Samstag, 19. Dezember 2009, 19:00:
Für Wortverdreher
von
wupperzeit
Zuerst wollte ich eine recycelte Kolumne anbieten an diesem Sonntag, mein verwöhntes Publikum war damit überhaupt nicht zufrieden, und ich danke dem Kollegen
wortverdreher, dass er diese Unzufriedenheit subtil, aber wahrscheinlich in Ihrer aller Namen artikuliert hat. Ich widme ihm diese Kolumne, sollte ihm die Kolumne, oder die Widmung, oder sogar beides nicht gefallen, entferne ich die Widmung, belasse es aber bei dem Kolumnentitel: Passt auf fast jede Kolumne, finden Sie nicht?
Nun, es lag nicht an mir, dass ich diesen kleinen Betrug an meiner Leserschaft begehen wollte, Schuld daran war die fehlerhafte Informationspolitik des Teams, die zwei verantwortlichen Damen hierfür mussten sich dafür verantworten, ich habe sie gefeuert. Allerdings finde ich die öffentliche Diskussion um diesen Vorfall hysterisch, und ich warne davor, bei der Untersuchung dieses Vorfalls das Team zu diskreditieren.
Übrigens, hysterisch, diskreditieren, selbst vollkommen schuldlos, und deshalb Leute feuern, es gibt da ein prominentes Beispiel aus der Politik, das mir da als Vorbild gedient hat, und wo wir schon mal bei dem Thema Vorbild sind... Man sagt doch immer, Eltern sollen Vorbilder sein, zumindest postulieren das die Vertreter der so genannten christlichen Partei, der dieser Herr angehört, und wer das oft von sich behauptet, Vorbild sein zu wollen, das sind Vertreter des so genannten Standes, dem der Kollege ebenfalls angehört, und den wir mit einigem Recht abgeschafft haben: des Adels also. Jetzt weiß ich gar nicht, ob der Herr von und auch zu Kinder hat, aber nehmen wir an:
Abendessen bei Barons zu Hause, die treue Dienerschaft serviert das von Herrn Hochgeboren selbst erhatzte Wildbret, vortrefflich zubereitet unter Aufsicht der angeblich schönen Baroness, und in diese Orgie aus Vorurteilen, Klischees und Kitschphantasien meinerseits fragt Herr Von den Sohn des Hauses nach den Fortschritten beim Absolvieren der Schullaufbahn, schließlich soll dieser dereinst das stattliche Gut übernehmen. Und der Thronfolger erklärt dem Herrn Papa, dass er keine Schulaufgaben mache und sich auch an Klassenarbeiten nicht beteilige, das läge an der Informationspolitik der Mitschüler und Lehrer, die ganze Diskussion darüber fände er hysterisch und so weiter...Ich frage mich, was Herr Zu darauf antworten mag, schwer vorstellbar, dass sein stolzes Lächeln sich verbreitert, aber im Grunde genommen hat das potentielle Kind Recht, es macht, was Hochwohldings ihm vorlebt.
Oder zu Hause bei Obersten, bemühen Sie bitte Ihre eigene Phantasie, sich das im Detail auszumalen, der alte Haudegen fragt den Eleven, was es so Neues gibt, und Sohnemann antwortet ungefähr so: Man habe ihm sein Auto geklaut, und er habe daraufhin seinen Freund Jossele gebeten, die Übeltäter abzuknallen und alle Leute, die in diesem Moment um den gestohlenen Wagen stehen ebenso, Jossele habe das gemacht, - ist Herr Oberst in diesem Moment stolz auf seinen Sohn?, - müsste er eigentlich sein. Und zufrieden in sein Salamibrötchen beißen am Schluss.
Wenn ich ein wenig genauer darüber nachdenke, sind solche Leute nicht meine Vorbilder, jedenfalls würde ich mich schämen, das öffentlich zuzugeben, ich mag mir auch gar nicht vorstellen, wie solche Typen leben oder vorleben. Aber sie selbst behaupten das von sich, nehmen in Anspruch, Vorbilder zu sein, Verantwortung zu tragen und diese auch zu übernehmen, wenn es nötig ist. Und können nicht einmal ihren eigenen Familien erklären, was sie tagsüber machen, ohne unglaubwürdig zu sein. Unglaubwürdig ist jeder, dessen eigene Moralvorstellungen sich nicht verallgemeinern lassen, weder in kleinen Dingen noch in den großen. Solche Vorstellungen von der Moral sind keine Moral an sich, auch wenn das häufig öffentlich behauptet wird. Sie sollten nicht hingenommen werden, weder bei unseren Kindern zu Hause, noch sonst wo: Lüge ist Lüge, Schuld ist Schuld, und Mord ist Mord.
Und so gesehen wird in diesem Kolumnenteam, solange ich die Leitung habe, jedes Teammitglied bestraft, das recycelte Kolumnen zu veröffentlichen versucht, es sei denn, es ist Opfer einer falschen Informationspolitik geworden oder einer hysterischen Diskussion darüber. Weiterhin so gesehen freue ich mich auf unsere gemeinsame Teamkolumne am nächsten Sonntag, und wünsche dem Team, allen Lesern und Wortverdrehern:
Einen schönen Tag.
Kommentare zu dieser Teamkolumne
Kann das sein, dass ich den Text schonmal las?
Eigentlich bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass ich den auch schon einmal kommentiert habe. |
Ja, sie ist schon einmal erscheinen, als Mittwochskolumne, und Du hast sie schon einmal kommentiert, ich habe das gerade einmal recherchiert. Hättest Du auch selbst machen können, oder nicht?
Nichts zu danken, schönen Sonntag. |
Ja, hätte ich wohl, aber so weit habe ich gerade nicht gedacht. :-) |
Tja, ihr traut mir alle einfach viel zu viel zu. Bis vor einigen Minuten wusste ich noch nicht einmal wie das Wort "subtil" geschrieben wird. Und jetzt gerade muss ich noch nachschlagen, was es bedeutet.
Aber den Titel find ich äußerst gelungen. Die Kolumne könnte natürlich auch so heißen. |
Und wieso zur Hölle ist die Reihenfolge aller Kommentare total daneben? Demnächst sollten wir wohl vorsichtshalber nummerieren. |
Nun, Wuppertal, zwei schöne erste Absätze und der ganze Text mit nur wenig Gutmenschenattitüde, vielleicht wird doch noch was aus Dir! :-)
Das Beispiel aus der Politik ist mir nicht bekannt, ich bin sowieso kein Freund davon, dass man irgendwelchen Bananennachrichtchen als Aufhänger für Kolumnen verwendet, sondert sich lieber etwas eigenes sucht, siehe Steve Lopez im aktuellen Film von Joe Wright. Naja, nur so grundsätzlich. Grundsätzliche freue ich mich darüber, daß es eine Sonntagskolumne ohne Christengefasel gibt. |
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