Hausarrest

Kurzprosa

von  uwesch

Dieser Text ist Teil der Serie  PHASEN DES LEBENS (Prosa)

Als ich mir das erste Mal begegnete (1948), war ich fünf Jahre alt und verliebte mich in Anne, die gleichaltrige Tochter eines Fischers und einer Hausfrau. Sie wohnte wie ich in der Pilkentafel, einer kleinen steilen Gasse in der Flensburger Altstadt im alten Fischerviertel auf der Ostseite der Förde. Seitdem spielten wir oft zusammen. Es war wenige Jahre nach dem Krieg. Eines Tages kam sie freudestrahlend zu mir und sagte:

„Du, ich habe 50 DM von meiner Mutter bekommen. Wollen wir uns dafür Spielzeug kaufen?“
Ich war hellauf begeistert. Wir gingen Hand in Hand den langen Weg die St. Jürgen Straße hinunter zum nächstgelegenen Spielzeugladen in der Kurzen Straße. Ihren festen, sehr zielsicheren Griff fühle ich noch heute, anders als bei jeder anderen, die ich später an die Hand nahm. Wir kauften alles was uns von dem alten Verkäufer empfohlen wurde.

Es hatte böse Folgen für Anne. Sie sagte mir nicht, dass sie das Geld von ihrer Mutter gestohlen hatte. Wir mussten die Sachen, die noch verpackt waren, wieder zurückbringen. Als Strafe bekam sie einen Monat Hausarrest und ich durfte sie lange nicht besuchen, worunter ich sehr gelitten habe.



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Kommentare zu diesem Text


 harzgebirgler (21.04.23, 09:50)
die dm gab's ab juni in dem jahr
die dann allein'ges zahlungsmittel war.
(währungsreform 1948)
lg vom harzer

 uwesch meinte dazu am 21.04.23 um 11:10:
Ja ab Juni 48. Die Situation fand nicht sofort nach dem Verlieben statt - wohl Herbst 48, kann aber auch 49 gewesen sein. Aber es waren tatsächlich 50 DM.
Das Mädel fuhr im Winter mit mir Schlitten die steile Wohngasse hinunter. Bei mir fühlte sie sich sicher, weil ich die scharfe und glatt gefahrene Kurve gekonnt nahm. Viele Kinder landeten an der Hauswand.
Dank Dir für Kommi und E. LG Uwe

 Regina (21.04.23, 10:09)
Die erste Geliebte gleich ne Schlampe. Und am Ende Asyl in BaWü.

 uwesch antwortete darauf am 21.04.23 um 11:12:
:) Ich hab sie ja nicht geheiratet :) 
Dank für Deine Empfehlung und LG Uwe

 Dieter_Rotmund (21.04.23, 12:25)
Zu hastig. Eher ein Exposé für eine Kurzgeschichte, eine Szene ist es ebenfalls nicht, eher mehrere Szenen.

 uwesch schrieb daraufhin am 21.04.23 um 13:11:
O.K. es sind zwei Szenen. Habe es in Kurzprosa umgewandelt. Deine Kommentare laufen fast immer darauf hinaus, dass meine Texte zu hastig erzählt sind. Auch bei Anderen machst Du das. Manchmal steht dahinter aber auch eine VERDICHTUNG.  Ich werde doch nicht zu jedem Thema, das mir vorschwebt, gleich eine Erzählung oder gar einen Roman schreiben.
Wir sind hier in einem Literaturforum, in dem Jede*r seine Ideen kreieren kann. Wenn dann jemand daraus einen Roman entwickelt, kann er/sie das ja tun. Dahinter steht bei mir i.d.R. eine induktive Entwicklungsweise.
Bei der Entwicklung längerer Texte bis hin zu einem Roman wird man eher zunächst ein deduktives Konzept entwickeln und dann die Bausteine dazu schreiben.
Doch ohne Verlagsvertrag wäre das dann doch wohl ziemlich aufwendig und uninteressant für den/die AutorIn.
Ich werde auch weiterhin kleine Texte und ab und an mal was Längeres schreiben.

Antwort geändert am 21.04.2023 um 13:16 Uhr

Antwort geändert am 21.04.2023 um 13:17 Uhr
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