Ich möchte dir erzählen.

Text

von  atala

Kleiner Käfer, ich habe dich gesucht, zwischen zwei Blättern hast du dich versteckt. Ich wollte dir das Meer zeigen. Siehst du, wie es über die Ränder schwappt? Man sieht die hochgestreckten Wellen kaum, wenn sie niederstürzen. Heute sind das Meer und der Himmel grau in grau.

Ein Rücken gemacht um zu fliegen. Das Fleisch spannt sich eng an die Schulterblätter. Sie stemmt die Hand in die Hüfte und ich sehe ihre Schulterknochen, wie sie sich spannen, zum Abflug bereit. Sie dehnt ihre Arme bis sie Flügel werden, sie wird fliegen. Wie ein Vogel, nicht so wie du und ich. Uns trägt nur der Wind.

Ich möchte dir erzählen von meinem dunklen Haar, dass sich in der Scheibe spiegelte, so dass ich die Nase plattdrücken musste.

Ich möchte dir erzählen, von ihrem glänzenden Haar. Als mein Großvater einen Frack trug, mit dem sah er so adrett aus, wie aus einer vergangenen Zeit. Sogar meine Großmutter trug Lippenstift und mein Vater hatte die Kamera mitgenommen.

Ich sehe meine Schwester an der Seite stehen, ihr hübsches Gesicht hebt sich von allen anderen ab. Ihr Name wird aufgerufen und sie tritt mit großen Schritten auf den schwarz gekleideten Mann zu, schüttelt ihm lächelnd die Hand und nimmt ihr Diplom. Alle stehen auf und klatschen; Mutter hat Tränen in den Augen.

Ich möchte dir erzählen, kleiner Käfer, vom Rücken meiner Schwester, der so ist wie dieses Titenfischskelett hier, ganz glatt und weiss. Wie sie sich dreht zur Musik, immer schneller. Das Haar am Nacken festgebunden. Wie die Töne abrupt verstummen, sie aufsteht, die Stirn mit den Handrücken abwischt und mich nicht sieht, hinter der Scheibe stehen, wie ich die Hand hebe und wieder sinken lasse.


Anmerkung von atala:

Bitte um Kritik!
Vor allem bezüglich, Titel (der Rücken meiner Schwester oder Ich möchte dir erzählen.)
Aufbau und Logik.

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Kommentare zu diesem Text


 Vessel (15.05.15)
ich mag den text. titelvorschlag: ein schöner rücken, kann auch ... naja egal, blöde idee. ganz rund ist der text nicht, grammatikalisch usw.

"Ich wollte dir das Meer zeigen" präteritum, während der rest im präsens ist.
"...Man sieht die .." warum das unpersönliche man?
"Das Fleisch spannt sich .." die haut?
"Schulterknochen, wie sie sich spannen" muskeln spannen sich oder haut, knochen eher nicht.
"Wie ein Vogel, nicht so wie du und ich. Uns trägt nur der Wind." aber käfer können doch fliegen :)
"und mich nicht sieht, hinter der Scheibe stehen, wie ich die Hand hebe und wieder sinken lasse." der satz ist noch ein bisschen verdreht. ... wie ich hinter der scheibe stehe, wie ich die hand hebe und sie wieder sinken lasse - so vllt?

der text an sich ist verstrickt, aber nicht zu sehr. zu deuten gibt es aber viel, es ist alles sehr offen und kann sonstwas bedeuten. mir gefällt deine sprache sehr, das macht den text gut zu lesen, ich denke, du hast den grad zwischen trivial und gefühlvoll schön getroffen.

 TrekanBelluvitsh (22.06.15)
Ein melancholischer Text, der die Entfernung verdeutlicht, die sich zwischen Menschen, die sich einst nahe standen, entwickeln kann.

 Dieter_Rotmund (30.03.20)
Der Text ist sehr, um nicht zu sagen zu salbungsvoll-pathetisch formuliert. Allein "Ich möchte dir erzählen, von ihrem glänzenden Haar", das sagt ja schon alles.
Titel: "Der Rücken meiner Schwester" ist natürlich die bessere Wahl, denn "Ich möchte dir erzählen" klingt nach dröger Nabelschau.
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