Sonntagsbesuch beim Vater

Szene

von  uwesch

Dieser Text ist Teil der Serie  PHASEN DES LEBENS (Prosa)

Er verwendete Ausdrücke der Zuneigung für die verstorbene Mutter, die selbst das Wort Liebe nicht ausschlossen. Das war für seine drei Kinder ein regelrechter Schock und so seltsam, als hätte er das Wort “ficken“ in einer Mail benutzt. Sie hatten die Beziehung ihrer Eltern eher als von Hass geprägt empfunden.
Darüber hinaus war es ein Gespräch, das er ohne weiteres auch mit sich selbst hätte führen können. Doch offenbar brauchte der alte Vater zwischen den anfallartigen Wiederholungen derselben Fakten, Zahlen und Geschehnisse ein gelegentliches Kopfnicken seiner Kinder. Die hatten nach einer Stunde vor lauter Langeweile immer mehr Mühe, ein Gähnen zu unterdrücken. Endlich meinte seine Tochter: „Nun Vater, ich muss jetzt los, meinen Sohn bei seinem Vater abholen.“
Die beiden Brüder nickten und sagten, dass sie auch noch wichtige Dinge für die morgen beginnende Woche zu erledigen hätten.
Alle Drei standen fast gleichzeitig auf und strebten zur Haustür. Vater erhob sich mühsam und alle verabschiedeten sich mit Handschlag.
„Kommt bald mal wieder rum“, rief Vater noch hinter ihnen her.
„Ja Vater, machen wir."



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Kommentare zu diesem Text


 AchterZwerg (24.04.23, 07:50)
Beziehungsunfähigkeit lässt sich in der Tat über mehrere Generationen beobachten. Sie scheint gleichsam ansteckend zu sein ...

LG, der8.

 uwesch meinte dazu am 24.04.23 um 12:21:
Da ist wohl was dran - es wird ja vorgelebt. Dank auch für Deine Empfehlung und LG Uwe

 harzgebirgler (24.04.23, 11:08)
wir haben zwar die sprache doch gespräche
sind kaum so als ob wer mit schweigen bräche. lg vom harzer

 uwesch antwortete darauf am 24.04.23 um 12:22:
Das ist wohl so. Dank Dir auch für Deine Empfehlung und LG Uwe
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