Die Bundesbahn ist pünktlich!

Satire zum Thema Bahnhof

von  DariusTech

Bekannterweise fahren 95% aller Züge der Bundesbahn pünktlich... Das wird zumindest immer wieder in der Werbung gesagt.
Sie, werter Leser werden sich jetzt sicher auch fragen, warum ausgerechnet SIE immer in den übrigen 5% der Züge sitzen. Aber ich kann Sie beruhigen, es lastet kein Fluch auf Ihnen. Sie sitzen in den 95% der pünktlichen Züge, wie alle Ihre Mitreisenden. Natürlich bleibt dabei die Frage offen warum Sie schon das dritte Mal in diesem Monat zu spät auf der Arbeit waren. Das kann ich Ihnen nicht verraten, die Bundesbahn war pünktlich, wenn Ihr Chef sie also anbölkt... Dann hat er vollkommen recht.

Ich werde Ihnen jetzt einmal erklären wie das funktioniert. Sie werden sehen, wenn Sie das mit der Pünktlichkeit der Bahn erst einmal verstanden haben, wird Ihnen völlig klar sein, warum Sie alleine dafür verantwortlich sein müssen, dass sie schon wieder viel zu spät an Ihrem Schreibtisch sitzen. Sie sollten sich schämen!

Nehmen wir einen durchschnittlichen Pendler, der auf seinem Arbeitsweg (oder Uniweg) einmal den Zug wechselt. Sein erster Zug kommt fünf Minuten nach der Zeit an, die auf dem Fahrplan steht. Dieser Zug ist pünktlich, Verspätungen von bis zu 5 Minuten werden aus der Statistik gestrichen. Wo die fünf Minuten unseres Pendlers geblieben sind weiß der Geier.
Jetzt wird es aber viel schöner. Sein, leider nur stündlich fahrender Anschlusszug, der natürlich nicht gewartet hat, warum auch, es gab ja keine Verspätung, hat sich tatsächlich an den Fahrplan gehalten. Jetzt ist unser Pendler bereits eine ganze Stunde später dran, als er sollte. Aber die Bundesbahn war natürlich pünktlich, nur unser Pendler scheint ein gewaltiger Rumtrödler zu sein. Die berühmte deutsche Pünktlichkeit ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.
In Ermangelung einer Zugverbindung harrt unser Pendler eine Stunde lang auf dem fremden Bahnhof aus, bis ihn die Hiobsbotschaft ereilt... Der nächste Zug fällt aufgrund einer Betriebsstörung natürlich aus. Großartig, zwei Stunden hinkt er bereits hinterher... Aber ein Zug der ausfällt, ist natürlich nicht zu spät gefahren, sondern garnicht. Die Bundesbahn war also immernoch absolut pünktlich.
So vergeht eine weitere Stunde in der Warteschleife, bis endlich, endlich die Anzeigetafel die erhoffte Anbindung aufzeigt. Aber, oh Schreck. Bereits zehn Minuten sind seit der angegebenen Abfahrtszeit verstrichen, aber kein Zug ist in Sicht. Eine Durchsage klärt das Rätsel endlich auf, dieser Zug wird vorraussichtlich fünf Minuten später eintreffen als er es laut dem, bereits seit zehn Minuten überschrittenen Fahrplan tut. (Das ersehnte Ereignis ist nach einer weiteren Viertelstunde zu erwarten.)
Wenn Sie glauben unser Pendler könnte jetzt endlich einmal die Bahn verantwortlich machen, weit gefehlt. "Vorraussichtlich fünf Minuten später", also pünktlich. Wie konnten Sie das denn nur vergessen? Unser Pendler erreicht sein Ziel mit insgesamt zwei Stunden uns fünfundzwanzig Minuten Verspätung. An Stelle seines Chefs wäre ich ebenfalls sauer. Schließlich kommt er ja mit der Bahn, und die ist bekanntlich pünktlich.

Haben Sie sich in der Geschichte des Pendlers wiedergefunden? Dann wissen sie ja jetzt wie das funktioniert, mit der Pünktlichkeit. Die Uhr zurückstellen, ausgefallene Züge und geringe Verspätungen einfach streichen. Und schon ist man pünktlich, egal wie spät man ankommt. Bleibt einzig die Frage, ob Sie das mit Ihrem Chef genau so machen können, wie es die Bundesbahn mit uns macht.

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Kommentare zu diesem Text

Müggelin (24)
(07.06.06)
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 DariusTech meinte dazu am 08.06.06:
Das liegt bestimmt daran, dass die Züge Angst im Dunkeln haben. Nachts bin ich auch gern draussen, weil dann alles viel ruhiger ist.
lg Darius
Graeculus (69) antwortete darauf am 29.10.16:
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 Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 10.02.20:
Mache ich auch oft falsch.

Was mich mehr stört sind die fehlenden Kommas und dass es die Bundesbahn 2006 schon lange nicht mehr gab. Schon 1993 wurde aus der Deutschen Bundesbahn die Deutsche Bahn AG.

Insgesamt aber flott und unterhaltsam erzählt, schade um die schlampige Ausführung.

Antwort geändert am 10.02.2020 um 13:14 Uhr
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