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Die Katze im heißen Sand

Text zum Thema Fiktion


von Ana Riba

Irgendwann war er da. Saß zwischen zwei Dünen und sah zu mir herüber. Ob er an diesem Tag das erste Mal dort saß, wusste ich nicht. Ich hatte ihn jedenfalls bisher nicht bemerkt.  Und so, wie er dort saß, konnte ich glauben, dass er sich in der Gegend gut auskannte. Vielleicht wusste er, dass ich hier alleine lebte und suchte selbst ein wenig Gesellschaft.
Hier draußen kam ja sonst kaum jemand vorbei. Das war mit ein Grund, warum ich das Grundstück und das Haus darauf ja auch gekauft hatte. Es gibt zwar eine Zufahrtstraße, die eigentlich ein besserer Feldweg ist, aber mehr eben nicht. Nicht einmal der Postbote macht sich die Mühe, hier her zu kommen. Ich muss mir meine Briefe und die wenigen Zeitungen, die ich abonniert habe, unten im Dorf abholen. Außer an diesen Tagen, in denen ich mir im Café du Port einen grand creme genehmige, sehe ich niemanden. Die Sommertouristen zähle ich nicht mit. Die kann ich meist gut ignorieren. Auch wenn die glauben, dass sie nach ihren ausgedehnten Sonnenbädern und sportlichen Aktivitäten müde geworden, durch die Dünen schneller zu ihren Autos kommen, und dann mehr oder weniger entsetzt feststellen müssen, dass sie vor einem Zaun stehen, der sie am Weitergehen hindert und sie dann unverrichteter Dinge den ganzen Weg zurückgehen müssen. Im Herbst und Winter ist es dann hier so einsam, dass ich manchmal meinen eigenen Puls hören kann. 
Er saß ein paar Stunden dort und beobachtete mich. Immer wenn ich zum Fenster heraus sah, oder die Haustür öffnete, um eine Zigarette auf der kleinen Bank im Vorgarten zu rauchen, saß er da und folgte mir mit Blicken. Irgendwann stand er auf, reckte sich und verschwand. Es dunkelte bereits; noch hatten wir Anfang März und in dieser Jahreszeit fiel die Nacht wie ein Vorhang über den Strand. Innerhalb von ein paar Minuten war es stockfinster und ich konnte die Lichter der Schiffe auf dem Meer sehen, die in Richtung Kanal fuhren. Manchmal dachte ich darüber nach, ob die Seemänner das Licht in meinen Fenstern sehen konnten. Dort draußen. Manchmal frage ich mich das, während ich auf meinen Herzschlag lausche.
Ich war nie ein Einsiedler, nein. Sicherlich nicht. Zwar auch kein Partygirl, aber ich hab’ nicht viel ausgelassen in meinem Leben, vor dieser Einsamkeit. Doch dann kam dieses verfluchte letzte Jahr, das für mich ein paar Arschtritte parat hielt. Eigentlich war ich nicht labil. Aber neben dem beruflichen Stress, den ich immer als sehr positiv empfand, der mich jedoch körperlich mehr mitnahm, als ich es je für möglich halten konnte, waren diese Arschtritte einfach zu viel.
Viel zu viel für ein Leben, das ich nun alleine leben musste. Ich hatte einen Verlust zu verkraften, der mehrere nach sich zog. Als Erster ging mein Vater. Unerwartet, unsinnig, urplötzlich und im Endeffekt eine Geschichte, wie sie nur das Schicksal schreiben kann. Märchenhaft und grotesk. Oder grotesk märchenhaft. Und was danach kam, war einfach nur krank. Mein Dad hatte sich am Tag seines Todes ein Lotterielos gekauft, es in sein braunes Herren-Portemonnaie gesteckt, und war dann über die Straße gegangen, wo ihn ein LKW erfasste. Er starb in dem Augenblick, als sein Los den Jackpot knackte. Ein groteskes Märchen eben. Mein Vater hatte sich für mich immer ein ruhiges kleines Leben gewünscht. Eines, in der Zufriedenheit seinen Platz hatte. Meine eigene. Nicht die, der Shareholder. Ich erbte das Los aus seinem braunen Herren-Portemonnaie, kündigte meinen Job als Brokerin in einer Londoner Investmentfirma, und ging. Und erfüllte ihm seinen Wunsch. Spät, aber immerhin. Dass ich dabei nicht nur meinen Beruf hinter mir ließ, sondern auch gleich meine Beziehung und die Gier meiner Umgebung, war da schon nebensächlich.
Ich ging fort. Suchte mir einen Ort, der nur mir gehören sollte. Keine Besucher, kein Fernsehen, ab und an mal eine Radiosendung. Kein Festnetz, nur ein beinahe altertümlich anmutendes Handy, dass ich auch nur dann einschaltete, wenn mir danach war. Mein Märchen sollte sich endlich als wahr erweisen. Mein neues Zuhause war ein altes Transformatorgebäude in Strandnähe. In den Zeiten, in denen noch nicht alles vom Computer beherrscht wurde, mussten Stromschwankungen noch manuell ausgeglichen werden und damit der zuständige Elektriker nicht mitten in der Nacht - denn solche Störungen passieren ausschließlich in der Nacht - aus dem nächsten Dorf geholt werden musste,  wohnten sie gleich in diesen Gebäuden. Mein neues, altes Haus hatte einen Wohnraum, ein Bad, Küche, Abstellraum und einen dreistöckigen Turm. Auf jeder Etage dieses Turms gab es ein Zimmer, das ich nach und nach, meinen Vorstellungen nach, einrichtete. Mir fehlte es an nichts. Außer an meinem Vater und meinem Freund, der jetzt Ex-Freund war. Und ich wusste genau, welcher Verlust der größere war.

