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Aus dem Leben eines Obdachlosen - Flucht vor der neuen SS

Text


von pentz

a) Ein Anfall

Ich entferne mich vom Lagerfeuer, denn der Tag zieht mit einer dunklen Wolkenwand auf und die Kälte zieht trotz Lagerfeuers in die Nieren.
Am einer heruntergekommenen Fabrikhalle aus Klinkersteinen werfe ich einen Blick durch die gesichtslosen Fenster ins Innere. Hie und da sind noch abgewetzte Linoleumplatten zu sehen, dazwischen aber auch schon der Betonboden. Einige haben ihr Quartier in einigen Ecken aufgeschlagen, die aber menschenleer sind. Habseligkeiten stapeln sich neben einer eingerollten Iso-Matte, sowie Schlafsack und etlichen anderen Säcken, meist aus Plastik,
Die Kälte treibt mich wieder weiter. Ich muß den Bahnhof erreichen, bevor mein Körper zu sehr abgeschreckt wird. Schneller kann ich nicht laufen, um mich eventuell aufzuwärmen, diese Zeiten sind passé. Also schleppe deinen müden, steinigen Körper, der mit viel zu dicken Kleidungsstücken geknebelt wird, dicker Wintermantel, dicke Winterboots, zwei zwar dünne Pullover, aber da mein fetter Bauch den winterlich-gefütterten Überhang zu sprengen droht, sind sie immer noch zu dick und ich fühle mich wie ein praller Ballon kurz vorm Platzen. Aber es muss, wenn der Mantel geöffnet werden muss, immer noch eine gewisse Wärmeschicht gebildet werden können. - Wenn nur nicht die Masken wären, die Pflicht sind getragen zu werden!
Im Winter sind die Umstände so, daß man sich in seinen Kleidern eingesperrt fühlt und meine Quasi-Zigeunerseele wünscht sich Freiraum, Luft zum Atmen für die Haut und das gleiche für die Füße, vom Kopf ganz zu schweigen. Aber, wie ich gelesen habe, verbraucht der Kopf am meisten der Körperwärme oder anders gesagt, die Kälte beeinträchtigt diesen am stärksten oder so ähnlich. Jedenfalls ist die Mütze in winterlichen Umständen ein unersetzliches Kleidungsstück bei einigermaßen normal zu konservierenden Körpertemperaturen.
Endlich habe ich den Bahnhof erreicht und sofort muss ich einen Zug aufsuchen, der nicht zu weit fährt, aber weit genug, daß ich nicht dauernd aus- und umsteigen muss.
Im Winter im Zug sitzen zu können, ist gut, sehr gut, weil es nicht so kalt ist wie draußen, aber das ständige Gerumple, Getöse und Vibrieren der Zugwaggons und die psychische Beeinträchtigung durch die Angst vor den Jägern, den Sicherheitsleuten, den Schaffnern, rüttelt an meinen Nerven. Man darf nur nicht zur Rede gestellt werden, auf Fahrkarte kontrolliert und mit Sack und Pack aus dem Zug geschmissen werden!
Ich könnte es nicht mehr ertragen.
„Ein Männchen steht im Walde, ganz still und stumm. Er trägt ein purpurnes Käppchen auf seinem Kopf herum. Sag, wer mag das Männchen sein, das da steht so stumm allein?“, singe ich in meiner Angst von einem rotkäppigen Bahnschaffner zur Rede gestellt, in die Mangel genommen und aus dem Zug geworfen zu werden. Ich fange jetzt schon an, dieses Kinderliedchen zu singen, wenn ich welche oder einen in diesen Bahnhofshallen sehe.
In den heiligen Hallen der staatlichen, pseudofreimarktwirtschaftlichen Bundesbahn sich aufzuhalten ist angesichts gelbwestener Sicherheitsleute mit Handschellen nicht besonders heimelig. Man fragt sich, wie können diejenigen, die sich auf ihr Hausrecht berufen dürfen sollen, polizeiliche Maßnahmen ergreifen, also warum dürfen nicht mit hoheitlichen Mandaten betraute Personen einen vermeintlichen Hausfriedensbrecher und Bürger in Ketten legen, Handschellen anlegen, in seiner Bewegungsfreiheit derart behindern?
Meine Großmutter erzählte, daß die Wahlen 1933 von mit Maschinen bewaffneten nichtpolizeilichen Paramilitärs der sogenannten „nationalistischen Bewegung“ an den Urnen gesäumt waren.
