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keinEinhorn

keinEskapismus, keinRosa, keineLiebe.


Die Kolumne des Teams "keinEinhorn"



Mi., 01. April
Bisher 56x aufgerufen


Dem Tod von der Schippe springen

von Judas


Ich hab Angstzustände, manchmal. Also kommt mal häufiger in der Woche vor, mal sind sie Monate oder Jahre weg. Inklusive auch der ein oder anderen Panikattacke. Obwohl ich kein Hypochonder bin, hab ich – nur während dieser Angstzustände – surreale Angst, gerade aktiv an einer schweren Krankheit zu sterben. Heißt: mein Unterbewusstsein ist dann absolut überzeugt, genau jetzt einen Herzinfarkt zu haben oder Krebs oder so. Einfach so. Das geht dann auch wieder vorbei und man denkt sich: hä was war das jetzt? Was sollte das? Außerhalb dieser Zustände glaube ich das übrigens nicht, deshalb: kein Hypochonder. Und auch Erkältung, Grippe und Co. sind mir relativ egal. Da renn ich nicht zum Arzt mit.

Aber wie oft ist man wohl schon dem Tod entronnen, ohne sich dessen bewusst zu sein? Und wie häufig ist man ihm entfleucht und ist sich dessen bewusst?

Grübelt man da so ein bisschen vor sich hin fällt einem sicher die ein oder andere Situation ein wo man im Nachhinein denkt: krass, wenn das jetzt nur ein bisschen anders gelaufen wäre, wäre ich jetzt tot. Vermutlich. Ich jedenfalls hatte solche Situationen schon ein paar mal. Keine davon war dabei krankheitsbedingt, ironischerweise. In jeder davon war ich aber in so einer ja-gut-da-kann-ich-jetzt-auch-nichts-machen-Situation.

Ich komme da jetzt auf das Thema weil's mir nämlich vor ein paar Wochen passiert ist. Es war Schneesturm und die Straßen glatt. Ich fuhr mit dem öffentlichen Bus von Molde nach Kristiansund. Wochentags muss der Bus so 'ne alte Straße entlang, weil da irgendwie fünf Leute oder so wohnen. Alle anderen fahren stattdessen durch den Berg, durch 'nen Tunnel. Die Straße ist also schmal, am Hang und wenig befahren. Der Bus muss halten, weil irgendwer doch tatsächlich da im Nirgendwo aussteigen will. Bus fährt also rechts ran – Straße arschglatt – und rutscht. Busfahrer kriegt das Teil aber unter Kontrolle und alles ist gut. Wäre er damit zwei Sekunden zu langsam gewesen, wäre es nur steil rechts runter gegangen und im Fjord geendet. Das wurde mir aber erst eine Stunde später klar.

Noch ein paar Geschichten von der huch-das-hätt's-jetzt-auch-gewesen-sein-können-Sorte:
Als Kind war ich mit der Familie in Portugal. Dort kommt die Flut ganz gerne mal als fette Welle und nicht so zart und unbemerkt angekrochen wie anderswo. War mit meinem Vater klettern und wandern auf einigen Felsen, bissel weiter weg vom Strand. Genau da wo wir gerade zwischen zwei Steinen durch's Wasser waten, kommt diese Welle. Einfach so, zack, bäm. Haut uns beide gegen die Felsen. Zieht mich Knirps mit. Vater hatte übernatürliche Vaterreflexe und hält mich ab Fuß fest, sonst wär's das vermutlich gewesen mit mir. Nun ist mein Vater zwar Rettungsschwimmer, aber so schnell, wie das Meer mein Mickey Maus Handtuch eingezogen und verschwinden lassen hat, so schnell wäre ich (damals klein und Nichtschwimmer) wohl auch weg gewesen. Eine fette Narbe an meiner Hüfte erinnert mich immer noch daran (da war die Model-Karriere halt auch hinüber).
Übrigens ist nicht nur die Flut in Portugal heftig. Sondern auch die Ebbe. Wenn euch jemand sagt, geht nicht bei Ebbe ins Wasser und die rote Fahne weht – dann lasst es auch. Echt. Spreche da aus Erfahrung. Die Flut in Portugal hätte mich fast als Kind bekommen, die Ebbe hätte mich dann beinahe gekriegt, als ich ein Teenager war.
Einmal wäre ich auch fast an einem Stück Schokolade erstickt, natürlich als ich allein zu Hause war, sonst wär's ja nicht so spannend gewesen.

