber ihre Strassenzuege glattziehe und an Leichenschauhaus denke. Wie soll ich fuehlen, wenn um mich Sirenen vom Unheil erzaehlen und mich nicht schlafen lassen wollen. Wir sind nicht gnaedig, koennen nicht barmherzig sein. Dabei koennte jeder einzelne von uns die Bibel heute selber schreiben.]

In Rumaenien an einem der unzaehligen Balcescus, Uniriis, Piatas oder Gregorescus, an einem oeffentlichen Brunnen, weil das Wasser in den Haeusern vergiftet ist, spricht mich ein auf seinen rechten Arm gestuetzter Mann an. Seine Augen sind freundlich und weit, seine Bartstoppeln wie eine Buerste, ein Pflaster am Hals, da wo der Kehlkopf sich langsam zwischen dem viel zu engen Gewebe hebt und senkt. Ein Schlauch geht eine kurze Laenge ueber seine behaarte Brust und dann unter sein geripptes Hemd. Als er mich nach einer Cigaretta fragt, wird sein Sprechen von einem staendigen Entlueften begleitet, ein sanftes lustiges Pfeifen aus den Lungen, sodass sein Koerper mich wie eine kaputte Maschine anmutet, die stottert, stampft und pustet wenn sie anlaeuft oder zum Sprechen anhebt und ich fuerchte ploetzlich die Luft seiner Eingeweide zu atmen. Aus einem mir unbekannten Grund merkt er, dass es meine ultima ist. Er dreht sich skeptisch, wie um mich von der Seite anzusehen und von links faellt jetzt das schale Licht, das vom Kircheneingang auf den Platz strahlt, wo im Hintergrund auf einer Bank Maenner mit Hakennasen und Wangen wie aus Knochen Bier aus grossen Plastikflaschen trinken. Ich ueberrede ihn sie trotzdem zu nehmen. Als ich spaeter durch die Nacht von Timisoara gehe hallt sein Wehen durch die Tueren und Fenster der Haeuser, an denen ich voruebergehe. Manchmal blicken mir geheimnisvolle Gesichter uralter Frauen entgegen, die laengst den letzten Zahn verloren haben. Einmal bleibe ich kurz stehen, wo ein Haus in Stanniol wie die rumaenische Nacht ueber mir funkelte und irgendwo ueber mir ein Guertel aus Perseiden, die sich dauernd ins Oben oder Unten des kosmischen Raumes, der Finsternis um uns ins All stuerzen, verbrennen und sterben. Wer bin ich? frage ich und verzweifle und lache ueber meine eigene Einfalt: Wir sind schon, was wir uns wuenschen, da wir in uns leben.

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shine on,brighton
(von neinneigung)
 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (28.01.2011)
Glückspirale: Kein Geld mehr für Umlaute gehabt?
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Fremdkoerper
Kommentar von Fremdkoerper (30.01.2011)
richtig groß. wer solche zusammenhänge herzustellen vermag, dem nimmt man auch den blick zu den sternen ab. war es wirklich das video, das dich inspiriert hat?
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neinneigung meinte dazu am 17.05.2011:
in der tat: das video. aber auf umwegen, abschweifungen. danke, fremd!
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Kommentar von dunham (41) (07.05.2011)
Der 4. Absatz, der bringt's auf den Punkt: "Dabei könnte jeder... die Bibel selber schreiben..." Ja, wie gut wir Kalten um unser Kaltsein wissen!
(Kommentar korrigiert am 07.05.2011)
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Ingmar
Kommentar von Ingmar (10.08.2011)
"Wer bin ich? frage ich und verzweifle und lache ueber meine eigene Einfalt: Wir sind schon, was wir uns wuenschen, da wir in uns leben."

hm. tät ich weglassen, oder an eine andere stelle verpflanzen. weil dann, glaub ich und bin mir ziemlich sicher, hast du einen unbeschreiblich tollen schluss plötzlich. schönen text hast verfasst da!

grüsse,
ingmar
(Kommentar korrigiert am 10.08.2011)
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neinneigung antwortete darauf am 10.08.2011:
ha, so hab ichs noch gar nicht gesehen. sterben als letztes wort, ein sterbenswort. in meinen memoiren wird die überarbeitete fassung einbezogen, während ich hier die ursprüngliche stehen lassen möchte. seinerzeit war das ohnehin bloß mein beitrag zum wettbewerb keinleben (ist ja auch schon mächtig lange her). aber jeden leser mit phantasie bitte ich sich beides vorzustellen: einmal mit oben zitiertem ende, einmal ohne. vielen dank für die anregung, und wenn du meinen text magst, finde ich das natürlich sehr schön :)
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