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Bibliografische Daten:
Verlag: Eichborn
Erscheinungsjahr: 1991
ISBN: 3821844213

Kurz, Robert:
Der Kollaps der Modernisierung

Vom Zusammenbruch des Kasernensozialismus zur Krise der Weltökonomie

Eine Rezension von  Shagreen
veröffentlicht am 04.12.2010
Diese Rezension erschien am 04.12.2010 in der Ausgabe Nr. 264 von unter dem Titel
Hic Rhodus, hic salta.
Soviel Ende war nie." Mit diesem Satz beginnt das Buch, welches vor 20 Jahren erschienen ist und sich mit der finalen Krise des Kapitalismus als Weltsystem beschäftigt. Kurz analysiert darin den vermeintlichen Sieger "Kapitalismus" und den untergegangenen "Sozialismus" als Arbeitsgesellschaften, als bürgerliche warenproduzierende Systeme, bei der in der Metakrise des gemeinsamen Bezugssystems von Arbeit/Ware/Geld zuerst der schwächere, starrere, in der Modernisierung weiter zurückgebliebene Vertreter aus dem Feld geschlagen wurde. Beide Systemvarianten vermittelten und vermitteln sich dabei über die Arbeit, die überhistorisch zum Wesen des Menschen erklärt wurde, deren selbstzweckhafter Charakter aber ausgeblendet bleibt. Arbeit ist aber die abstrakte betriebswirtschaftliche Vernutzung von menschlicher Arbeitskraft, die eingekauft wird und Waren herstellt, die sich über den Markt als Realisationssphäre des Werts wieder in Geld zurückverwandeln. Diese protestantische Leistungsverausgabung ist spezifisch kapitalistisch, eine Eigenart der Moderne.

Aber was ist eigentlich gescheitert? Kurz sieht in den realsozialistischen Staaten die Ideen des deutschen bürgerlichen Idealismus verwirklicht, also den Vernunftstaat oder geschlossenen Handelsstaat Fichtes mit seinen Charakteristika: Preisfestsetzung, geplanter Markt, Recht auf Arbeit und staatliches Außenhandelsmonopol. Der Staat ist also kein Gegenspieler des Marktes, sondern war erst Geburtshelfer einer Nationalökonomie (im Absolutismus waren Hofhaltung und stehendes Heer nicht mehr ohne Geldwirtschaft und Steuersystem zu finanzieren) und ist jetzt immanenter Bestandteil des warenproduzierenden Systems alias Kapitalismus. Von der frühmodernen Staatlichkeit bis zur heutigen Krisen- und Notstandsverwaltung haben sich etatistische und monetaristische Momente immer abgelöst; die nachholende Modernisierung im Osten erforderte noch die Dominanz des staatlichen Pols, während man im Westen den Staat stärker durch den Markt verdrängen konnte. Bei der heutigen Krisenreife des Weltsystems fallen Staats -und Marktversagen unmittelbar zusammen, sind doch die Finanzblasen an den Märkten von heute die Staatsschulden von morgen.

