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IIIInhaltsverzeichnisV.

IV

Novelle zum Thema Selbstbestimmung


von Lala

IV.

Es war ein Zufall. Klaus hatte gerade mit einem Jahr Verspätung wegen einer Ehrenrunde in der Neunten sein Abitur gemacht und kurz nach danach mit Uwe, aus dem Geschichtsleistungskurs, einen Last-Minute-Flug nach Kreta gebucht, als Thomas, der Überflieger, der Schnellläufer, der VWL-, Mathe-, Sinologiestudent und Juniorchef im Dienste von Schrock & Söhne auch 1991 auf der Insel war, um neue Geschäftspartner, Einkaufspreise und Qualitätskontrollen zu gewinnen beziehungsweise sie zu drücken oder zu umgehen.

Klaus und Uwe landeten mitten in der Nacht am Flughafen von Heraklion und fuhren dann, kreuz und quer, in einem Bus in den Süden der Insel zum Golf von Messara. Während dieser Fahrt, zwischen Nacht und Traum, zwischen Kehre und Gerade, zwischen all den vielen Serpentinen, fiel Klaus, während Uwe schlief, die vielen Madonnenbilder auf, die an jeder zweiten Kehre einem Opfer des Verkehrs gedachten oder helfen wollten, ein weiteres Opfer, zu verhindern. Bei dieser Fahrt machte er kein Auge zu, nicht zuletzt, weil der Busfahrer immer weniger Anstalten machte, seinen Fahrstil, den Gefahren anzupassen. Uwe war sofort eingeschlafen und schnarchte selig.

Sie waren gerade mal vier Tage in dem kretischen Pauschaltouristen Kaff gewesen, als der Urlaub und Klaus Sexfantasien abrupt endeten. Klaus hatte seine Hoffnungen schon beim ersten Frühstück nach der Ankunft, auf eine Mittvierzigerin in ihrem Hotel gesetzt, die ihn danach schon zweimal, einmal davon barbusig am Strand um Feuer gebeten hatte, was Klaus als verdammt aufreizend empfunden hatte. Allerdings hatte er beim zweiten Mal befürchtet, dass sie mitbekommen hatte, wie er einerseits fasziniert auf ihren üppigen Busen gestarrt und andererseits auch wiederum irritiert gewesen war. Denn die Form ihrer Brüste, die Ausrichtung ihrer Brustwarzen, ihre Tendenz zur Schwerkraft und ihre Ausrichtung insgesamt waren nicht symmetrisch. So als hätte man ihr, zwei Brüste von zwei verschiedenen Herstellern angeschraubt.
Klaus war so irritiert, dass er um so dreister mal auf die linke, mal auf die rechte Brust starrte. Er war so irritiert, wie bei Personen, deren eine Pupille aus der Symmetrie auszuwandern schien. Auch bei denen wusste Klaus nie auf welche „Seite“ er sich schlagen sollte, ohne unhöflich zu sein. Im Falle der ungleichen Titten war es ihm in dem Moment, wo er Feuer geben musste, egal. Er fand eigentlich beide geil und hatte den dringenden Wunsch sie anzufassen. Uwe fand Klaus Geilheit einfach nur krank. Die sei doch viel zu alt für ihn. Aber richtig was aufreißen, so wie sie, Klaus und Uwe, es sich nach tausend Stunden Rollenspiel „Schwarzes Auge“ gewünscht hatten, hatte er auch nicht. Und weil Klaus einen Baedeker über Kreta hatte, liehen sie sich Mopeds aus und klapperten die Sehenswürdigkeiten ab.

Am vierten Tag ihres Urlaubs waren er und Uwe nach Phaistos gefahren. Phaistos wurde durch den Baedeker als einer der historischen Ausgrabungsstätten angepriesen, als eine der wichtigsten antiken Fundstellen überhaupt. Klaus und Uwe waren auf ihren Leihmopeds in einer Erwartungshaltung zum Palast gefahren, als würden sie dort eine Art archäologisches Disneyland erleben.


Angekommen stand Klaus bei vierzig Grad im Schatten auf einem kahlen, baumlosen Plateau auf dem er versuchte zu erkennen, wo welche Stelen oder großartigen Hallen gewesen sein mochten, in denen das Abendland entstanden war. Außer nichts, außer Hitze, außer vielleicht einer Andeutung eines Säulenstumpfes, konnten er und Uwe nichts entdecken. Außer einer Sache. Und diese erfuhren sie sehr unmittelbar auf der blank, wie ein überdimensionales weißes Blatt Papier, der Sonne ausgesetzten Fläche: Der Palast schien sehr groß gewesen zu sein. Die unstrukturierte Steinfläche zog sich endlos unter der Mittagssonne hin.

Klaus hielt bei zunehmend hitzezerschmirgeltem Gehirn den Reiseführer in der Hand und versuchte die Großartigkeit der Anlage zu erfühlen, las vor und hoffte, dass Uwe Gefallen an diesem Weltwunder haben würde. Aber Uwe spähte nur in eine Richtung, wo es Bäume, Schatten und anscheinend Getränke gab.

