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Monolog zum Thema Jugend


von Nachtpoet

Die Neuen, die zu uns kommen, gesund und hoffnungswarm, werden gleich fixiert an die Intensivstation unserer Zeit. Die kalten Schläuche gestopft in die Kinderkehlen
und Atemröhren. Schläuche an Handyzwang, Fersehhypnose, Computerpuls, liegen sie da, machen Erfahrungen im Zweikampf, im Handel, bei der Partnersuche, spielen Gott, laden Freunde ein, heiraten, werden verletzt, weinen, lachen, schauen aufs Meer, wandern durch Wälder und Nachtstraßen.

Alles in der Kopfzwinge einer zweidimensionalen Glasscheibe, statisch bunt. Manche Erwachsene wiederholen:"Sie können doch jederzeit draußen spielen wenn sie
wollen." Aber wer wird Erde Gras Regen riechen wollen,
der nicht weiß, das es Geruch hat ? Wer bequemt sich den
ganzen Tag auf Wiesen, in Scheunen, in Gassen zu toben,
der nicht weiß, das gerade darin die Entspannung liegt?

Und wenn eines dieser Kinder die seltene Kraft aufbringt,
sich die Schläuche aus der Kehle zu ziehen und aufzu-
stehen, dann fühlt es sich leer und verstört, wie ein
altes Zootier, das in die fremde Freiheit plumpst.

Dann will es nur noch schlafen. Nur die brodelnde Wut
über etwas, das sich nicht zu erkennen gibt, rafft es
auf zum letzten Akt. Dann stellt der Geborene die Frage
in der Schule, mit der Waffe in der Hand. Mit der Waffe,
die die Erwachsenen besorgten, damit man damit keinen
Unfug macht.

Danach nimmt das Denken der Meisten wieder eine Ab-
kürzung, um zur schnellstmöglichen Normalität zurück
zu kehren. Eine Normalität, die eben durch diesen
Amoklauf Lügen gestraft wurde. "Gewaltverheerlichende
Computerspiele müssen verboten werden". Macht billiges
Alibi die Runde. Computerspiele, die die Erwachsenen
herstellen, damit diese von Kindern fern bleiben.
Während sich ihre eigenen Kinder vielleicht gerade
selbst aufklären, bei den geilen Schlampen, die alles
machen, unter 0190, und so weiter...

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