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Vater und Sohn.

Legende zum Thema Gott


von Dieter Wal

Für Irene Boerner.

An einem eiskalten Dezemberabend spazierte ein weißhaariger Greis mit Vollbart in Begleitung eines 30-jährigen glattrasierten Hippies durch die Fußgängerzone der Nürnberger Innenstadt.

Sie hatten kaum den Weißen Turm umrundet, als sie eine zerlumpte Frau schweigend anhielt. Sie streckte ihnen ein vollgekritzeltes Pappschild entgegen. Darauf lasen sie die krakeligen Worte: „Will Keld, hape Hunger“.

„Sohn“, sagte der Bärtige, „gib ihr Geld“, was völlig überflüssig war, da der 30-Jährige schon von Weitem die auffallend schönen Gesichtszüge der jungen demonstrativ dreckverschmierten Frau erblickt hatte. Mit feucht glitzernden Augen kramte er drei seltsam alt aussehende Goldmünzen aus dem unergründlichen Inneren seiner sonderbaren Kleidung. Er drückte sie mit einem Pathos in ihre Hände, das der jungen Frau zweideutig vorkam.

Einem zufälligen Beobachter wäre aufgefallen, dass er die Hand der Frau etwas länger hielt, als das nun unbedingt nötig gewesen wäre.

Die Frau spürte seine starke Ergriffenheit und wollte schon ihre Hand wegziehen. Da sah sie in seine Augen und im Bruchteil von Sekunden zogen vor ihrem inneren Auge alle bisher von ihr gespielten Elendsbekundungen ihrer angeblichen Armut an ihr vorüber.
Sie hatte das bestimmte Gefühl, der Mann konnte wie sie selbst all diese Schauspielereien sehen. Im selben Moment schoß ihr Schamesröte ins Gesicht.

Der Langhaarige lächelte und gab ihre Hand frei.

Als sie hinein sah, konnte sie die goldenen warmen Münzen glitzern sehen. Sie wogen schwer. „Das sind römische Golddenare“, sagte er. „Ich bekam sie von einem Zöllner vor langer Zeit“.

„Danke, Herr“, sagte sie ganz entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, denn eigentlich hatte sie beschlossen, niemandem mit Worten zu danken.
Wenn schon Worte, dann konnte sie erstaunlich gut formulierte Flüche auswendig, mit denen sie Passanten bedachte, die sie unfreundlich behandelten.

„Sohn“, sprach der Alte, nachdem sie weitergegangen waren, „du hast ihr gerade ihren Beruf zunichte gemacht. Glaubst du, sie kann jetzt noch betteln? Jetzt wird sie in jedem konsumgierigen Kapitalisten den Messias vermuten“.

„Ich weiß, Vater“.
„Und ich, Sohn.“

Die Rosette der Lorenzkirche leuchtete besonders. Innen feierte man einen Gottesdienst.

„Ich glaube“, sagte der Alte und deutete auf die Umgebung, „das sind die Vorbereitungen für deinen Geburtstag. Das muß wohl so sein, es sind Menschen“.

„Ich weiß, Vater“.
„Und ich, Sohn.“

Beide wurden gleichzeitig durchsichtig und verschwanden.

Anmerkung von Dieter Wal:

Entstand 1996.


Die Geschichte gibts auch in einem Hörbuch mit neuen Texten für Weihnachtsfans ("es wird schon glei dumpa - Der etwa andere Adventskalender des Literaturforums 'gruppe-vie-w' mit 33 Türchen zum Anklicken"). Theatermann Peter Puppe spricht mit sonorer Stimme sämtliche Texte. Der Musiker und Autor Thommy Gärtner komponierte und interpretierte die Musik.

 Über Peter Puppe erhältlich..


 
 

Kommentare zu diesem Text


Momo
Kommentar von Momo (08.12.2009)
Dieser Text kann nicht verbergen, von wem er geschrieben wurde.

Er liest sich flüssig, bis auf „Wenn schon Worte, dann konnte sie erstaunlich gut formulierte Flüche auswendig, mit denen sie Passanten bedachte, die sie unfreundlich behandelten.“
Dieser Satz erschien mir überflüssig, störte mich ein wenig, denn aus deiner Beschreibung wird schon deutlich, welch Geistes Kind deine Protagonistin ist.

Nicht ganz schlüssig erscheint mir auch die Schlussfolgerung „Jetzt wird sie in jedem konsumgierigen Kapitalisten den Messias vermuten“, denn ein Hippie hat wenig Ähnlichkeit mit einem Kapitalisten.

Na ja, du bedienst mit dieser Legende die christliche Vorstellung Gottes, der sich dreigestaltig aufteilt in Vater, Sohn und Hl. Geist. Nun, das ist eine Glaubensfrage und dazu möchte ich mich auch nicht weiter äußern.
Was mir an deinem Text aber jenseits davon wichtig ist, ist die Quintessenz, dass auch im ganz profanen Alltag Liebe und Mitgefühl möglich sind, obwohl es die Menschen offenbar gar nicht verdient haben.

L.G.
Momo
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Dieter Wal meinte dazu am 09.12.2009:
Liebe Momo,

vielen Dank für deine Kommentierung! Manche Elendsbettlerinnen aus Rumänien oder Albanien geben vor, unsere Sprache nicht zu kennen, aber fluchen hervorragend hochdeutsch, wenn Notwendigkeit dazu besteht. Fast genauso sympathisch finde ich albanische oder rumänische Flüche, soweit ich die Sprachen verstehe. Aber sie fluchen nur selten in ihrer Muttersprache. Die Verfluchten hätten ja sonst so gut wie gar nichts davon.

