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Kein Thema

Sonntagskolumnen

Die Kolumne des Teams "hier klicken keinThema.de"

Sonntag, 09. Mai 2010, 01:02:
Danke
von hier klicken wupperzeit

Was werden Sie eigentlich heute machen, außer meine Kolumne zu lesen? Ich selbst werde heute wählen gehen, in dem Bundesland, in dem ich lebe, finden Landtagswahlen statt, eine dieses Mal besonders wichtige und spannende Wahl, weil ihr Ausgang ungewiss ist: Große Koalition oder Große Koalition ist hier die Frage. Und natürlich, wer diese Große Koalition leiten wird, Frau Rüttgers oder Herr Kraft, aufgrund derer starken Charaktere und klaren Überzeugungen hängt von dieser Entscheidung nicht nur das Schicksal Nordrhein Westfalens ab. Und anschließend werde ich meine Mutter besuchen, und mit ihr und meiner Familie gemeinsam den Muttertag feiern. Es wird ein viel zu reichliches Mittagessen geben und anschließend Kaffee und Kuchen für eine ganze Armee, und es wird überhaupt wunderschön werden.

Ob Sie selbst mit Ihrer Familie diesen Ehrentag ähnlich begehen, das weiß ich nicht, was ich weiß: Heute werden auf der Welt 17.000 Kinder verhungern, dies ist Zahl, die die UNICEF in ihrem Kinderreport 2010 angibt. 550 Kinder werden in einem der Kriege sterben, die derzeit in ca. vierzig Staaten vor allem gegen die Zivilbevölkerung geführt werden. 5480 Kinder werden als Folge dieser Kriege zu Flüchtlingen werden, die Anzahl der Kinder, die durch Minen und ähnliches lebenslänglich verkrüppelt oder sonst wie verletzt werden, ist ungefähr doppelt so groß. Insgesamt werden, während wir den Muttertag feiern, ca. 25.000 Kinder sterben, viele an Krankheiten, die leicht zu verhindern wären, würde das Schicksal dieser Kinder irgendjemanden interessieren in der so genannten zivilisierten Welt. Vier Millionen Kinder werden sich heute als Prostituierte missbrauchen lassen müssen weltweit, und 191 Millionen Kinder in der Welt werden heute arbeiten müssen, unter Bedingungen, die Herr Westerwelle und seine Kumpane nicht einmal einem Hartz IV-Empfänger zumuten würden. 300 000 Kinder werden als so genannte Kindersoldaten verheizt werden.

In Deutschland werden am 09. Mai 2010 ca. 2,5 Millionen Kinder arm sein wie jeden Tag, auch im doch im Grunde genommen reichen Deutschland haben nicht alle Mütter und ihre Familien einen besonderen Grund zu feiern. 320 000 Kinder werden in Deutschland heute Opfer sexuellen Missbrauchs werden, 20.000 Kinder werden heute als Prostituierte vergewaltigt werden. 110 Kinder werden heute im Straßenverkehr verunglücken… Usw. Leider: Und so weiter.

Alle diese Kinder haben eine Mutter oder eine andere Person, die heute um sie weint, während wir behaglich unsere Mütter feiern dürfen, oder als Mutter gefeiert werden. Ein empörendes Unglück auf der einen Seite und ein großes Glück auf der anderen Seite, wobei Beides natürlich ursächlich zusammen hängt, das Unglück der Vielen und das Glück der Wenigen. Man sollte dankbar sein für sein Glück, und diese Dankbarkeit als Chance sehen, sich zu empören aus Mitleid im Wortsinne.

Heute melden die Nachrichtenagenturen, dass die Angehörigen der Opfer des Kunduzmordes eine Entschädigung von 4000 Euro erhalten werden, einige der Parteien, die dafür verantwortlich sind, dass solche Verbrechen geschehen dürfen, treten heute zur Wahl an in NRW. Man sollte sie nicht wählen, sie sollten nirgendwo an der Macht sein, solange sie ihre Kriege führen wollen, in keiner einzigen Stadt, in keinem Bundesland und schon gar nicht als Bundesregierung. Mir wollte heute eine Vertreterin einer dieser Parteien eine Rose schenken für meine Mutter, ich habe angewidert abgelehnt, die Blumen für meine Mutti kaufe ich selbst in der Hoffnung, dass keine Familien für sie sterben oder leiden mussten. So wie ich meine Kindheit erleben durfte ohne größeres Leid; - dafür danke ich dem Glück meiner Mutter und meiner Mutti selbst sehr. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch von sich denken, sagen oder schreiben können, und außerdem:

Einen schönen Tag.
Kommentare zu dieser Teamkolumne

wortverdreher
Kommentar von hier klicken wortverdreher, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Und auf der Welt sterben an diesem Tag ca. 155652 Menschen (Weltbevölkerungsuhr 2009 daher auch ein ca., vielleicht sinds ja nun noch mehr).

