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Tante Emma

Sonett zum Thema Innenwelt


von Irma

Ewiggestriges liegt auf dem Tresen.
Zwischen Dingen, die vor Jahren waren,
sucht sie ständig nach dem sonderbaren
Heute. Morgen ist bereits gewesen.

Durcheinander herrscht in allen Laden,
aber ihren Frohsinn kann nichts trüben.
Die Verwirrtheit kommt und geht in Schüben,
wird den meterlangen Spinnefaden

quer und kreuz im Hinterstübchen weben,
wo der Wind durch Ritzen pfeift. Vergisst
Emma Schlüssel - lacht sie eben,

weil sie selber kaum vermisst,
was nicht mehr vorhanden ist.
Sie macht dicht, schließt ab mit diesem Leben.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Graeculus
Kommentar von Graeculus (29.05.2017)
So trübe habe ich diese Läden gar nicht in Erinnerung, vielmehr unfaßbar vielfältig auf kleinstem Raum. Allerdings nicht so billig wie im Supermarkt.
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Irma meinte dazu am 09.06.2017:
Es geht hier mehr um das Hinterstübchen von Tante Emma, das nicht mehr ganz dicht ist, lieber Graecu. ;-)

Aber du hast Recht, ein Tante-Emma-Laden hat in unserer heutigen, schnelllebigen Discounter-Zeit einen ganz besonderen Stellenwert. Liebenswerte alte Tanten ebenfalls! :-) LG Irma
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Kommentar von niemand (29.05.2017)
Ich glaube nicht, dass es hier um den Laden "Tante Emma" geht, sondern um die Person, welche mit der Gegenwart nicht mehr zurechtkommt, da diese sie irgendwie überfahren hat mit ihrem
schrillen Scheinwohlstand. Es gibt sehr viele solcher Emmas
und nicht jede führt einen Laden. Ich denke, in deren Wohnungen wird das Gestern auch aus allen Ecken gucken,
ähnlich dem Laden, welcher hier so gut und eindrucksvoll verdichtet wurde. LG Irene
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Irma antwortete darauf am 09.06.2017:
Dankeschön, liebe Irene! Ja, es geht hier mehr um das Innere von Tante Emma und um ihre (Schub-)laden, die leider schon etwas klemmen. Bei der Altersdemenz versagt ja zuerst das Kurzzeitgedächtnis, während das, was lange zurückliegt, noch lange abrufbar bleibt. Viele liebe Grüße, Irma :-)
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Kommentar von Agneta (30.05.2017)
Liebe Irma,

dieses Werk ist sprachlich so wuchtig und perfekt, das es einen stille macht.
Ich habe es schon ein paar Mal gelesen. Unglauiblich gut geschrieben!!!!!!!

Die erste Strophe steigt schon sprachlich superbe ein, der abgehackte Stil durch die Zeilenumbrüche und Neusätze mitten in einer Zeile zwingt immer wieder zum Anhalten, auch zum gedanklichen.
Untypisch für ein Sonett, ebenso der betonte Auftakt, also der Trochäus. Passt aber zum Inhalt hervorragend.

Aus diesem Grund möchte ich auch nicht an den 4 Hebern in den letzten Terzetten rummäkeln. Sie sind ein Stilbruch, sie machen die Zeilen härter und es passt auch hier wieder zum Inhalt.
Ein nicht klassisches, sondern individuelles Sonett, das so gut Innhlt und Aussage miteinander verwebt, dass ein Gleichklang nur beschönigend wäre.

Zur Konklusio möchte ich sagen, dass ich nicht sicher bin, ob Verwirrte oder Demente abgeschlossen haben. Das Dicht machen kann auch andere Gründe haben. Letztlich aber kann man es auch nicht ausschließen. Insofern ist die Konklusio schüssig.

Respekt!!

Dazu kommt die Doppelsinnigkeit von Tante Emma. Als Laden und als undefinierte, wertlose, verwirrte Person. Einfach genial. Irma.
LG von Agneta
(Kommentar korrigiert am 30.05.2017)
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Irma schrieb daraufhin am 09.06.2017:
Herzlichen Dank, liebe Agneta, für dein Lob und deine Anerkennung, über die ich mich sehr freue! :-)

Der Trochäus ist zwar unüblich, aber nicht unmöglich für ein Sonett. Und die vier Hebungen sind natürlich als Stilmittel bewusst eingesetzt, um das zunehmende Fehlen zu veranschaulichen.

Ich freue mich jedenfalls sehr über deinen Kommentar und das Doppelsternchen! :-) LG Irma
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Isaban
Kommentar von Isaban (08.06.2017)
Hallo Irmchen,

mir ist klar, dass du hier eine etwas antiquierten Sprache einsetzen wolltest, um auf Tante Emmas Alter und Zustand aufmerksam zu machen, allerdings wirkt der Sprachgebrauch in diesem Falle meiner Meinung nach nicht einfach nur altbacken, sondern arg bemüht, was ja eigentlich gar nicht zu dieser lachend versinkenden und mit dem Leben abschließenden Tante Emma passt. Und ganz egal, wie alt Tante Emma jetzt ist, ihr Sprachgebrauch wird gewiss der heutige sein, wenn sie vielleicht auch ohne Denglisch auskommt. Besonders in den Terzetten wird das irgendwie künstlich und insofern nicht wirklich authentisch Wirkende des Textes deutlich - vielleicht magst du ja noch einmal ein wenig dran rumfeilen.

Liebe Grüße

Sabine
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Irma äußerte darauf am 09.06.2017:
Ja, liebe Sabine, gerade mit den Terzetten war ich auch selber noch nicht so recht zufrieden. Ich habe jetzt alles ein wenig verändert, u. a. auch die milchig-trüben Scheiben rausgenommen und durch den Frohsinn der Tante ersetzt. Ich hoffe, das ganze ist jetzt stimmiger und liest sich flüssiger. Lieben Dank für deine Anregung. LG Irma :-)
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Irma
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Veröffentlicht am 29.05.2017, 6 mal überarbeitet (letzte Änderung am 09.06.2017). Dieser Text wurde bereits 282 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 15.10.2017.
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