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Kalendergeschichte zum Thema Tiere


von Rudolf

Es ist Herbst. Die Nächte sind schon richtig kalt. Wenn ich im verwilderten Teil meines Gartens gestöbert habe, muss ich mich anschließend nicht nach Zecken absuchen.

Das ist im Sommer ganz anders, dann lauern sie im Gras, im Gestrüpp und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht zur Zeckenzange greife, um meiner Katze einen dieser Ekel erregenden Blutsauger aus dem Fleisch zu ziehen. Voll Hass zerquetsche ich den Widerling mit dem Knauf meines Taschenmessers und verbrenne gar den winzigen Kadaver und mit ihm – hoffentlich – Hirnhautentzündung und Borreliose.

Zufrieden mit mir selbst, dass ich das Böse in der Welt in die Schranken gewiesen habe, schaue ich mich um, sehe Gottes Schöpfung und staune. Die Zecken sind Teil der Schöpfung. Ich weiß nicht warum, aber es gibt sie. Sie lauern im Garten, im Park, im Wald. Sie sind überall. Sie tarnen sich gut, sind unauffällig klein. Kaum wahrnehmbar suchen sie nach der einen nahrhaften Stelle ihres Wirtes, wo sie sich, noch immer unbemerkt, in die Haut bohren, bis sie auf Blut stoßen. Sie lassen es in sich strömen und wachsen auf das Hundertfache an. Das ist ihr entscheidender Fehler. Zur vollen Größe angeschwollen sind sie leicht zu entdecken und völlig hilflos meiner Vernichtungswut ausgesetzt. Ein Teil der Schöpfung erhebt sich über den anderen.

Trotz dieser einen kleinen Schwachstelle, dass sie kurz vor dem Erfolg, kurz bevor sie sich vom Wirt trennen, so leicht zu erkennen sind, ist ihre Überlebensstrategie äußerst erfolgreich. Vögel, Mäuse, Igel scheinen sie durch willige Blutspenden im Kampf gegen mich zu unterstützen. In jedem Sommer sind sie wieder da, in unverminderter Zahl. Und an einem der ersten sonnigwarmen Tage im Frühling werde ich nach der Zeckenzange suchen, um mich diesem Kampf neu zu stellen.

Nur jetzt im Herbst kehrt Ruhe ein, den mögen sie nicht und den Winter auch nicht. Erstarrt, unsichtbar warten sie, dass die Tage wieder länger werden.


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Misanthrop (31) (30.10.2009)
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Rudolf meinte dazu am 25.02.2011:
Hallo, habe den Text überarbeitet. Jetzt sind sie nicht mehr blöd, aber dafür kann kein Mensch mehr Deinen Kommentar verstehen, für den ich mich bedanke.
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