Dies noch als kleines Detail zum nachträglichen Hinzufügen. Ich finde nämlich diese Betroffenheitskolumne könnte noch ein Prise Melodramatik vertragen ;-).
Kommentar von hier klicken Nucksen, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Wenn ich schon das Wort "Betroffenheitskolumne" lese ! Jedes Mal, wenn jemand versucht, mal ein wenig Aufmerksamkeit für die Probleme dieser Welt zu schaffen, wird gleich die "Betroffenheitskeule" gezogen. Das wird immer mehr zur Standardmethode der westlichen Welt: Alles auf ein Wort reduzieren und über diesem das volle Arsenal der Ironie abwerfen.

Für mich ist das keine Betroffenheitskolumne. Sicherlich hätte man es feiner verpacken können(das ist hier dann doch ein bisschen zu grob mit der Moralkeule geklopft) und etwas ganz Wichtiges(nämlich Ideen zum konkreten Handeln) fehlt, aber ein plumpes Betroffenheitsding ist es nicht.

Aber natürlich wird diese Behauptung bei diesem Thema ja gerne vorgeschoben,weil es das Spotlight auf die andere Seite lenkt. Mit einem ehrlichem "Das geht mir Alles am *** vorbei" könnte man sich ja SELBST unbeliebt machen...
wortverdreher
Kommentar von hier klicken wortverdreher, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Lieber Nucksen,

beim nächsten Mal erst denken, dann schreiben. Dass ich diesen Text für eine Betroffenheitskolumne halte, liegt daran, dass er sehr auf die Tränendrüse drückt, dass er mir beim Lesen das Gefühl gibt, ich müsste mich dafür schämen, "glücklich" zu sein, weil auf der Welt xy Kinder verhungern. D.h. jedoch nicht, dass ich die beschriebenen Zustände für wünschenswert halte oder sie mir "am Arsch vorbeigehen". Verstehst du? Meine Kritik richtet sich gegen die Art, wie der Text geschrieben ist, nicht in erster Linie gegen die Fakten, die sich ja auch nicht leugnen lassen.

Darüber hinaus bleiben Fragen, die ich dir stellen muss: Weinst du, wenn du dir nur schon Todesanzeigen in der Zeitung liest? Bist du depressiv, weil auf der Welt Krieg geführt wird? Ist dein ganzes Leben erfüllt von Traurigkeit ob aller Ungerechtigkeiten dieser Welt? Oder lebst du ein normales Leben, in dem deine Gedanken nicht jederzeit um solche Problematiken kreisen, dein persönliches Glück davon nicht berührt wird? Ich glaube, es wird - Hand aufs Herz - eher das Letztere sein. Denk mal drüber nach, bevor du dich wieder ereiferst.
Kommentar von hier klicken Jack, 09.05.2010diesen Kommentar melden
"Weinst du, wenn du dir nur schon Todesanzeigen in der Zeitung liest? Bist du depressiv, weil auf der Welt Krieg geführt wird? Ist dein ganzes Leben erfüllt von Traurigkeit ob aller Ungerechtigkeiten dieser Welt?" - das ist in der Tat die Voraussetzung, die erfüllt sein muss, damit es sich beim Empörungsengagement nicht bloss um Betroffenheitsterror handelt.

Wer am Elend der gefallenen Schöpfung wirklich leidet, leidet leise. "320 000 Kinder werden in Deutschland heute Opfer sexuellen Missbrauchs werden, 20.000 Kinder werden heute als Prostituierte vergewaltigt werden." - ist das nicht eine Prise zu ungeheuerlich, um es in Betroffenheitsworte zu packen? Verblasst da nicht jedes schlechte Gewissen vor einem Leid, dass größer ist, als das Mitleid eines Menschen, der eine gute Kindheit erleben durfte, und nun betroffen ist? Ist der Zyniker herzlos? Mitnichten. Ihm fehlt nur der Größenwahn, sein kleines eitles Mitleid in den Ring zu werfen.
AlmaMarieSchneider
Kommentar von hier klicken AlmaMarieSchneider, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Ich finde es wichtig, daß man hin und wieder Zahlen des Grauens sprechen läßt. Denn welcher pappsatte Bürger tut noch etwas für Andere.
Nur, am Muttertag liegt es sicher nicht und gäbe es ihn nicht, würden Mütter genausowenig beachtet werden wie die Verhungernden, die Mißhandelten oder die Verkauften. Muttersein ist heute um ein vielfaches Schwerer geworden und für viele steht am Ende die Altersarmut, WEIL sie für ihre Kinder da waren.
Auch hierüber gibt es Zahlen und sie erschrecken nicht minder.
BrigitteG
Kommentar von hier klicken BrigitteG, 09.05.2010diesen Kommentar melden
@ Alma Marie - es gibt Mütter, die werden 364 Tage im Jahr nicht beachtet - was bringt da der 365.? Es gibt auch immer wieder Mütter, die ihren erwachsenen Kindern Schuldgefühle einimpfen, weil sie ja so viel für sie getan haben, und sich dann wundern, warum die Kinder nicht vorbeischauen. Es gibt Mütter, die emotional erpressen, genauso wie es Mütter gibt, die engagiert sind, und sich darüber freuen, dass ihre Kinder zu erwachsenen Menschen heranwachsen, die freiwillig Nähe suchen.