Deine Kapitalisten-Bemerkung find ich gut beobachtet. Gemeint ist: Sie wird nach dieser Begegnung in jedem Menschen, aber speziell natürlich in Weihnachtseinkäufern, den Messias wittern. Eine ganz nette Vorstellung. Meinst du nicht?

LG
Dieter
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Ganna
Kommentar von Ganna (19.11.2013)
...eine Geschichte, die sich immer wiederholt, so oder so ähnlich...warum aber ist der Hippie glattrasiert und dies der Erwähnung wert?

...warum muss die Bettlerin das Fluchen beherrschen?

"...alle bisher von ihr gespielten Elendsbekundungen ihrer angeblichen Armut an ihr vorüber.
Sie hatte das bestimmte Gefühl, der junge Mann konnte wie sie selbst all diese Schauspielereien sehen. Im selben Moment schoß ihr Schamesröte ins Gesicht..."

...und da gibt es mir zu viele Wiederholungen: gespielte Elendsbekundungen, angebliche Armut, Schauspielereien...die einmalige Erwähnung dessen wäre nicht nur genug, sondern könnte auch noch eine Überraschung bergen, denn nicht alle Bettler spielen etwas vor...

LG Ganna
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Dieter Wal antwortete darauf am 19.11.2013:
Host recht. Straffe es bei Gelegenheit. Danke.

Jesus trägt keinen Bart, weil die Legende nicht jedes Klischee erfüllt. Die Leser/Hörer werden wie bei Krimis zunächst auf die "falsche Fährte" gelockt, damit sie nicht zu früh ahnen, worauf die Erzählung hinaus will.
(Antwort korrigiert am 19.11.2013)
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Ganna schrieb daraufhin am 19.11.2013:
...im Grunde ist es gleich, ob er einen Bart trägt oder nicht...warum dann aber erwähnen, dass er einen trägt?...das meine ich...ich denke, wenn es erwähnt wird, sollte es einen Grund dafür geben, wäre es wirklich gleich, kann man es unbemerkt lassen...

...ich will unbedingt noch anmerken, dass er mich freut, einen guten Hinweis gegeben zu haben...denn es fällt mir viel schwerer zu kritisieren, als Sternchen zu verteilen...
(Antwort korrigiert am 21.11.2013)
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Dieter Wal äußerte darauf am 24.11.2013:
Verhält sich as follows:

a) Jesus wird als bartloser USA-Freak dargestellt, der auf Frauen steht, äußerst empathisch bis eidetisch-sensitiv ist, na und der mit seinem Papa unterwegs durch die Fußgängerzone der Nürnberger Innenstadt schlendert.

b) JHWH wird als Weihnachtsmann dargestellt, der offensichtlich kein Interesse an Frauen hat, zumindest nicht sexuell, der mutmaßlich unausgesprochen wie Jesus sensitiv-eidetisch ist, sich jedoch überhaupt nichts daraus macht. Beide wissen einfach alles, aber unterhalten sich untereinander, als wären sie ganz gewöhnliche sterbliche Menschen. Dies bereitet den Figuren offensichtlich Vergnügen. Wenn nun der Vater im Text einen Bart trägt, ist das einfach eine Reminiszenz an den Coca Cola-Werbeträger alias Weihnachtsmann.
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Ganna ergänzte dazu am 25.11.2013:
...ich habe gelernt, dass man nicht schreiben sollte: Er trug einen Hut....sondern...beispielsweise: Sein schlappriger Hut rutsche ihm immer wieder ins Gesicht...

Diese beisen Herangehensweisen unterscheiden gute und schlechte Texte voneinander und das leuchtet ein.
In Deinem Text schreibst Du gleich zu Beginn:

"An einem eiskalten Dezemberabend spazierte ein weißhaariger Greis mit Vollbart in Begleitung eines 30-jährigen glattrasierten Hippies durch die Fußgängerzone der Nürnberger Innenstadt."

Das könnte man so umschreiben:
Der Greis versuchte sich mit einer roten Wollmütze zu wärmen, unter der auf allen Seiten seine weiße Haare hervorquollen...

Ich denke, Du könntest aus Deinem Text viel mehr herausholen, wenn Du hin noch einmal überarbeiten würdest.

LG Ganna
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Dieter Wal meinte dazu am 14.12.2013:
Danke für die Tipps.
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Dieter Wal meinte dazu am 10.04.2015:
"Beide Herangehensweisen unterscheiden gute von schlechten Texten."

Generell liegst du damit richtig. Du schriebst ja auch nicht, dass dieser Text schlecht sei.

Das Märchen (die Legende) soll von möglichst vielen Lesern komplett verstanden werden (Unterhaltsame Theologie, Zielgruppen: Kinder ab 8 und Erwachsene jeder Bildungsschicht).
(Antwort korrigiert am 11.04.2015)
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linda (83) meinte dazu am 22.07.2018:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Dieter Wal meinte dazu am 12.09.2018:
Ich freue mich auch dann über textbezogene Kommentare, die Verbesserungsvorschläge bringen, wenn sie einen Test intentional weder verstanden noch stilistische Fähigkeiten erkennen lassen. Das finde ich interessanter als Lob.
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Tanz des Lebens.Inhaltsverzeichnis
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Mythen, Märchen und Legenden..
Veröffentlicht am 08.12.2009, 21 mal überarbeitet (letzte Änderung am 13.12.2018). Textlänge: 367 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.860 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 03.12.2019.
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