Kater und Sturm

Bild zum Thema Sehnsucht

von  Emotionsbündel

Grau ist der Morgen, trostlos und leer die Straßen.
Irgendwie will heute kein silbriger Streifen durch Himmelsritzen luken.
Sie irrt verloren durch dieses Bild, der Koffer, den sie stets mit sich rumschleppt,
wird schwerer und schwerer. Vielleicht sollte sie ihn öffnen und sich entscheiden,
von welchem Stück des so lieb gewonnenen Inhalts sie sich zuerst trennt, doch
sie schleppt und schleppt.

In der Nacht hat sich ein Kater an ihre Fersen geheftet, sich an ihre Beine geschmiegt
und mit samtig schnurrender Stimme ihr Herz berührt - ein warmer Lichtblick in diesem Grau,
ein Weggefährte in ihrer Einsamkeit. 
Doch nun kommt Wind auf. Zwei Winde, die sich zu einem gewaltigen Sturm zusammenbrauen.
Ein Wind der Leidenschaft und einer des Kummers.
Sie bleibt stehen, setzt den Koffer ab und beobachtet dieses mächtige Wolkengestürm,
das immer näher kommt.
Der Kater springt auf den Koffer und leckt ihre Finger, er erntet ein liebevolles Lächeln und
Streicheleinheiten, worauf er ihr behutsam in die geöffneten Arme klettert.
Nun bläst ihr der Wind unter den Mantel, berührt ihre Haut warm und kalt zugleich. Der Sturm
braust auf. Er zerrt an ihr, nimmt sie im Sog und Strudel gefangen und überfährt ihren Körper
mit einer Intensität, die sie erschauern lässt.
Sie ist nicht in der Lage, sich zu bewegen, lässt alles geschehen und entgleitet in einen Traum.
Später, viel später erwacht sie im Schutz des Koffers unter den fragenden Blicken des Katers.
Geschunden vom Sturm, versucht sie nun, sich zu sortieren und Ordnung zu schaffen, muss
aufpassen, dass sie dem lieben Kater beim Aufstehen nicht auf den Schwanz tritt, will ihn nicht verletzen.

Der Sturm hat sich gelegt, doch die Winde sind noch spürbar, immerdar.
Sie sollte nun umgehend den Koffer öffnen, denn abwarten bringt gar nichts.
Sie sollte den Weg gehen, gegen den sich ihr Gefühl und ihre Vernunft am wenigsten sträuben.

Der Kater maunzt. Behutsam lässt sie ihre Finger durch das seidige Fell streichen.
Ihr Blick gleitet über den Himmel, der ihr schließlich doch noch einen Himmelsblinzelhoffnungsschimmer
in den grauen Tag schickt. Sie lächelt.


Anmerkung von Emotionsbündel:

22.03.2009

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Kommentare zu diesem Text

chichi† (80)
(23.03.09)
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 Emotionsbündel meinte dazu am 23.03.09:
Ja, es ist eine stürmische und verwirrende Zeit, die dieses Bild hervorrief
Danke, liebe Gerda, sei lieb gegrüßt, Judith
Kitten (36)
(23.03.09)
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 Emotionsbündel antwortete darauf am 23.03.09:
...ich weiß, Wiederholungen und jede Menge Adjektive *grins*, die für mich leider unerlässlich sind. Umso erfreuter bin ich, dass es mir dennoch gelungen ist, ein ansprechendes Bild hervorzurufen.
Ja, und Kater und Sturm gehören in diesem Fall unbedingt zusammen und legt sich auch der Sturm, so bleiben die Winde und der Kater immerdar - und das ist gut so )
Liebe Grüße, Judith

 Didi.Costaire (23.03.09)
Die Inhalte der reich bebilderten Erzählung sind klasse, liebe Judith:

Die Heldin der Geschichte, die mit ihrer Vergangenheit durch die Gegend streift, auf der Suche nach neuen Wegen mit Lichtblicken und gleichzeitig reichhaltig bepackt mit ihrer Vergangenheit. Sie macht es sich dabei richtig schwer, trennt sich ungern von etwas und benutzt auch nicht etwa Koffer mit Rollen.

Der Kater, der ihr Herz berührt und ihre Finger leckt, der ihr wertvoll ist - trotz schwieriger äußerer Umstände passt die Heldin sorgsam auf, ihm nicht auf den Schwanz zu treten.;-)

Die bereits erwähnten äußeren Umstände, ein heftiger Wirbelsturm sich bekämpfenden kalten und warmen Luftmassen, die das Ringen der Heldin mit gegensätzlichen Einflüssen und Gefühlen einrahmen.

Eine bewegender Text, aus der mit etwas stilistischem Feinschliff eine tollte Geschichte werden kann. Schön!

Liebe Grüße, Dirk

 Emotionsbündel schrieb daraufhin am 24.03.09:
Lieber Dirk,
vielen Dank für dein genaues Lesen und deinen so ausführlichen Kommentar.
Du sagst, wie es ist
Allerliebste Grüße, Judith
myck (50)
(25.03.09)
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 Emotionsbündel äußerte darauf am 25.03.09:
Hallo myck,
auch mir ist es schon so gegangen, dass ich beim Lesen den Eindruck hatte, dass genau_diese_ Worte auf mich zutreffen und geradewegs meiner Seele entsprungen wären. Ich bin dann wie vom Blitz getroffen, es berührt mich und wühlt mein Innerstes auf. Doch ist es letztendlich tröstlich, dass es immer jemanden zu geben scheint, der eben genau das gleiche Dilemma durchlebt wie man selbst und Leid und Schmerz sich teilen
Es freut mich, dass dir mein Bild gefällt. Danke fürs Einrahmen und den Ehrenplatz
Liebe Grüße, Judith
(Antwort korrigiert am 25.03.2009)
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