***
Der Rote, wie ich ihn der Einfachheit halber nannte, kam bei Wind und Wetter. Bei Sturm und Regen saß er dort und beobachtete mich, kam aber nicht näher. Wollte offensichtlich nicht ins Haus. Ich machte mir etwas Sorgen, aber selbst wenn es aus Eimern schüttete oder der Sturm ihm den Sand der Dünen ins Fell trieb, und ich ihn mit Leckereien lockte, bewegte er sich nicht vom Fleck. Er saß dort mit einer bewundernswerten stoischen Ruhe. Er war ein hübscher Kater. Soweit ich das aus dieser Entfernung beurteilen konnte. Besonders beeindruckend war seine Erscheinung kurz vor Sonnenuntergang. Dann wirkte er größer, beinahe bedrohlich. Wenn er seinen Kopf bewegte, wurden seine Schatten länger und er sah aus, wie eine Tuschezeichnung von Batman. Er kam gegen Mittag, blieb immer nur ein paar Stunden, dann trollte er sich. Ich wusste nicht, wohin er ging. Oder woher er kam.
Das, was ich von ihm sehen konnte, zeigte mir einen roten Kater, der sehr schlank war. Nicht abgemagert; schlank eben. Sein Fell glänzte in der Sonne. Er schien gesund und munter zu sein. Wahrscheinlich ein Streuner, der nur tagsüber seine Spaziergänge in den Dünen machte, um dann am Abend seinen Platz am Kamin einzufordern. Zumindest machte der kleine Kerl keinen verwahrlosten Eindruck. Füttere nie eine fremde Katze, unterdrückte ich meinen ersten Impuls ihm eine Schale mit Milch oder ein Stückchen vom Fisch, den ich zu Mittag hatte, hinzustellen. Aber er schien nicht hungrig, nur neugierig.
Manchmal glaubte ich, dass er mich auffordern wollte, dass ich mich zu ihm setzte. Wenn seine Schwanzspitze rhythmisch auf dem Boden aufschlug, wenn er seinen Kopf neigte und sich wie beiläufig säuberte. Aber es vergingen Tage, bis ich mich dazu entschloss, von meiner Bank vor meinem Haus aufzustehen, langsam hinüber zur Düne zu gehen. Aus der Nähe war er noch viel hübscher anzusehen. Er hatte eine wundervolle Zeichnung um die grünen Augen, sein Maul war heller als der Rest des gestreiften Körpers und diese Schattierungen verliehen ihm eine besondere Mimik. Ich blieb neben ihm stehen und er blickte zu mir herauf, maunzte gelangweilt, drehte sich um und ging hinunter zum Strand. Ab und an blieb er stehen, als würde er auf mich warten. Also folgte ich ihm. Der Wind blies uns um die Nasen, aber es störte ihn nicht. Er schien das wohl zu kennen, dachte ich, denn er lief immer weiter. Warum sollte ihn das auch stören, nachdem er bei Sturm und Regen zwischen den Dünen Nässe und Sand getrotzt hatte. Auch als seine Pfoten in die Nähe der kleineren Ausläufer von sich verlaufenen Wellen am Strand kamen und somit nass wurden, schien ihn das nicht zu stören. Im Gegenteil: Manchmal hockte er sich hin und spielte mit den kleinen Pfützen. Ihn zu beobachten tat mir gut. Ich spürte, dass er mir guttat, dass mir seine Besuche Freude bereiteten.