Vor welcher „Wende“ stehen wir jetzt?
Jedenfalls scheint es mir das Ende eines freien Landes zu sein!
Der Anblick von diesen neue SS-, StaatlichenSicherheits-Personalleuten, dreht mir den Magen um.
Schnell haste ich zu einem Zug und fahre eine ganze Weile in der Gegend herum.
Als der Zug in Nürnberg endet, hoffe ich, daß er wieder in die andere Richtung fährt. Denn ich traue mich nicht aus den Waggon, auf den Bahnsteig, auf die Straße-
„Hier ist Endstation, junger Mann!“, schleudert mir ein vorbeihastender Bahnschaffner die Worte entgegen.
Ich muss also hinaus, dorthin, wo ich Gelbwestler vermute, die neue SS, die ich auch, außen stehend, tatsächlich wahrnehme, nämlich am anderen Gleis gegenüber.
Sie schauen mich an.
Ach was soll’s! Sie können dich bestimmt nicht durch die Fensterscheiben sehen, die schirmen doch das Tageslicht ab. So sitze ich eine Weile, aber erneut kommt der Schaffner auf mich zu, so daß ich mich ruckartig erhebe und aus dem Abteil gehe, aus der Ausgangstür schreite und auf dem Bahnstein trete.
Hypnotisiert wie ein Kaninchen von der Schlange starre ich sie an, denn ich bin stehen geblieben. Zwar weiß ich sehr genau, daß ich dies nicht tun sollte, weil nur noch auffälliger, stattdessen sollte ich mich besser umdrehen und in die andere Richtung blicken, was mir aber nicht gelingt. Diejenigen, die ich fixiere und mich anschauen, laufen unterdessen dabei langsam Richtung einer Unterführung, einer deutet sogar mit dem Finger in meine Richtung, um die anderen auf einen Auffälligen aufmerksam zu machen, auf mich!, was eine völlig überflüssige Geste ist, denn die anderen tun auch nichts anderes, als herzustarren, bis sie bei Erreichen der Treppen diese hastig hinunterstürmen, aus meinem Gesichtsfeld entschwinden, so daß ich plötzlich befreit bin, nach links schaue, wo sie wahrscheinlich von der Treppe herauf auf mich zugestürmt kommen, so daß ich mich nach rechts wende, loshetze, plötzlich aber meine verspannten Baumuskeln sich wie ein zu enger Anschnallgurt zusammenschnüren, saure Galle bis in den Mund hochschießen spüre und schon den bitteren Geruch schmecke, während ich mich krümme, in die Knie gehe und alles dazu mit, sowie ich ohnmächtig werde
und
wie von Geisterhand nach oben schwebe, von jemand fest am Arm gefasst, aufgehoben, hochgehievt und gekrant werde und sowie ich stehe und festes Etwas, Boden unter den Füßen spüre, ist es eine tiefe Wohltat, dieses Etwas, das da Sicherheit ausströmt, Halt gibt, zu empfinden, das Gefühl zu haben, stehen zu können wie ein Primat, wie ein Mensch halt, senkrecht und aufrecht, nur nicht horizontal und kriecherisch, sich schlängelnd und krabbelnd wie Schlagen, Echsen und Insekten.
Fremde Gesichter schauen mich an, vergeblich versuche ich gegen die Schauer anzukämpfen, die mich schütteln, denn ich schäme mich deren. Ich versteife meinen Körper. Nehmen die anderen meine Erschütterungen wahr? Wenn, dann spielen sie nicht darauf an. Ich bin ihnen dankbar.
„Wie geht es ihnen?“ „Machen Sie nicht so schnell!“ „Sollen wir sie irgendwohin bringen?“ „Wissen sie, wohin sie müssen?“ Lauter unsinnige, gutgemeinte Fragen stürzen auf mich ein, prasseln auf mich hernieder, als würde ich geschlagen werden.
Zwar bin ich erleichtert, nur aber einen Moment, als ich sehe und mir bewußt werde, daß es sich um die mich stehenden Menschen nicht um SS-Leute handelt, was sich aber schnell ändern kann - und so durchfährt mir blitzartig Angst und Schrecken und ich renne weg, haste fort, immer noch gelähmt, beeinträchtigt und etwas behindert von vorhin, denn wie mir scheint, hinke ich wie ein Bein hinter einem herhinkt, so schleppend laufe ich und entkomme...
„Rennen Sie nicht zu schnell!", höre ich noch Stimmen.

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