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theatralisch
Veröffentlicht am 26.12.2007, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 26.12.2007). Dieser Text wurde bereits 430 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 21.03.2010.
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Kieferbruch im Supermarkt ist nichts gegen Kopfschuss auf offener Straße; ach, ich will jetzt mal eine mit Ravioli

Geschichte zum Thema Verfremdung
von hier klicken theatralisch.

Wer ballert sich da  so eifrig durch Berrys Kopf,
das ist doch der Angel, der ihm da hält die
Knarre an seinen bestürzten Kopf.


So oder so ähnlich fing das Drama an, das sich am vorherigen Sonntag zugetragen hat. Es war kein Drama der Extraklasse, denn dann hätte wenigstens etwas Musik im Hintergrund spielen müssen; vorzugsweise Jazz oder eine andere Schwuchtelscheiße. Das passt nämlich am besten zu Hacke und Beil oder eben zu Knarre und Faust.

Oft genug fand ich mich morgens halb ausgetrockend, weil ich die ganze Nacht gekotzt und am Klodeckel geklebt habe, am Fußboden wieder und ich schluckte die letzten Reste runter, die sich in meinem Hals befanden. Oh, niemand will wirklich wissen, was das für Reste waren und wer einigermaßen passabel assoziieren kann, der wird es auf eigene Faust ganz leicht herausfinden.

Einmal in meinem Leben bin ich einem Typ namens Jim gegenübergestanden, der in eben diesem seichten Moment nichts anderes vorzubringen hatte als „Hallo, I’m Jim.“ worauf ich „Igualmente.“ erwiderte. Der Trottel sprach zwar fließend Englisch, aber kein Spanisch, demzufolge wusste er nicht, dass ich laut dieser Ansage, ebenfalls Jim heißen musste.

Man, meine Kehle brennt mir so lichterloh, wie schon lange nicht mehr. Manchmal habe ich das Gefühl, ich muss nicht mich, sondern einfach nur meine Kehle ertränken. Dann passt das schon. Dieser Jim lebt heute vermutlich nicht mehr, weil er meinte, er könnte sich mit mir anlegen.

Wir pokerten erst eine Runde und ich trieb ihn sichtlich in den Ruin. Irgendwann stand ich auf und verabschiedete mich auf das Pisshaus. Jim sah mich knurrend an und sagte „You haven’t told me your name yet. Let me know. I’m Jim.“ worauf ich erwiderte „Oh, I know your name, but I told you mine too. Bye.“ Ich spürte noch eine ganze Weile seinen lodernden Blick in meinen Rücken, während ich mich recht besoffen die Treppenstufen hochzog und irgendwann vor einer weißen Schüssel stehen blieb, um mich zu entwässern. Kurze Zeit später spürte ich eine kräftige Hand auf meiner Schulter, obschon ich gar niemanden kommen hörte.
„Hey you.“ hieß es. „Do you want to fuck with me. I have no AIDS or something like that.“ hieß es weiter. Ich drehte mich um und lachte schallend, als ich Jim erblickte, der anscheinend auf kleine Buben zu stehen schien. Er starrte mich an und war gerade dazu im Begriffe, meinen Schwanz zu berühren. Ich klatschte ihm kräftig auf seine dreckigen ungeschickten Pokerhände und meinte bereits im Abflug „I’m not gay, I’m straight. I guess you should know that."

Seitdem halte ich mich fern von diesen verpissten Engländern. Entweder sie sind stockschwul oder sie lassen dich nicht ran, sofern sie Frauen sind.

Heilige Scheiße, heute ist wieder einer dieser Tage, an denen ich keinen Draht zu mir finde. Ich sitze also im Bett und kratze mich am Bein, es tut sich nichts, da kratze ich mich stärker, es tut sich wieder nichts, da springe ich murrend auf, renne in die Küche und ziehe ein blitzeblankes Messer aus der Schublade, das ich mir in meine Wade ramme. „Hahaha“ macht es aus meinem Mund „Hahaha, ich glaube, ich habe gerade eine Stelle getroffen, die mich ganz besonders gejuckt hat.“

Es war Sonntag, ich lag quer auf dem Küchentisch, hatte wieder mal ein angefeuchtetes Handtuch um mein verletztes Bein gewickelt und murmelte und murmelte und sagte „Verarzten tun sich nur diejenigen, die den Rachen nicht vollbekommen mit den ganzen Weibern und die sich nicht eingestehen wollen, dass das Leben nicht für immer sein kann und die nur immer alles Geld wollen und sich eine Hütte am Meer leisten wollen. Das sind diejenigen, die sich gerne verarzten lassen, weil sie jemanden haben, der einen Verband besitzt.“

Irgendwann traf ich Jim wieder. Ich war im Supermarkt, um mir Pumpernickel, den Playboy und ein paar Stangen Lakritze zu kaufen. Bier hatte ich noch und wenn nicht, dann musste ich auch damit leben. Nein, ich will hier schließlich niemandem etwas vormachen. Bier hatte ich selbstverständlich auch keines und deshalb nahm ich mir vor, lieber Wodka zu kaufen, denn den hatte ich ja auch nicht. Ich schlich mich durch die Gänge, an all den Brennnesseln und dem verhunzten Gurkenscheiß vorbei, da stach mich plötzlich etwas im Augen. Ich rieb mir den Schmerz größer und konnte einen kleinen, dicklichen Mann ein paar Meter von mir entfernt wahrnehmen, der mich anlächelte, worauf ich ihm den Stinkefinger zeigte. Da fiel mir erst auf, dass dieser Knabe eine verblüffende Ähnlichkeit zu dem alten Jim aufwies, der mich damals für eine schnelle Nummer gewinnen wollte. Ich stellte das Gurkenglas, das ich so oder so nicht kaufen wollte, wieder zurück ins Regal und verließ den Laden, ohne mich ein erneutes Mal umzudrehen.