Hach ja.
Das Leben ist gefährlich.
Das Witzige (naja „witzig“) war in diesen Situationen meine Gelassenheit. (Ausnahme: die Flutwelle. Da war ich noch zu klein um gelassen zu sein.) War so ein: „ja gut, äh, dann war's das jetzt halt“-Moment. Trotzdem habe ich keine surreale Angst vor Busfahrten. Trotzdem kletter ich auf Berge und Bäume, frei von Höhenangst. Trotzdem gehe ich im Meer und Fjord immer noch baden. Trotzdem esse ich noch Schokolade, aber hallo. Man möchte ja meinen, dass ich Angstzustände in solchen Situationen bekommen könnte, wenn man so auf die Fast-Tode schaut. Hab ich aber nicht. Das Gehirn ist schon ein seltsames Organ.

Bleibt mir nur noch zu sagen: bleibt tapfer und esst keinen gelben Schnee.


 
 

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


keinB
Kommentar von keinB (01.04.2020)
Ich denke jetzt schon den ganzen Tag drüber nach ... keine Ahnung. Ich kann mich an keine einzige Situation erinnern, bei der ich sagen würde "Puh, Dusel gehabt!" oder "He, zwei Sekunden später und Ende". Keine Einzige. Gegeben haben wird's die schon. Aber da ist mein Gehirn wohl auch seltsam.

Schwacher Trost, ich weiß, aber: Sei froh, dass du kein Dauerhypochonder bist. Ich war jahrelang mit einem zusammen und selbst aus zweiter Hand ist es eins der anstrengenden Dinge. Bedeutete dann für ihn während unserer Beziehung durchaus auch brenzliche Situationen ...^^

Achja: Gern gelesen. ;)
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Judas meinte dazu am 01.04.2020:
Ich kenne auch ein paar mehr oder weniger starke Hypochonder und kann mir nur vorstellen, wie anstrengend das ist in so eine Beziehung - für dich alsauch die betreffende Person! Und ja, da bin ich froh - ich bin ja schon ziemlich kaputt, aber das brauche ich nicht auch noch
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Graeculus
Kommentar von Graeculus (01.04.2020)
Interessant zu lesen. Habe mehrfach solche Fast-Tode erlebt und kann nur sagen, daß ich analoge Situationen meide, ohne Angstzustände zu haben.
Dem entspräche bei Dir: bei Flut und Ebbe am Atlantik sehr vorsichtig zu sein.
Auf das (Un-)Geschick von Busfahrern hat man ja normalerweise keinen Einfluß. Einer vor denen aber ist mal betrunken mit uns durch den Apennin gefahren; den haben wir anschließend gemeldet.
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Judas antwortete darauf am 01.04.2020:
Das "keinen Einfluss" haben, da sprichst du was Spannendes zu dieser Thematik an. Da kannste eben echt nichts machen. Das war bei Ebbe übrigens auch so. (also klar, ich hätte gar nicht erst in's Wasser gesollt) Ich glaube, daher rührt dann auch fast dieses pragmatische "Tja nagut" eben weil man genau merkt: man hat keinen Einfluss mehr auf die Situation.
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Graeculus schrieb daraufhin am 01.04.2020:
In dem Moment, in dem man um sein Leben kämpft, hat man wohl gar keine Zeit, Angst zu haben.
Fürs nächste Mal kann man eine Lehre daraus ziehen.
Die Fahrt mit dem Vollgesoffski durch den Apennin war aber unangenehm lang, sehr lang. Und wie hätten wir um unser Leben kämpfen sollen? Da gab es genügend Zeit für Angst, genügend Serpentinen und genügend Abgründe.

Immerhin denke ich mir manchmal bei Busfahrten: Was ist eigentlich, wenn der Fahrer jetzt einen Herzkasper bekommt?
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Judas äußerte darauf am 01.04.2020:
Hast du denn so eine Fast-Tod-Geschichte parat? Würde mich interessieren. Also nur, wenn du sie erzählen magst, natürlich!
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Graeculus ergänzte dazu am 01.04.2020:
Ja, schon. Ich könnte Erinnerungen verschriftlichen. Ich weiß nur nicht, ob sie als Geschichte funktionieren.
Daß ich mir als Kind beim Überklettern eines Zaunes eine Eisenspitze derart in die Leiste gerammt habe, daß es um einen Zentimer an der Beinschlagader vorbeiging, war zwar dramatisch, ist aber eben keine Geschichte im literarischen Sinn, weil das für mich völlig unspektakulär abgelaufen ist: kein Blut, keine Schmerzen - nur ein Arzt, der sagte: "Das war aber knapp, junger Mann!" Eine andere vermutlich schon, weil ich mich dabei durch eigene Blödheit in eine beinahe tödlich ausgegangene Zwickmühle gebracht habe, wo es um Panik, eine blitzschnell zu treffende Entscheidung usw. ging.

Ich überlege mal.
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