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InhaltsverzeichnisEin neues Leben

Elisabeth - Leben und Tod

Prolog zum Thema Vampire


von ThalayaBlackwing

Am 28.6.1937 erblickte Elisabeth Irmgard Weber das Licht der Welt im schönen thüringischen Eisenach. Lange Zeit blieb sie das einzige Kind ihrer Eltern, sehr zum Verdruss des Vaters, der sich so sehr einen Stammhalter wünschte. Als Elisabeths Mutter schließlich endlich erneut schwanger wurde, war Elisabeth bereits 5 Jahre alt. Ihr Bruder Holger Bernd Weber wurde am 17.7.1943 geboren. Hocherfreut über den Nachwuchs wurde ein Fest gefeiert, trotz des Krieges. Elisabeth liebte und beneidete ihren kleinen Bruder zugleich. Sie hatte sich immer Geschwister gewünscht, doch nun bekam er, dieser kleine Wurm, alle Aufmerksamkeit. Ihrer Mutter tat es sichtlich Leid, dass sie kaum Zeit für die ältere Tochter hatte, aber für den Vater war Elisabeth nun unsichtbar geworden.

Oft lief das Kind am Tage allein durch die Stadt und die angrenzenden Wälder.  Niemand vermisste sie, wenn sie nach der Schule nicht gleich zurückkehrte, frühreif wie sie war. Knapp 2 Jahre später kam ein weiteres Kind in die Familie. Ihr Bruder Lothar Bernd Weber wurde am Montag den 5.2.1945  geboren. Auch er bekam viel Aufmerksamkeit von Vater und Mutter. Manchmal, wenn Elisabeth, die nun bereits 7 Jahre alt war, ihren jüngsten Bruder im Arm hielt, damit ihre Mutter kurz verschnaufen konnte, fiel auch der Blick ihres Vaters auf sie. Und man sah ihm an, dass er überlegen musste, wer das Kind dort war, dass seinen Jüngsten im Arm hielt. Schließlich drehte er sich um und ging. Ihren Namen hatte sie seit der Geburt Holgers nie mehr aus dem Munde ihres Vaters gehört. Jede Nacht, wenn er so an ihr vorbei gegangen war, weinte sie sich in den Schlaf. Ein Schmerz, den sie für immer mit sich tragen sollte.

Der Krieg aber machte auch vor der Familie Weber keinen Halt. Der Vater, der nur als Reservist eingestuft war, und eigentlich nicht mehr kriegsfähig war, wurde kurz nach Lothars Geburt eingezogen. Hannes, der Nachbar der Familie, der selbst Frau und Kinder hatte, erbot sich, mit auf die Familie zu achten. Da er selbst nur einen Arm hatte, konnte er nicht mehr dienen.

Als der Krieg nun auch Eisenach zu bedrohen begann, beschloss die Familie zu fliehen. Niemand wollte zwischen die Fronten geraten. Aber wie es nun einmal war, Kinder taten selten, was man ihnen sagte, schon gar nicht Säuglinge. Alles dauerte länger und der großen Fluchtwelle, der man vorauseilen wollte, konnte man nicht entkommen.

Elisabeth lief ihrer Mutter und der Familie Schulz nach, trug ihren kleinen Koffer mit ihren Habseligkeiten und folgte, so gut sie konnte. Hannes aber legte solch ein Tempo vor, dass Elisabeth kaum Schritt halten konnte. Es kümmerte ihn nicht und ihre Mutter war zu sehr mit dem Jungen beschäftigt, den sie im Arm trug und dem Sohn im Kinderwagen. Sie rief ihrer Mutter zu, zu warten. Hannes aber fuhr sie an, dass sie nicht warten würden, wenn sie so trödele. Elisabeth versuchte alles, um Schritt zu halten, aber sie war zu diesem Zeitpunkt erst 7 und so waren die langen, schnellen Schritte Hannes' und ihrer Mutter für sie unerreichbar. Auch Hannes Frau Sabine war mit ihren eigenen Kindern beschäftigt und niemandem fiel es auf, als Elisabeth nicht länger bei ihnen war. Man kämpfte sich durch die anderen Flüchtenden und eilte einfach weiter. Als Elisabeths Mutter gewahr wurde, dass sie ihre Tochter verloren hatte, wollte sie umkehren, nach ihr Suchen, Hannes jedoch hielt sie zurück, deutete auf Lothar und Holger und fragte, ob sie riskieren wolle, diese beiden Kinder auch noch zu verlieren. Ein letztes Mal rief sie den Namen ihrer Tochter, bis sie sich für immer von ihr abwandte. Den Schmerz über den Verlust Elisabeths behielt sie für sich und erzählte niemals jemandem über sie, wenn man sie fragte, aber manchmal geschah es, dass sie unachtsam war und von Elisabeth, ihrer geliebten Tochter, sprach. Lothar würde mit dem Schatten seiner Schwester aufwachsen ohne jemals konkret etwas zu erfahren, außer, dass sie im Krieg verschwunden ist.