Die staatssozialistische Illusion findet sich vor allem bei Lenin, der eine großangelegte, planmäßige, staatliche Organisation ausgehend vom richtigen Subjekt der Geschichte, der Arbeiterklasse (eigentlich war es nur die Parteibürokratie) für notwendig befand. Die Verwertung des Werts sollte sozialistisch (= staatskapitalistisch) gemodelt werden. Die Herrschaft des Proletariats bestand im Grunde nur darin, an den massenhaft geschaffenen Arbeitsplätzen verheizt (ausgebeutet) zu werden, um eine nachholende, kriegswirtschaftliche, etatistische Modernisierung voranzutreiben. Dabei mußte die innere Konkurrenz ausgeschaltet werden, um in der äußeren Konkurrenz mit den höher entwickelten Ländern des Westens bestehen zu können. Damit entledigte man sich aber gleichzeitig des dynamischen Moments und fiel in der Produktivkraftentwicklung/Produktivität zunehmend zurück. Ohne primären Konkurrenzmechanismus wurde der "geplante Markt" zunehmend dysfunktional und trieb seine eigenen Irrationalismen hervor: Wertmaximierung in den Betrieben durch hohen Ressourceneinsatz/Verschwendung, Unmöglichkeit einer Preisbildung, staatliche Subventionierung und absurdes Investitionsverhalten. Allerdings sieht Kurz eine negative Sekundärkonkurrenz der Betriebe untereinander (z.B. Horten von Materialien, Abwerben von Arbeitskräften) und der Betriebe gegenüber dem Staat (z.B. um Gewinnabschöpfung und Planziffern). Die Krise in der Ökonomie des Ostblocks spitzte sich in den 70er/80er Jahren zu, als im kapitalistischen Westen die Mikroelektronik eingeführt wurde. Mit dieser "Schlüsseltechnologie" war auf dem Weltmarkt ein neuer Produktivitätsstandard gesetzt, an dem sich auch die östlichen Vertreter messen lassen mußten (mußten sie doch auch exportieren, um Devisen zu beschaffen). Aber auch in den westlichen Gewinner-Nationalökonomien gibt es Krisenerscheinungen wie Massenarbeitslosigkeit und neue Armut beweisen. Die fordistische Prosperität der Wirtschaftswunderjahre ist Geschichte und kann durch den Übergang des Ostens zum konkurrenzökonomischen Modell nicht wiederholt werden. Um die Weltmarktgewinnerländer "einzuholen" wären gigantische Kapitalinvestitionen für Produktion auf Weltniveau nötig. Die Marktanpassung bleibt so in einer Reformkrise stecken. Kurz dechiffriert den zu Ende gegangenen Ost-West-Konflikt als Auseindersetzung zweier ungleichzeitiger historischer Stufen ein und desselben warenproduzierenden Systems. Die "Entwicklung" der Dritten Welt, gekennzeichnet durch Außenverschuldung, Deindustrialisierung und Verelendung, in der die nachholende Modernisierung schon gescheitert ist, entpuppt sich als Menetekel. "Nach den Zusammenbrüchen der Dritten Welt in den achtziger und des Realsozialismus Anfang der neunziger Jahre ist nun der Westen selber reif." Wie Metastasen bilden sich Verliererregionen selbst innerhalb der Weltmarktführerländer, die noch aus der Industrieproduktion alimentiert werden können. Bei den historischen Nachzüglern bilden sich dagegen nur "kleine Produktivitäts- und Rentabilitätsinseln in einem Ozean von Desorganisation und Verelendung", exekutiert durch die Globalisierung des Kapitals. (Die "Globalisierung" ist zeitbedingt aber erst das Thema des "Weltkapital"-Buches von Robert Kurz, 2005). Wenn der Zusammenbruch in den Kernländern des Kapitalismus noch aufgeschoben wurde, dann nur wegen dem europäischen (BRD -> EU) und pazifischen Defizitkreislauf (Japan, südostasiatische Schwellenländer -> USA, Kanada) und der globalen Immobilien- und Aktienspekulation.
Für die Krisenbewältigung hält Kurz eine bewußte gesellschaftliche Aufhebungsbewegung für notwendig, die mit der subjektlosen Herrschaft des abstrakten ökonomischen Werts bricht. Und so endet das Buch mit den Worten: "Hic Rhodus, hic salta".

Soweit eine kurze Inhaltsangabe. Fazit: Die Marxsche Kritik der Politischen Ökonomie ist nicht veraltet, sondern muß - weiterentwickelt - auf die Tagesordnung gesetzt werden, wenn eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus (zur Wertabspaltungsvergesellschaftung) gedacht werden soll. Auch dieses Buch ist noch aktuell und lesenswert (eine weiterführende Theoriebildung findet unter www.exit-online.org statt). Robert Kurz ist ein Buch gelungen, "wo es einem wie Schuppen aus den Haaren fällt". Der "Kollaps" und das "Schwarzbuch" sind die "richtigen scheiß Bücher" (Good Will Hunting).



Kommentare zu dieser Rezension

Kommentar von  Bergmann (65), 12.12.2010diesen Kommentar melden
Bergmann Eine bemerkenswerte Rezension! Danke!
Uli


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