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Parabel zum Thema Krieg/Krieger


von Quoth

Mit einem Kumpel marschiere ich ein Kleinbahngeleis entlang, er schreitet von Schwelle zu Schwelle, ich gehe nebenher, graue Rauchwolken stehen am Horizont. Wir halten beide einen Wackerstein in der Hand, ich einen, der die Hälfte eines größeren ist, ich trage ihn mit der flachen Bruchseite auf meiner rechten und wundere mich über seine Unregelmäßigkeit, seine Nierenform. Wir sind froh, davongekommen zu sein, es war die Hölle. „Warum schleppen wir uns mit den Steinen ab?“, fragt er mich. Ich erwidere: „Was wären wir denn ohne sie? Ihr Gewicht hält uns am Boden. Ohne sie flögen wir davon!“ „Wir sind doch keine Maikäfer!“, sagt er und wirft seinen Stein fort. Ich höre ihn den Bahndamm hinabpoltern – und bin allein. Umso fester fasse ich den meinen. Ein Sirren in den Gleisen erschreckt mich. Ich springe hinab und kauere mich in Brennnesseln, Beinwell und Mädesüß. Ein grüner Käfer krabbelt einen Grashalm empor. Hier werden sie mich nicht entdecken. Kauerte Mutter so nicht mit mir im Gras, als britische Flieger den Zug angriffen? Ein Güterwagen mit offenstehender Schiebetür fährt vorbei. Steine werden herausgeworfen. Ihr Gekoller übertönt das leise Summen von Stahl auf Stahl.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Thomas-Wiefelhaus
Kommentar von Thomas-Wiefelhaus (26.02.2021)
Ähnliche Kriegsgeschichten haben ich und meine Generation noch oft gehört.
Ich etwa von meiner (nicht lachenden) Mutter oder von meinem lachenden Friseur.
Selber erlebt habe ich sie nicht!

Damals zählte ein Menschenleben wenig. (Außer für die Angehörigen.)
Und heute? Heute exportiert man Waffen in Konfliktländer, aber verschärft die Corona-Regeln.
- Ein Widerspruch?

Kommentar geändert am 26.02.2021 um 22:58 Uhr


Kommentar geändert am 26.02.2021 um 22:59 Uhr
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Quoth meinte dazu am 27.02.2021:
Hallo, Thomas-Wiefelhaus, ich bin zwar etwas älter als Du, habe den Krieg aber auch nur aus der Kindperspektive miterlebt, Erzählungen anderer, literarische Quellen (Böll, Wellershoff), Fotoalben verweben sich dann im Traum. Den absurden Widerspruch zwischen extremer Gesundheitsfürsorge einerseits und dem willentlichen Verwunden und Töten im Krieg anderseits würde ich auch gern noch mal bearbeiten! Gruß Quoth
Danke für die Empfehlung!
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Dieter_Rotmund antwortete darauf am 27.02.2021:
Also hier den Bogen zu schlagen von der Steinmetapherstory hin zu aktuellen Waffenexport-Politik finde ich doch sehr gewagt.
Metapher gefällt mir ganz gut, aber man wird nicht so recht schlau daraus. Die Kindheitserinnerung hilft dabei nicht.
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Quoth
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Veröffentlicht am 26.02.2021, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 27.02.2021). Textlänge: 188 Wörter; dieser Text wurde bereits 35 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 11.04.2021.
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