Fall

Text

von  GiraffeFolle

Feel the fall. Ich fühle meinen Fall, fühle wie ich zerschmelze. Draußen scheint die Sonne weich und seiden. Ich scheine nur noch klein und bieder. Tropfen seidene kleine Gedanken aus mir heraus. Das Bauchweh ist endlos und macht mich kleiner, als ich bin. Vor meinen Augen fallen Lichter vom Himmel. Ein wunschloses Sternschnuppengewitter. Ich dachte. Ich hatte gehofft. Jetzt habe ich nur noch Gänsehaut.
Feel the fall. Eine weiche Kälte, aber Kälte ist es trotzdem. Eine traurige Müdigkeit, eine einsilbige Redewut, eine sich selbst unterdrückende Tränenflut. Ich hatte doch nur gedacht. Nur gehofft, gewollt. Nichts Böses. Aber die Summe ist böse. Böse wie nur Menschen zueinander sein können, oder zu sich selbst. Gerade genug, um es nicht ertragen zu können. Nie so sehr, dass man über den Dingen stünde: zu böse, um es ernst nehmen zu können.
Feel the fall. Winter schaut herüber, zu müde, um sich zu bewegen. Lethargie ist wie ein großer schwerer Gemütsstein. Der Kopf ist leer, und trotzdem schwer. Als wiege die Leere bleiern. Die Angst rast leise. Kann es nicht schneller passieren? Bevor nachher? Am besten sofort? Man wartet und wartet. Es gibt nichts zu warten, man wartet trotzdem. Nichts zu warten. Nichts zu reparieren. Die Kälte ist nicht zu beschreiben. Jeder Versuch witzlos. Es ist die Sorte nebenherfahrende Kälte. An die man sich fast gewöhnt. Aber dann erinnere ich mich tagtraumartig an den Sommer und wie sonnig mein Gemüt war, und alles scheint kühl fröstelnd. Mein Atem bläst kleine Dunstwölkchen ins Wohnzimmer. Draußen ist der Tag golden, fast platinfarbend. Mein Herz ist kupferrot. Kummerrot. Rostend.
Feel the fall. Der Schwung, der hin und wieder durch mich hindurchweht, reicht nicht. Mir Anschwung zu geben. Ich versinke in der atemlosen Stille. Dem zitternden rostbraunen Urschrei. Dem marternden stillen Alptraumgefühl. Dem leisen und dem zeternden Laubgeräusch. Dem Wie-lange-noch. Meine Hand streckt sich nach oben aus. Jemand greift sie. Zieht mich nicht hoch, aber hält sie fest. Immerhin.

6.10.2010
14.53h

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Kommentare zu diesem Text


 styraxx (13.10.10)
Intriganz, Heuchelei und Bösartigkeit denen steht hier der Protagonist ohnmächtig gegenüber. All diese Eigenschaften blockieren ihn oder sie, ja entziehen ihm jede Energie, so dass er kraftlos auf ein Zeichen wartet und sich nur mit einem Händedruck zufrieden zu geben - aber was heißt hier nur. Teilweise bittere Wort aus der Tiefe. LG
Geraldlocklin (51)
(08.03.11)
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