Kommentare zu dieser Teamkolumne
Und auf der Welt sterben an diesem Tag ca. 155652 Menschen (Weltbevölkerungsuhr 2009 daher auch ein ca., vielleicht sinds ja nun noch mehr).
Dies noch als kleines Detail zum nachträglichen Hinzufügen. Ich finde nämlich diese Betroffenheitskolumne könnte noch ein Prise Melodramatik vertragen ;-). |
Wenn ich schon das Wort "Betroffenheitskolumne" lese ! Jedes Mal, wenn jemand versucht, mal ein wenig Aufmerksamkeit für die Probleme dieser Welt zu schaffen, wird gleich die "Betroffenheitskeule" gezogen. Das wird immer mehr zur Standardmethode der westlichen Welt: Alles auf ein Wort reduzieren und über diesem das volle Arsenal der Ironie abwerfen.
Für mich ist das keine Betroffenheitskolumne. Sicherlich hätte man es feiner verpacken können(das ist hier dann doch ein bisschen zu grob mit der Moralkeule geklopft) und etwas ganz Wichtiges(nämlich Ideen zum konkreten Handeln) fehlt, aber ein plumpes Betroffenheitsding ist es nicht.
Aber natürlich wird diese Behauptung bei diesem Thema ja gerne vorgeschoben,weil es das Spotlight auf die andere Seite lenkt. Mit einem ehrlichem "Das geht mir Alles am *** vorbei" könnte man sich ja SELBST unbeliebt machen... |
Lieber Nucksen,
beim nächsten Mal erst denken, dann schreiben. Dass ich diesen Text für eine Betroffenheitskolumne halte, liegt daran, dass er sehr auf die Tränendrüse drückt, dass er mir beim Lesen das Gefühl gibt, ich müsste mich dafür schämen, "glücklich" zu sein, weil auf der Welt xy Kinder verhungern. D.h. jedoch nicht, dass ich die beschriebenen Zustände für wünschenswert halte oder sie mir "am Arsch vorbeigehen". Verstehst du? Meine Kritik richtet sich gegen die Art, wie der Text geschrieben ist, nicht in erster Linie gegen die Fakten, die sich ja auch nicht leugnen lassen.
Darüber hinaus bleiben Fragen, die ich dir stellen muss: Weinst du, wenn du dir nur schon Todesanzeigen in der Zeitung liest? Bist du depressiv, weil auf der Welt Krieg geführt wird? Ist dein ganzes Leben erfüllt von Traurigkeit ob aller Ungerechtigkeiten dieser Welt? Oder lebst du ein normales Leben, in dem deine Gedanken nicht jederzeit um solche Problematiken kreisen, dein persönliches Glück davon nicht berührt wird? Ich glaube, es wird - Hand aufs Herz - eher das Letztere sein. Denk mal drüber nach, bevor du dich wieder ereiferst. |
Kommentar von Jack, 09.05.2010 |  |
"Weinst du, wenn du dir nur schon Todesanzeigen in der Zeitung liest? Bist du depressiv, weil auf der Welt Krieg geführt wird? Ist dein ganzes Leben erfüllt von Traurigkeit ob aller Ungerechtigkeiten dieser Welt?" - das ist in der Tat die Voraussetzung, die erfüllt sein muss, damit es sich beim Empörungsengagement nicht bloss um Betroffenheitsterror handelt.
Wer am Elend der gefallenen Schöpfung wirklich leidet, leidet leise. "320 000 Kinder werden in Deutschland heute Opfer sexuellen Missbrauchs werden, 20.000 Kinder werden heute als Prostituierte vergewaltigt werden." - ist das nicht eine Prise zu ungeheuerlich, um es in Betroffenheitsworte zu packen? Verblasst da nicht jedes schlechte Gewissen vor einem Leid, dass größer ist, als das Mitleid eines Menschen, der eine gute Kindheit erleben durfte, und nun betroffen ist? Ist der Zyniker herzlos? Mitnichten. Ihm fehlt nur der Größenwahn, sein kleines eitles Mitleid in den Ring zu werfen. |
Ich finde es wichtig, daß man hin und wieder Zahlen des Grauens sprechen läßt. Denn welcher pappsatte Bürger tut noch etwas für Andere.
Nur, am Muttertag liegt es sicher nicht und gäbe es ihn nicht, würden Mütter genausowenig beachtet werden wie die Verhungernden, die Mißhandelten oder die Verkauften. Muttersein ist heute um ein vielfaches Schwerer geworden und für viele steht am Ende die Altersarmut, WEIL sie für ihre Kinder da waren.