***

Von da an gingen wir jeden Tag spazieren. Er erschien zwischen den Dünen, legte den Kopf schief, gerade so, als würde er mich auffordern endlich zu kommen, und ich holte ihn ab. Wir gingen in Richtung der Felsen, ein paar hundert Meter nur, dann drehte er um, hielt unseren Spaziergang für beendet und ich folgte ihm zurück. Zwischen den Dünen trennten sich unsere Wege und er hob zum Abschied die Pfote. So schien es zumindest.  Er verließ mich erst, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ich das Haus betreten hatte. Woher ich das wusste? Ich, für meine Person, konnte ihn vom Küchenfenster her beobachten. Er wartete einen Augenblick, dann drehte er sich um und trollte sich. Wohin er auch immer gehen mochte.
Mein seltsamer Besucher und ich spielten dieses Spiel ein paar Wochen lang. Bis der Sommer kam und mit ihm die Touristen. Es schien, als würde es ihm am Strand zu laut, zu unruhig werden. Denn eines Abends blieb er nicht in den Dünen stehen, sondern ging mit mir zum Haus. Ich war erstaunt und gleichzeitig erfreut. Bisher hatte er keine Anstalten gemacht, sich meinem Haus zu nähern. Auch nicht nach meinen Aufforderungen im Frühling. Doch an diesem einen, besonderen Abend folgte er mir, wartete auf der Fußmatte, bis ich die Tür geöffnet hatte, und stolzierte ins Haus, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht.
Er sah sich um, fand sofort seinen Lieblingsplatz am Fenster, in der Nähe eines Kamins, und blieb. In meinem gebrochenem Französisch fragte ich im Dorf nach einem möglichen Besitzer, doch ich hatte nicht mit der eigenartigen Tierliebe der Franzosen gerechnet. Hunde gingen so gerade noch, aber eine streunende Katze, die nur zum Mäusefangen gut war, war ihnen herzlich egal. Trotzdem befürchtete ich, ja, bereits nach wenigen Tagen hatte ich Angst ihn zu verlieren, dass er nur für kurze Zeit mein Mitbewohner war.

Anmerkung von Ana Riba:

Eine Idee, von der ich nicht weiß, wo sie hingeht ... (und ich das immer noch nicht mit den mehrteiligen Texten hinbekomme)


 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (11.08.2018)
Guten Abend.

Handwerklich habe ich nichts aussetzen, alles picobello, aber inhaltlich fand ich's, Entschuligung für meine deutlichen Worte, zum Gähnen. Im Mittelteil wird auch zu viel erklärt bzw. vorgekaut, nicht erzählt (die Arschtritte usw.). Da sind die Teile mit Katze schon noch besser, weil einfach das Beobachtete berichtet, halbwegs schnörkellos.
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Ana Riba meinte dazu am 12.08.2018:
Guten Morgen,
nein, alles gut.
Mittlerweile war mir das auch aufgefallen und habe den Text schon verändert.
danke, für deine Meinung
lg
Ana Riba
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Veröffentlicht am 02.01.2017, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 02.01.2017). Textlänge: 1.553 Wörter; dieser Text wurde bereits 593 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 01.08.2021.
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