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Leopold und der Wolf.

Märchen zum Thema Veränderung


von Dieter Wal


Leopold war ein liebes Kind. Er lebte als Siebenjähriger mit seiner Mutter glücklich und zufrieden in einer kleinen Stadt. Eines Tages begegnete er einem Wolf. Seine Mutter hatte ihn sorgfältig auf die Widrigkeiten des Lebens vorbereitet und ihm eingeschärft, dass Wölfe, auch wenn sie nett wirken, böse sind. Er sollte sich unter keinen Umständen mit ihnen einlassen. Genauso wenig konnte sich Leopold mit Rotkäppchen anfreunden, denn Rotkäppchen war ein Mädchen, Leopold jedoch ein Junge.

Der Wolf sagte: "Bitte spiel mit mir! Auch ich habe keine weiteren Freunde. Fühle mich als einsamer Wolf völlig isoliert. Niemand spielt mit mir. Keiner will sich von mir fressen lassen. Dabei töte ich schmerzlos, schnell und leise. Ich hinterlasse nichts Unaufgezehrtes. Ja ich tröste zuguterletzt die Witwen und Waisen. Ich will spielen. Dich würde ich niemals ernsthaft als Speise in Erwägung ziehen."

Der kleine Leopold hatte nicht nur die Märchen seiner Mutter wiederholt gehört, sondern auch gern und oft Trickfilme gesehen: "Bernhard und Bianca" - das Dreamteam der Mäusepolizei. "Oh wie schön ist PANAMA". "Ice Age 1 bis 5" und "Findet Nemo". So wusste er, dass Haie Kumpel sind, die keine Fische fressen, weil sie sich untereinander verbündet hatten, um sich von ihrer beschämenden Sucht nach frischen Fischen zu befreien.

Neuderdings war "Mein Freund, der Delfin" sein absoluter Lieblingsfilm.

Unglückseligerweise war Leopold dem Wolf gegenüber vollkommen arglos. Als er noch fünf war, hatte er sich am liebsten vorgestellt, ein Wolf zu sein. Deshalb glaubte er, es mit jedem Wolf spielend aufnehmen zu können. Und daher fraß der Wolf ihn sogleich, worauf der sich blitzschnell bekreuzigte, Gott ein "Sorry!" zuflüsterte und ein nachträgliches Mittagsgebet murmelte. Nichts blieb vom armen Leopold zurück. Niemand hat ihn je wieder gesehen.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Laudalaudabimini (59) (07.11.2013)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Dieter Wal meinte dazu am 07.11.2013:
Wie wahr. Wie könnten wir dem Märchen eine glückliche Wendung geben?
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EkkehartMittelberg
Kommentar von EkkehartMittelberg (07.11.2013)
Sehr gelungen. (Ich werde später sagen warum, ach die liebe Zeit.....)
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Dieter Wal antwortete darauf am 07.11.2013:
Danke. Ich freu mich darauf.
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EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 07.11.2013:
Dieses realistische Märchenen endet grausam. Dennoch wirkt es leicht auf mich, weil es so moralinfrei daher kommt. Der kleine Leopold kann aus seiner durch die Filme gestützten Vertrauensnatur (verständnislos) nicht heraus, der Wolf nicht aus seiner Wolfsnatur. Er ist so herrlich mephistophelisch. Ein Gebet kostet ja schließlich nichts.
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Dieter Wal äußerte darauf am 23.11.2013:
Danke sehr für deinen tiefsinnigen und mittig bolzenden Kommentar, Ritter in strahlender Rüstung. Der betont böse Wolf der Erzählung kommt ursprünglich sicher auch aus Faust, den ich auswendig in F. 1 rezitiere, viel mehr kommt er von Rollenspielen mit Julie, unserer jetzt fünfjährgien Tochter, die Rotkäppchen-Rollenspiele mit ihrem Papa veranstaltet. In wechselnden Rollen. Ihr gelingt die Schlange in frei improvisierten Geschichten so böse zischend, dass selbst ich davon schon Albträume bekam. Ich erzog sie, vor nichts und niemand Angst zu haben, weil ich wirklich Himmel und Hölle in Bewegung setzte, dass sie immer in Sicherheit bleibt. Sie ist mein Kind. Ich würde abolut alles für sie tun. Alles.
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AZU20
Kommentar von AZU20 (07.11.2013)
Mir hat es vor allem das bigotte Ende angetan. LG
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Dieter Wal ergänzte dazu am 07.11.2013:
Das von dir freut mich besonders. Danke.
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Kommentar von Sanchina (14.01.2014)
Wer den Wolf "böse" findet, bloß weil er frisst, sollte mal über das eigene Ernährungsverhalten nachdenken ...
Ich hab "bissig" angeklickt - kleiner Scherz ))
Gruß, Barbara
(Kommentar korrigiert am 14.01.2014)
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Dieter Wal meinte dazu am 14.01.2014:
Danke. Du solltest unbedingt Christian Kachts Roman 'Imperium' 2012 lesen. Er handelt von Utopisten, die sich auf einer best. Südseeinsel nur von Kokosnüssen ernähren.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (12.10.2019)
Zwei Fehler in
Ja ich tröste zuguterletzt die Witwen und Waisen.
korrekt ist ->
Ja, ich tröste zu guter Letzt die Witwen und Waisen.
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Im Morgengrauen (Eine wahre Gespenstergeschichte)InhaltsverzeichnisMunkulus Furunkulus letzte Freuden
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Mythen, Märchen und Legenden..
Veröffentlicht am 07.11.2013, 27 mal überarbeitet (letzte Änderung am 14.06.2015). Textlänge: 280 Wörter; dieser Text wurde bereits 1.425 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 10.12.2019.
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