Auch hierüber gibt es Zahlen und sie erschrecken nicht minder. |
@ Alma Marie - es gibt Mütter, die werden 364 Tage im Jahr nicht beachtet - was bringt da der 365.? Es gibt auch immer wieder Mütter, die ihren erwachsenen Kindern Schuldgefühle einimpfen, weil sie ja so viel für sie getan haben, und sich dann wundern, warum die Kinder nicht vorbeischauen. Es gibt Mütter, die emotional erpressen, genauso wie es Mütter gibt, die engagiert sind, und sich darüber freuen, dass ihre Kinder zu erwachsenen Menschen heranwachsen, die freiwillig Nähe suchen.
Das Elend der Welt kann ich nicht lindern, und ich fühle mich auch nicht für alles verantwortlich. Auch kann ich ein Stück Schwarzwälder Kirsch essen, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber den hungernden Kindern in der 3. Welt zu haben. Aber was ich machen kann, ist zum einen, mich in meiner persönlichen Umgebung, bei den Menschen, die mir nahe stehen, verantwortlich zu fühlen. Und zum anderen, gemeinnützige Vereine finanziell zu unterstützen, damit sie sich in Deutschland oder international für den Umweltschutz, die politischen Gefangenen, die Frauenrechte etc. einsetzen können.
So, und jetzt fahre ich gleich zu meiner Mutter, wir essen leckeren Kuchen, und darauf freue ich mich. Auf Beides. |
Kommentar von Jack, 09.05.2010 |  |
- Zunge, komm her!
- Was denn?
- Lass das mal auf dir zergehen: "Nur, am Muttertag liegt es sicher nicht und gäbe es ihn nicht, würden Mütter genausowenig beachtet werden wie die Verhungernden, die Mißhandelten oder die Verkauften."
- Hab ich. Also: Mütter sind immer Opfer. Niemand wird freiwillig Mutter. Auf dass keine Frau mehr zum Muttersein gezwungen wird! |
Lieber Jack was hast Du eigentlich für ein Problem? Solltest eventuell doch mal zum Fachmann.
Nicht alle Frauen werden zwar freiwillig Mütter (siehe auch die Statistik der Vergewaltigungsopfer) und nach Kriegen ziehen sie ihre Kinder auch freiwillig ohne ihre Männer auf und heute tun sie es auch freiwillig (40% aller Mütter sind alleinerziehend) weil sich die Kerle schlicht weg verpisst haben.
Es ist immer unangenehm bestimmte Dinge beim Namen zu nennen. Doch dafür schreiben wir hier ja auch. |
Kommentar von Jack, 09.05.2010 |  |
"Lieber Jack was hast Du eigentlich für ein Problem? Solltest eventuell doch mal zum Fachmann." - Oder zur Fachfrau. Aber wenn man schon Vernunft pathologisiert: Kriege sind ja bekanntlich Veranstaltungen, bei denen massenweise Männer für immer in den Urlaub gehen und ihre Frauen mit Kindern allein lassen. Mutterschaft ist zugegeben eine Qual, vergleichbar mit Hunger, Misshandlung, Prostitution - aber ist Vaterschaft das nicht auch? Jetzt mir mal spaßeshalber geistige Gesundheit unterstellt: Ja, man muss die Dinge beim Namen nennen, darf aber nicht vergessen, dass Namen und Dinge sich nicht beliebig zueinander verhalten dürfen. Gute Gesinnung ist keine Fahrkarte zur Geisterfahrt auf der Autobahn des Denkens. |
Nunja, die Qual für die Frau liegt wohl bei Vergewaltigung usw. im Austragen dieser Kinder.... aber Du hast sicher recht, der Vater der sich dann verpisst hat die größeren Qualen. Vielleicht sausen deshalb neuerdings so viele Kerle in Frauenkleidern herum. |
Meine Damen und Herren,
vielen Dank für die zumindest rege Diskussion.
Sicherlich ist es eine Frage des Temperamentes, vor allem aber der psychischen und intellektuellen Disposition, wie man auf die von mir genannten Zahlen und somit Tatsachen umgeht, das zeigen die hier geschriebenen Kommentare. Ich hatte mir auch erlaubt, in meiner Kolumne auf einen der Gründe hinzuweisen, auf denen diese so genannten Realitäten beruhen, eben das Desinteresse der wieder so genannten zivilisierten (vor allem westlichen) Welt. Auch dieses Desinteresse ist erklärbar, immerhin sind Hunger und Krieg in der Welt für uns ein Riesengeschäft.
Ich selbst habe heute den Muttertag mit meiner Familie gefeiert und anlässlich der hiesigen Landtagswahlen eine Partei gewählt, die pazifistisch orientiert ist und für unter anderem soziale Gerechtigkeit kämpft,
ich wünsche einen schönen Tag,
Andreas |
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