Danach

Gedicht

von  tigujo

Als sie wegging nach der Nacht,
Liebesnacht, hab ich gedacht,
blieben mir, nebst viel an Liebe,
ihre Augenblicke haften -
was wir uns einander schafften
wäre mehr als offenbliebe.

Als sie wegging früh am Morgen
sah ich mich in uns geborgen,
sah ich uns in uns gedrängt,
unverwüstlich eingeschmiegt,
uns gewogen hingekriegt,
und ich spürte, sie verfängt.

Als sie dann nie wieder kam,
nach der Nacht, nach unserm Morgen,
wurden meine Sinne lahm.
Hatte keinen Sinn - sie nahm,
als sie wegblieb, meinen Sinn.
Ich blieb der nur, der ich bin.


4.2.2019

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Kommentare zu diesem Text


 Isaban (17.02.19)
Hallo tigujo,

ein Text, der mir sehr gut gefällt, der die Fassungslosigkeit des LI sehr gut bebildert, der den Leser mitnimmt, auf diese Reise, bis zum bitteten Schluss.

Wie wäre es in S3, V4 mit "machte gar nichts Sinn, sie nahm" oder "fehlte jeder Sinn, sie nahm"?

Das "hatte" dort hat keinen direkten Sinnbezug.

Liebe Grüße,
Isaban

 tigujo meinte dazu am 17.02.19:
Danke für deinen Vorschlag. Bezweckt war, "(es,ich) hatte keinen Sinn", wobei das Gleichzeitige von 'es' und 'ich' - so man es so liest - mir fast schon quantenmechanisch vorkam, das daraufhin mit 'nahm...meinen Sinn" geklärt wird.

Doch der Sinn entsteht im Leser, nie im Schreiber, und so muss ich wohl was machen mit der Zeile... Ich versuch es vorerst mal mit geänderter Zeichensetzung, Punkt statt Bindestrich. Danke für deinen Stubser! lg tigujo

 Isaban antwortete darauf am 18.02.19:
Tscha, wirklich bewirkt hat das Pünktchen nichts, außer dass "hatte" jetzt großgeschrieben wird, lieber tigujo.
Da das Pronomen fehlt, ergibt sich immer noch kein echter Sinnbezug, es sei denn, die arg umgangssprachliche Ausdrucksweise ist wirklich gewünscht.

Manchmal muss man als Dichter auf einen seiner tollen Einfälle verzichten, weil der Text sich sonst nicht wie gewünscht auf den Leser überträgt - glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche, ich muss fast jeden meiner Texte "entschlacken" und trauere verflixt vielen tollen stilistischen Einfällen hinterher, die sich leider als leseruntauglich erwiesen - ich weiß also definitiv, wie schwer sowas fällt.

Versuch doch eventuell noch einmal eine andere Lösung, z.B.: "wurden meine Sinne lahm, ergaben keinen Sinn, sie nahm..." oder ganz schlicht "wurden meine Sinne lahm, hatten keinen Sinn, sie nahm" o.ä. Bei ersterem Vorschlag würde der metrische Bruch den Inhalt zusätzlich unterstreichen - aber da gibt es gewiss noch einige andere spannende Möglichkeiten.

Noch mal liebe Anstubsgrüße,
Isaban

Antwort geändert am 18.02.2019 um 13:31 Uhr

 tigujo schrieb daraufhin am 23.02.19:
Teufel auch, dein Stubs.

Ein Stubs, sagst du - weit gefehlt, das war mehr: Er hat mich befruchtet, und jetzt renn ich mit allen üblichen Begleiterscheinungen jetzt schon fast eine Woche damit schwanger herum, höchste Zeit, die Änderung rauszulassen.

Im Kreißsaal kichert man schon, wird eine Zangengeburt, und hat vorsorglich mein Ego intrasinnös ruhiggestellt - danke für deinen achtsamen Hinweis, Frau Primaria :)

Allein, trotz allem Weh sag ich Ach, da gibt es was, was nabulös den Witz erwürgen könnt, und rolle mich hin und her, vielleicht geht es doch schmerzloser.

Und schwupps, da wurde die neue Version geboren - klein, doch immerhin winzig und urmännlich, der stolze Bindestrich, der dabei rauskam...

Spannend? Schau mer mal, was die Besucher sagen... Vielleicht gelingt mir die nächste Entbindung glatter, so wie meist.

Wenn du wieder mal vorher 'stubst', Isaban.

Frische Wochenbettgrüße samt leichter Depri deswegen
tigujo

Antwort geändert am 23.02.2019 um 06:11 Uhr
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