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Dokumentarstück zum Thema Chancen


von Lala

Ein Scheiß Laden ist das hier. Fünf Sterne? Nichts als rotziger Müll. Das ist doch kein frisch gewaschener, weißer, fluffiger Frotteemantel. Leute!? In einem frisch duftenden, schneeweißen frotteeweichen Mantel, der sich über meine nackte, weiße Haut schmiegt und vorne lässig zusammengebunden ist, würde ich gerne durch meine einseitig verspiegelten Panoramascheiben auf die unter mir liegende City schauen. Harrend der ersten Sonnenstrahlen. Dazu einen Latte Macchiato, einen duftenden Croissant und Cool-Jazz im Hintergrund. So sollte es sein. Das Wetter für Frühlingsanfang ist dafür auch wie gemalt. Aber hier läuft alles falsch.

Der Mantel? Muffig und fleckig. Croissant, Café, oder auch nur Musik? Alles Fehlanzeige. Das schöne Wetter wird obendrein durch vergilbte Fensterscheiben getrübt. Aber das Ganze hier schimpft sich Waldorf Astoria. Mitten in der City-West von Berlin. Gleich gegenüber vom Bahnhof Zoo. Hätte ich einen Truck, würde ich mit dem in denen ihre scheiß Lobby fahren. Aber sowas von.

Stehe in meiner Waldorf Suite vor der Fensterfront, trinke lauwarmes Taurin aus der Dose, trage einen miefigen Morgenmantel, offen, und kratze mir am Sack. Rasieren müsste ich mich auch mal wieder. Schaue durch die schlierigen Fenster auf die Kaiser Wilhelm Gedächtnis Kirche. Es könnte so schön sein. Richtig schön. Zeit für die Morgentoilette.
Immer dasselbe. Die Spülung funktioniert nicht. Nichts geht hier. DDR 3.0. Deswegen habe ich schon mehrmals das Zimmer wechseln müssen. Kein Scheiß. Wenn der Kasten in meinem Zimmer nicht funktioniert? Tja, dann kacke ich halt auf einer anderen Toilette im Arschtoria. Mir doch egal. Gibt genug Zimmer. Mittlerweile habe ich aber gelernt, dass es wie eine Lotterie ist, ein funktionierendes, wenigstens einmal funktionierendes WC zu finden. Ja, richtig gehört. So ist das. In diesem Drecksloch von Luxus Hotel. Also Leute, wenn ihr jemals im Astoria auf der Schüssel sitzt und kackt, wagt nicht mal dran zu denken, mal eben so zwischendurch eure fünf Sterne Verdauung mit einem zwischenzeitlichen Druck auf den Knopf zu beseitigen. Vielleicht um den Geruch loszuwerden oder nur so zum Spaß, um ein paar Spritzer kühlen Wassers an eurem Sack oder eurer Mumu zu spüren. Macht‘s nicht. Lasst es. Hofft einfach darauf, dass im verfickten Spülkasten genug Wasser ist, um euer neun Pfund schweres Verdauungsergebnis, das ihr euch tags zuvor im Beef Club hineingeschlungen, vorher mit Selfie hochgeladen und über Nacht zu einer endlosen Goldhorn-Wurst verdaut habt, welche sich morgens bei den ersten, warmen Sonnenstrahlen regt und aus eurem Enddarm wieder hinauspressen will und welche euer Schließmuskel bei jedem Ein- und Ausatmen auf der Schüssel, wie ein Metzger zu kompakten Würstchen trennt, hofft drauf, dass ihr euer Verdautes komplett und im Stück herunterspülen könnt. Spült ihr zwischendurch, bleibt die Hälfte liegen. Ich schwöre. Ihr habt selbst im Waldorf nur einen Versuch für euren Morgenschiss.

In diesem fucking fake von fünf Sterne Hotel schaffen die funktionierenden Spülkästen der Toiletten kaum den Inhalt von drei kalt genossenen Ravioli Dosen vom Vortag. Ich weiß das, denn der Beef Club hat schon lange zu. Genauso wie das Frühstücksbuffet. Frisch gebrühter Kaffee vom Barista, frisch gepresster Orangensaft? Bedienung? Wenigstens aufgebackene Brötchen? Meinethalben vom Discounter um die Ecke? Nö. Gibt’s nicht. Auch im Astoria gibt‘s nur noch Selbstbedienung und Selbstverpflegung. So wie in jedem anderen, anonymen, voll abwaschbaren rein-raus Motel auch.

