Klangfolge

Gedicht zum Thema Augenblick

von  Isaban

Als ich auf jene Lichtung trat,
sah ich, dass sie vollkommen war:
das Gras tiefgrün, der Himmel klar,
dazwischen eine ganze Welt,
in Gold getaucht, von Licht erhellt,
das weit, ganz weit von oben kam
und unten mit dem Moos verschwamm;

was lebte, war so nackt und klein,
ein Krabbeln nur, gehuschtes Sein,
ein Ton, ein klitzekleiner Klang
inmitten herrlichen Gesangs,
ein Jetzt, das sich im Netz verfing,
kurz flatterte, dann stille hing.

Die Lichtung blieb. Das Jetzt
verging.

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Kommentare zu diesem Text


 Vaga (25.12.20)
Ein wundervoll 'befürwortetes' Augenblicksereignis wird in diesem Gedicht lebendig!
So geht u.a. Achtsamkeit: Schauen mit den Ohren, Hören mit den Augen, Tasten mit der Nasenspitze - hinein in die Vollkommenheit 'erhellender' Sinneseindrücke!
Und mir - als 'lesende Betrachterin' - bleibt dieses Zeile für Zeile beschriebene, leuchtende, in die berührende Tiefe gehende und so wohl klingende Bild, das nicht vergeht, auch wenn das Jetzt so flüchtig ist.
Herzlichen Gruß dir und viele gute Wünsche für dich - Vaga.

 EkkehartMittelberg (25.12.20)
Hallo Sabine,
ich interpretiere dein Gedicht so: Die Kulissen von Idyllen bleiben. Die Idyllen selber dauern nur Augenblicke.
Frohe Festtage
Ekki

 Moja (25.12.20)
Ein Glücksmoment, liebe Isaban,
bewahrt in einem sehr melodisch klingendem Gedicht, ich las es mit Freude laut.

Frohe Fest!
Moja

 niemand (25.12.20)
Ich versuche jetzt mal aus meiner Sicht zu "deuten". Schon die erste Zeile spricht zu mir von Licht [Lichtung] welches sich ein paar Zeilen weiter wiederholt. Anhand der weiteren Zeilen mit "in Gold getaucht" und "herrlicher Gesang" läßt mich an ein Glaubenserlebnis denken. Auch wenn es nur einen Augenblick dauerte [Jetzt] so hinterließ es doch etwas Bleibendes [die Lichtung blieb], der Augenblick verging. Man war erfüllt von etwas, das tiefer ging und länger haften wird, als der Augenblick.

Eine zweite Möglichkeit wäre ein Erlebnis im literarischen Sinne, sprich ein vielleicht pathetisches Gedicht, etwas was einen zu erheben imstande war und nun nachklingt, oder ein vielleicht musikalisches Werk von erhabener Größe. Aufgrund des Gelesene/Gehörten, quasi Erlebten kamen einem die Alltäglichkeiten des Seins ziemlich klein vor, quasi fast unbedeutend [Krabbeln, gehuschtes Sein, klitzekleiner Klang,
ein Ton]. Wie auch immer, letztendlich war es wie eine Erleuchtung, welche bleibt, auch wenn der Augenblick schon
vergangen ist.

Soweit meine etwas hilflose Deutung [ich bin da nicht so gut drin] Mit lieben Grüßen, Irene
Agnete (66) meinte dazu am 31.01.21:
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 eiskimo (25.12.20)
Abstraktion pur. In naturnahem Dekor.
lG
Eiskimo

 DanceWith1Life (25.12.20)
ich lese dieses Kleinod, als Begegnung mit Empfindungen von Klarheit und Schönheit, die um vieles stimmiger war, als das Netz, in das sie dann verging.

 AchterZwerg (26.12.20)
Hallo Isaban,

ich lese von Tod und Verderben. Dem Jetzt, das sich im Netz verfängt, noch etws zuckt und dann vergeht. Das Bild des sterbenden, winzigen Insekts (im Angesicht der Ewigkeit) passt als Zeit - oder Jahreswechselmetapher gut.
Die erste Textgruppe finde ich - mit Ausnahme des verschwimmenden Mooses - nicht besonders originell bebildert. Vermutlich ist das Absicht, wirkt jedoch als Vorspann ein wenig zu langatmig auf mich.

Der8.

 DanceWith1Life antwortete darauf am 26.12.20:
hochgeschätzter 8sam Lesender
also weisch....

auch mir ist dieses "tödliche Zucken" nicht entgangen. Aber zum Ballspiel, wie nimmst du das "Angesicht der Ewigkeit" ins Bild, wenn du es nicht vorher durchschimmern siehst.

 AZU20 (28.12.20)
Welch eine gelungene Klangfolge. LG
Agnete (66)
(30.01.21)
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