„Von nun an werde ich meine Einkäufe immer von Zuhause aus tätigen und wenn das nicht klappt, dann werde ich lieber verhungern, bevor ich diesen notgeilen Jim nochmal irgendwo treffen muss. Ekelhaft, wie der mich angegrinst hat, so als hätte ich ihn damals tatsächlich rangelassen. Bin ich Homo oder was?“

Die Tage vergingen und ich köpfte ein paar Dosen, weil ich seit dem missglückten Einkauf nur mehr Dosen zu Hause hatte und nichts anderes. Dosen mit allen möglichen Inhalten, Größen und Farben. Das machte Laune und ich beschloss, für die nächsten drei Tag nur mehr die Dosen kalt zu machen, auf denen „BEER“ stand. Das waren die einzigen Dosen, die ich ohne meine blanke Faust und alle angestauten Aggressionen dieser Welt aufbekam.

Werkzeug habe ich nämlich noch nie besessen und wer konnte es ahnen, dass ich irgendwann mal auf so einen Krieger namens Jim treffen würde, der mich selbst im Supermarkt nicht zufrieden lassen konnte. Ich wollte mich nicht kleinkriegen lassen, daher verließ ich drei Tage später das Haus, um ein paar Bierchen in einer hübschen Bar namens Jackys zu zischen. Hier traf ich ab und an ein paar Girls, die sich von mir auf eines der Hotelzimmer begleiten ließen. Meine Hand zitterte wie verrückt, als ich das Bier zu meinem Mund führte und den ersten kräftigen Schluck nahm. Es vergingen wenige Minuten, da erspähte ich einen kleinen, dicklichen Guy, der in einer Ecke lümmelte und mir mit seinem Whiskyglas zuprostete. Es war Jim, niemad anderes als Jim. Jetzt wollte ich mir die ganze Story nicht wieder einfach so wegsaufen, sodass ich die nächsten Tage nur mehr Klopapier und Putz zu fressen hatte. Ich wollte es ein für alle Mal klären. Gemächlich zog ich den Stuhl unter meinem Arsch weg und ging straight auf den Knaben zu; wollte mir meine Unsicherheit nicht anmerken lassen; deshalb ballte ich meine beiden Hände zur Faust und steckte sie schlussendlich in die Hosentaschen. Da stand ich nun und dieser Bengel, dieser alte Grinseganove konnte das Grinsen einfach nicht sein lassen.

„Jim. Why do you follow me? It’s quite obviously, so you don’t have to deny. Why, Jim, why?“

„Hey boy. I’m with you, all the time. Do I have to take you seriously or is it just a game?“

Ich konnte mir das nicht mehr länger mit anhören, packte Jim am Kragen und zog ihn hoch.

„Nooooo, no game, but soon it’ll be my game. You know?“

Ich zwickte ihn noch schnell in die Brustwarzen, da machte ich mich vom Acker und rief dem Kellner  zu, dass der Alte meine Rechnung begleichen würde. Das klappte natürlich nicht und ich musste demungeachtet ein paar Scheine hinblättern.

Aber seitdem, und das war es mir wirklich wert, hat sich dieser Jim nicht mehr blicken lassen und ich kann endlich wieder in Ruhe meine Streifzüge durch alle Supermärkte, Casinos und Bars in der Umgebung machen, ohne dass ich damit rechnen muss, dass Jim auftaucht. Ich kann zwar nicht mit absoluter Gewissheit sagen, dass mir sein Anblick für immer erspart bleiben wird, aber ich weiß, dass er mir nichts anhaben kann, weil ich ihm körperlich überlegen bin.

Ich bin ein Stecher und er ist eine schwächliche Schwuchtel. Das reicht, um sich ein Stückchen Welt unter den Nagel zu reißen.

„Hahaha“ macht es da im Nu aus meinem Mund.

URL dieses Textes: hier klicken www.keinVerlag.de/185581.text

Anmerkung von theatralisch: Ich bin nicht mehr ich,
weil ich tot war und nun
wieder lebendig bin.
Heute bin ich Tschacky Tschan
und verflucht stolz drauf.

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Kommentare und Diskussionen zu diesem Text

Kommentar von Locklin (48) (27.12.2007)    diesen Kommentar melden
Typisch, wenn du weißt, worum es geht, dann ohne dich.
Und komm schon: Die Sprache ist so locker- hau rein,Baby

hier klicken theatralisch meinte dazu am 27.12.2007: Dito?

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