Sommer. Schwer. Mut.

Sonett zum Thema Ausweglosigkeit/ Dilemma

von  Walther

Sommer. Schwer. Mut.

Die Helligkeit quält mich an diesem Morgen,
Als wollte sie, dass ich an ihr erblinde.
Ich suche nach mir, doch, was ich da finde,
Das kann sich gerne gleich ein andrer borgen.

Ich schraube mich aus meinem Bett: Dunkel,
So will ich’s haben, Sommer kann mich mal.
Die Sonne: überschätzt. Mein Mund schmeckt schal.
Die Seele eitert. Wie ein Abszessfurunkel

Fühl ich mich grade, das bald platzt. So voll
Ist es, dass es mich schmerzt. Nichts geht voran,
Weil alles endet. Was ist daran toll,

Dass man sich als umzingelt fühlt, umringt
Von Dingen, die man nicht mehr ändern kann? –
Sei still und hör, was dir die Amsel singt!


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Kommentare zu diesem Text


 Rosalinde (26.07.23, 18:03)
Hallo Walther,

ja, wenn heute morgens erwacht, ahnt man, dass es kein wirklich guter Tag werden könnte. Fast jeden Tag eine schlechte Nachricht.
Du verzagst im zweiten Terzett, was ich verstehen kann, denn von uns, den Betroffenen, kommt kaum Widerstand. 

Zum Technischen habe ich drei Dinge anzumerken:
Ich setze voraus, dass dir bekannt ist, dass These und Antithese denselben Reim haben müssen, was in diesem Sonett nicht der Fall ist. 

Abzessfurunkel ist doppelt gemoppelt. Entweder man hat einen Furunkel oder einen Abzess. Es ist immer derselbe eitrige Pickel.

Im zweiten Terzett stört mich das "als umzingelt". Es hätte gereicht, dass man sich umzingelt fühlt, also ohne "als". Akzeptieren würde ich aber ein "wie". 

Rosalinde

Kommentar geändert am 26.07.2023 um 18:04 Uhr

 Walther meinte dazu am 26.07.23 um 19:42:
Hallo Rosalinde,

danke vielmals fürs lesen und bemängeln. das meine ich ernst, auch wenn ich dir nicht folge in den einschätzungen. meine antworten darauf:

(1) dass bei einem sonett these und antithese die gleiche reime im gleichen schema haben müssen, ist falsch (und von vorgestern, nämlich von herrn Schlegel ende des 18., anfang des 19. jahrhunderts so statuiert. wir sind im 21. jahrhundert angelangt).
(2) das "als" in S4V1 ist korrekt und beschreibt den tatsächlichen zu- bzw. umstand, während das "wie" nur die einbildung des "als" darstellt. das "als" ist bewusst gesetzt.
(3) richtig wäre, dass ein furunkel immer ein abszess ist und nicht umgekehrt. der eindeutigkeit halber und der verstärkung der aussage wegen wurde die dopplung verwendet.

ich wünsche dir frohes dichten und werken. bleibe mir trotz meiner abweichenden sicht der dinge bitte gewogen.

lieber gruß Walther

Antwort geändert am 26.07.2023 um 19:43 Uhr

 Rosalinde antwortete darauf am 27.07.23 um 09:06:
Hallo Walther,

das wusste ich nicht, dass die Sache mit dem gleichen Reim in den beiden Quartetten auf Schlegel zurückgeht. Inzwischen aber hat sie sich unter Lyrikern eingebürgert, kann man in den Anleitungen lesen.

Zum "als" bin ich der Ansicht, dass es reichen würde, es einzusparen, also einfach nur zu sagen: "Er fühlt sich umzingelt". Nun brauchst du das "als" aber metrisch, insofern passt es jetzt zwar als leichte Hebung, aber stilistisch scheint es mir nicht so besonders.

Was nun Furunkel und Abzess angeht, so sind das zwei Sprachebenen: landläufig der Furunkel, der Abzess aber aus dem Medizinischen. Du machst dem Leser also klar,
dass du weißt, wie der Arzt spricht. Zu bemängeln ist es nicht, hat aber was von Intellektualität, was vielleicht in Alltagssprache hätte ausgedrückt werden können. Falls du nicht aus der Medizin kommen solltest.

Nein, ich bin dir nicht böse. Das Sonett ist zwar nicht umwerfend, aber ansonsten sehr sauber geschrieben und beschreibt den Seelenzustand des Autors ziemlich genau.
Aber nimm mal hinter "doch" (1. Quartett, Vers 3) das Komma weg.

Rosalinde

 Saira schrieb daraufhin am 28.07.23 um 18:37:
Nein, ich bin dir nicht böse. Das Sonett ist zwar nicht umwerfend, aber ansonsten sehr sauber geschrieben und beschreibt den Seelenzustand des Autors ziemlich genau.
 
Wie bitte, Rosalinde?
 
Hattest du nicht erst am 24.07. moniert:


  Rosalinde schrieb daraufhin am 24.07.23 um 17:55:
Der Fehler meiner Vorschreiber verwundert mich doch etwas, denn sie lesen diesen Text nicht als fiktiven Text, sondern als die Lebensgeschichte der Autorin. Das verbietet sich aber für jeden ernstzunehmen Autor, und wir sind ja hier alle Autoren.

Rosalinde

 Saira (28.07.23, 18:39)
Du hast das Dilemma gut geschildert, Walther.

Liebe Grüße
Sigrun

 Walther äußerte darauf am 02.08.23 um 15:09:
Danke, lb. Sigrun! lg W.

 Saira: der dichter dankt für die leseempfehlung!
 
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