„Weißt Du Klaus, warum außer uns zwei Langweilern alle anderen da oben im Café im Schatten unter den Pinien sitzen? Weißt Du, warum keine Sau in diesem großartigen Palast der Minoer ist? Dieser Wiege der Menschheit? Wei - el hier nur Stein und kahle Kacke ist und da oben Bier, Titten, Schwanz und Spaß! Deswegen.“

Während Uwe lamentierte, beständig den Sitz seiner Sonnenbrille korrigierte und versuchte sich ein Piratenkäppi aus einem Palästinensergeschirrtuch zu wickeln, mit dem er eher nach Trümmerfrau, als nach Joe Cool ausschaute, sah Klaus, wie ein Typ, in einem hellblauem, kurzärmeligen Hemd, schwarzer Hose und Käppi ihnen gemächlich entgegenschlenderte. Lässig, als sei er zufällig hier und wolle gar nichts von ihnen. Aber er kam trotzdem zu Klaus, so als sei Klaus schon immer sein Ziel gewesen. Der Typ, das stellte Klaus schnell fest, war ein Polizist. Deutsche Polizisten waren Lichtjahre von dieser Lässigkeit entfernt.

Der griechische Ordnungshüter, als er auf einer Armeslänge vor ihm stand, nickte Klaus kurz zu, lupfte sein Käppi, guckte nochmals, alles mit außerordentlicher Ruhe, nach links und auch nach rechts, über marmorne und hitzeglühende Flächen, als wolle er sicher gehen, dass er hierher, hier nach Phaistos, an den Rand der Milchstraße, nur wegen eines dussligen Marschbefehles zu Klaus gespült worden war. Er nickte wieder, bedächtig, aber unbestimmt und verkniff sich jedes Lächeln. Das irritierte Klaus.
„Schrock?“, sagte er dann kurz aber bestimmt und die Sonne spiegelte sich in seiner Brille.
„Ja, yes“, stammelte Klaus.
„Follow“, antwortete er, drehte sich um und marschierte wieder zurück, in der sicheren Annahme, dass Klaus seiner Anweisung folgen würde. Klaus war geschockt, aber er zuckte nur kurz mit den Achseln und signalisierte Uwe, dass er „followen“ müsse. Klaus hinterfragte nicht, denn er war in Griechenland, war Gast und hätte es als unanständig empfunden sich selbst dieser schnöseligen Aufforderung, zu verweigern. Außerdem hatte er Angst.


Alles, was danach kam, lief wie in einem Film ab: Surreale Telefonate mit seinen Eltern, die seit einem Jahr in Scheidung lebten; ein sehr merkwürdiger Anruf seines Großvaters, des Inhalts, dass Klaus bei der Fahne bleiben solle; vor allem aber die Stunden in einer kretischen Polizeistation, die ihn nicht an eine deutsche Behörde erinnerte, sondern an eine x-beliebige Wohnung, die statt mit Büroschränken mit einem untauglichen, irgendwie antiken Sekretär, ausgestattet war, in dem viele Akten - und noch mehr losem Papier - systemlos verramscht wurden.

Was ihm die Polizei, seit seiner Begegnung mit dem uniformierten Fährmann über den steinernen Styx in Pahistos vermitteln wollte, war, dass sein Bruder, Thomas, bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war und sein Vater Philip, der wusste, dass er, Klaus, zufälligerweise auch in Kreta war, damit beauftragt hatte, den Leichnam seines Sohnes zu überführen.

Klaus hatte nie eine enge Bindung zu Thomas gehabt, denn Thomas sah in Klaus nur eine nicht ernst zu nehmende Nachgeburt, die Fußball statt Hockey mochte. „Mutters Kind“, nannte er ihn auch häufiger. Aber es hatte eine Zeit gegeben, in der Thomas, Klaus und Heinrich eine Einheit, eine Front gebildet hatten, ohne dass sie sich dazu verabredet hätten. Sie waren es.

Klaus war hatte schon vor dem Abitur begriffen, dass Thomas und ihn, weder Interessen, noch intellektuelle Augenhöhe verband. Andererseits hatte er erleben dürfen, dass Thomas sich als anständiger Kerl erwiesen hatte. So sah er das jedenfalls. Er hatte erleben und begreifen dürfen, dass er es auch Thomas zu verdanken hatte, dass er, Klaus, das Land hinter dem Regenbogen gesehen hatte. Klaus war damals glücklich gewesen, Thomas, seinen Bruder nennen zu dürfen.

Später, als er in einer heruntergekommenen Amtsstube saß und ein Formular unterschreiben sollte, dass ein lässiger Beamter aus einem Wust von Leckmichamarschpapieren herausgezogen, ihm vorgelegt und mit dem Zeigefinger auf die Stellen gedeutet, die er zu unterschreiben oder zu markieren hatte, versagte Klaus nicht nur die Hand.
Er sah in diesem Moment nur noch dieses Formular, fühlte die brütende Hitze und das vergebliche verquirlen des Deckenventilators; er sah übergroße Quadrate, in die er ein Kreuz zu machen hatte und neben diesen Quadraten nichts. Die Welt war ein Formular aus einem vollautomatischen Leckmichamarschapparat geworden.
Das, beschloss Klaus, war nicht die Welt. Ganz sachlich und nach einem System, das ihm später nicht mehr einfallen wollte, begann Klaus, das Formular in kleinste Schnipsel zu zerreißen. Er nahm nicht wahr, dass sich die drei Beamten erst irritiert ansahen und erst dann einer von ihnen, ihm das Papier aus den Händen ziehen wollte. Klaus bemerkte nur, wie er von Fingern angegriffen wurde und, weil er mit beiden Händen die Welt zerriss, blieb ihm nur, in einen dieser Finger, die die Welt retten wollten, beherzt zu beißen.

Als Klaus in einer Art Ausnüchterungsloch wieder zur Besinnung gekommen war, fragte er sich, warum Philip, sein verfickter Vatti, nicht gekommen war, sondern ihn vorgeschoben hatte? „Scheißkerl“, dachte Klaus.

IIIInhaltsverzeichnisV.
Lala
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Veröffentlicht am 25.05.2010, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 27.05.2010). Textlänge: 1.405 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.181 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 03.04.2020.
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