Elisabeth blieb stehen als der Strom der Flüchtlinge abbrach. Sie rief nach ihrer Mutter, aber sie bekam keine Antwort. Mit Tränen in den Augen lief sie weiter, immer weiter, gerade aus. Als sie schließlich die Stadt hinter sich gelassen hatte, ging sie langsamer. Sie verließ die Straße und ging durch den Wald. Sie fühlte sich beobachtet, aber sie kannte den Wald zu gut, um sich zu fürchten Sie ging zielstrebig zu einem Baum auf einer kleinen Lichtung. Er stand höher als die anderen, auf einem kleinen Hügel. Dort setzte sie sich für einen Augenblick auf seine starken Äste und weinte. Aber da es nichts half, zog sie weiter, durch den Wald mit ihrem Köfferchen.

So ging sie von Tag zu Tag, fast eine Woche lange. Hunger quälte sie, die Kälte schien sie aufzufressen und die Einsamkeit drohte sie zu ersticken. Als sie schließlich dachte, sie könne nicht mehr weiter gehen, rollte sie sich im Wald zusammen, legte sich zwischen die Wurzeln einer alten Eiche und umarmte ihren kleinen Bären. So lag sie dort und wurde von einem britischen Soldaten gefunden. Er sah das Mädchen, zitternd und dreckig zwischen den Wurzeln und näherte sich. Er sprach die Feindessprache und, welch Überraschung Deutsch. Elisabeth warf sich ihm in die Arme und weinte. Sie sagte kein Wort und er trug sie fort aus dem Wald zu seiner Einheit. Dort war man verwirrt, erbost, ungläubig, erleichtert, froh, all das. Aber man hinterfragte seinen Offizier und Befehlshaber nicht. Sie wollten das Kind zu einem Waisenhaus bringen. Doch auf dem Weg dorthin entschied er anders. Das Kind, das er gefunden hatte, lernte schneller als er schauen konnte die englische Sprache und so keimte Hoffnung in ihm, dass er sie vielleicht adoptieren könne und als sein eigen Kind aufziehen. Seine Frau und er hatten vergeblich versucht, Kinder zu bekommen und seine Frau war untröstlich.

Nach Ende des Krieges also kehrte Jonathan Evans und die kleine Elisabeth, die sich stets nur als Lia bezeichnete, nach England zurück. Dort wurde sie zu Thalaya, kurz Lia, Evans. Sie wuchs behütet auf, sie hatte eine glückliche Kindheit und Jugend, ging zur Schule, lernte schnell und machte eine Ausbildung zur Tierpflegerin. Doch kaum da sie ihr 20. Lebensjahr erreicht hatte, schlug das Schicksal wieder zu. Ihre Adoptiveltern starben im Urlaub. Erneut ihrer Wurzeln beraubt, verkaufte Thalaya all ihre Besitz in England, kündigte ihren Beruf und machte sich auf den Weg zurück nach Deutschland. Sie hoffte, ihre Familie wiederfinden zu können. So reiste sie nach Eisenach und erreichte schließlich ihr Elternhaus. Sie fand es verlassen vor. Alles war, wie sie es kannte, nur trauriger, da leer. Sie sah sich das Klingelschild an, es war verblichen, aber der Name war noch zu erkennen. Weber. Sie strich den Türrahmen entlang und weinte bitterlich. Wo sollte sie nun suchen? Sie wusste nicht, wohin ihre Mutter geflohen war im Krieg. Was war mit ihren beiden Brüdern? Lebten sie noch? Hatte ihr Vater den Krieg überlebt und war er heimgekehrt? Sie waren nicht hier. Niemand war hier.

Sie wandte sich ab, als das alte Haus ihre keine Antwort gab. Sie ging die Straßen entlang, bekannt und doch fremd und erreichte, unbewusst, schließlich den Friedhof. Dort ging sie zur Familiengruft.

Sie fand ohne Probleme das Grab ihrer Großeltern und Urgroßeltern, daneben waren zwei weitere, jüngere. Bernd Matthias Weber, ihr Vater. Er war 6 Jahre nach Kriegsende bei seiner Familie gestorben. Und das Grab eines Kindes. Gabriele Irmgard Elisabeth Weber. Das Mädchen war nur 7 Jahre alt geworden. Aber die Gräber ihrer beiden Brüder fehlten und auch das ihrer Mutter. Noch gab es also Hoffnung und sie waren nach Eisenach zurückgekehrt. Sie würde nicht aufgeben, nach ihnen zu suchen. Sie kaufte eine weiße Lilie und legte sie am Tag ihrer Rückkehr auf Gabrieles Grab. Das sollte sie jedes Jahr wiederholen. Jedes Jahr, am Tag ihrer Rückkehr nach Eisenach würde sie eine weiße Lilie auf Gabrieles Grab legen.

Doch nun, da die Sonne langsam unterging, zog es sie zu einem weiteren Ort. Ihr Heiligtum, ihr Rückzugsort im Wald.

In jener Nach starb Elisabeth und Lia betrat die Welt.

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