Das Elend der Welt kann ich nicht lindern, und ich fühle mich auch nicht für alles verantwortlich. Auch kann ich ein Stück Schwarzwälder Kirsch essen, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber den hungernden Kindern in der 3. Welt zu haben. Aber was ich machen kann, ist zum einen, mich in meiner persönlichen Umgebung, bei den Menschen, die mir nahe stehen, verantwortlich zu fühlen. Und zum anderen, gemeinnützige Vereine finanziell zu unterstützen, damit sie sich in Deutschland oder international für den Umweltschutz, die politischen Gefangenen, die Frauenrechte etc. einsetzen können.

So, und jetzt fahre ich gleich zu meiner Mutter, wir essen leckeren Kuchen, und darauf freue ich mich. Auf Beides.
Kommentar von hier klicken Jack, 09.05.2010diesen Kommentar melden
- Zunge, komm her!

- Was denn?

- Lass das mal auf dir zergehen: "Nur, am Muttertag liegt es sicher nicht und gäbe es ihn nicht, würden Mütter genausowenig beachtet werden wie die Verhungernden, die Mißhandelten oder die Verkauften."

- Hab ich. Also: Mütter sind immer Opfer. Niemand wird freiwillig Mutter. Auf dass keine Frau mehr zum Muttersein gezwungen wird!
AlmaMarieSchneider
Kommentar von hier klicken AlmaMarieSchneider, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Lieber Jack was hast Du eigentlich für ein Problem? Solltest eventuell doch mal zum Fachmann.
Nicht alle Frauen werden zwar freiwillig Mütter (siehe auch die Statistik der Vergewaltigungsopfer) und nach Kriegen ziehen sie ihre Kinder auch freiwillig ohne ihre Männer auf und heute tun sie es auch freiwillig (40% aller Mütter sind alleinerziehend) weil sich die Kerle schlicht weg verpisst haben.

Es ist immer unangenehm bestimmte Dinge beim Namen zu nennen. Doch dafür schreiben wir hier ja auch.
Kommentar von hier klicken Jack, 09.05.2010diesen Kommentar melden
"Lieber Jack was hast Du eigentlich für ein Problem? Solltest eventuell doch mal zum Fachmann." - Oder zur Fachfrau. Aber wenn man schon Vernunft pathologisiert: Kriege sind ja bekanntlich Veranstaltungen, bei denen massenweise Männer für immer in den Urlaub gehen und ihre Frauen mit Kindern allein lassen. Mutterschaft ist zugegeben eine Qual, vergleichbar mit Hunger, Misshandlung, Prostitution - aber ist Vaterschaft das nicht auch? Jetzt mir mal spaßeshalber geistige Gesundheit unterstellt: Ja, man muss die Dinge beim Namen nennen, darf aber nicht vergessen, dass Namen und Dinge sich nicht beliebig zueinander verhalten dürfen. Gute Gesinnung ist keine Fahrkarte zur Geisterfahrt auf der Autobahn des Denkens.
AlmaMarieSchneider
Kommentar von hier klicken AlmaMarieSchneider, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Nunja, die Qual für die Frau liegt wohl bei Vergewaltigung usw. im Austragen dieser Kinder.... aber Du hast sicher recht, der Vater der sich dann verpisst hat die größeren Qualen. Vielleicht sausen deshalb neuerdings so viele Kerle in Frauenkleidern herum.
wupperzeit
Kommentar von hier klicken wupperzeit, 09.05.2010diesen Kommentar melden
Meine Damen und Herren,
vielen Dank für die zumindest rege Diskussion.
Sicherlich ist es eine Frage des Temperamentes, vor allem aber der psychischen und intellektuellen Disposition, wie man auf die von mir genannten Zahlen und somit Tatsachen umgeht, das zeigen die hier geschriebenen Kommentare. Ich hatte mir auch erlaubt, in meiner Kolumne auf einen der Gründe hinzuweisen, auf denen diese so genannten Realitäten beruhen, eben das Desinteresse der wieder so genannten zivilisierten (vor allem westlichen) Welt. Auch dieses Desinteresse ist erklärbar, immerhin sind Hunger und Krieg in der Welt für uns ein Riesengeschäft.

Ich selbst habe heute den Muttertag mit meiner Familie gefeiert und anlässlich der hiesigen Landtagswahlen eine Partei gewählt, die pazifistisch orientiert ist und für unter anderem soziale Gerechtigkeit kämpft,

ich wünsche einen schönen Tag,

Andreas


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