Alles im selben QR Code kontaminierten Kostenminimierungsstil. CheckIn, CheckOut, FuckOff, FuckIn alles mit deinem QR Code. Egal was. Das ist clever. Habe ich auch so angeboten, als ich noch was anzubieten hatte. Denn die sogenannten smart Guys oder Early Adopters?  Das sind Vollhonks. Das sind die, die sich am Simpelsten manipulieren lassen. Die fahren total auf die Botschaft „Sei vorne, warte nicht, mach’s dir selbst, denn du bist smart“ ab. „Implantier dir deinen persönlichen RFID Chip, benutze unsere cleveren Apps, habe die volle Kontrolle und sei smarter als die Anderen. Es gibt nichts, was du mit unserer App nicht auch selbst kannst. Außer dem Job, den du machst, denn du hast natürlich keinen bullshit Job. Also: Warum warten oder anstehen? Lass Deinen Kühlschrank dein Essen bestellen.“ Diese Honks.
Die glauben das wirklich. Flitschen mit ihrem Gegengreifer, ihrem Ausweg aus der Blödheit, ihrem Begreifer, ihrem Daumen auf ihren Touchpads herum, um immer vorne und alpha zu sein und begreifen nichts mehr. Umso mehr glauben sie aber, dass sie Zauberer und keine – in Harry Potter Deutsch gesprochen – Muggels sind. Sie zählen sich zur Wissenselite und sind die besten dressierten Affen, die man sich vorstellen kann. Aber im Gegensatz zu echten Affen, die mit ihrem Daumen nichts begreifen, sondern nur umgreifen können, verblöden diese Honks sich aktiv selbst. Unfassbar. Verkehrte Welt. Zum Glück bin ich nicht so doof. Gehöre im Zeitalter der Smartphones noch zur prähistorischen Zeigefingergeneration.

Wenn mein Spülkasten kaputt ist, dann rufe ich nicht die Hotline an, um zu erfahren, dass mein Smart-WC eine neue Firmware braucht, tummle mich nicht in irgendeinem Checker Forum, schreibe keine hammerharten Reviews oder todos, nö, ich such mir so schnell als geht, ein anderes Klo und kacke da rein. Deswegen schlafe ich auch immer in der Suite, mit der niedrigsten Etagenzahl. Vorzugsweise im ersten Stock und kack mich dann halt Spülkasten für Spülkasten, Zimmer für Zimmer, Etage für Etage hoch.

So wie das Wetter heute am Frühlingsanfang aussieht, werden es heute Nachmittag an die dreißig Grad werden. Angenehm. Taxis oder Ubers fahren ja nicht mehr. Haben die ja alle anscheinend nicht mehr nötig. Die Pisser. Na gut, nehme ich mir halt irgendeine eine Karre, so wie ich das mit meinen Klos auch mache. Stehen genug rum. Lernen durch Schmerz, liebe Leute. Passt halt besser auf. Der Plan ist, dass ich Richtung Wilder Eber, Hohenzollerndamm, Davoser oder Weinheimer Straße fahre. Schauen wir mal. Da geht was. Da war ich noch nicht. Unglaublich, welche Werte einfach noch rumliegen. Bilder und Schmuck in Hülle und Fülle. Unbewacht. Werte ohne Ende. Habe immer schon gesagt, dass der Reichtum auf der Straße liegt. Man muss Chancen wittern und frühzeitig zupacken können. Geschäftsideen entwickeln. Das generiert Wachstum und Wohlstand. Für alle. Das ist ganz simpel. Verstehe gar nicht, warum das nicht mehr machen? In der City West bin ich anscheinend der einzige, der für das nächste große Ding vorsorgt. Soll mir recht sein. Wenn das alle machen würden, wäre es ja auch nichts Besonderes mehr.


Wenn ich heute Nachmittag aus Schmargendorf zurück bin und dann im Supermarkt am Bahnhof Zoo „einkaufen“ gehe, dann werde ich wieder fette Ratten vertreiben müssen. Die Palette mit meinem bevorzugten Taurin Drink haben die Viecher zum Glück noch nicht für sich entdeckt und meine bevorzugten Ravioli stehen auch nicht auf ihrem Plan. Es gibt eben keinen Service mehr, der das für mich tun und diese Dinge für mich beschützen würde. Das ist eben BWL. Alles nur noch Selbstbedienung. Das ist lästig. Aber letztlich ist es auch Teil meines Businessplans.

Wenn alles funktioniert und der Insidertipp stimmt, dass ein holländischer Fond vor fünf Jahren dafür gesorgt hat, genug Schwefel in die Stratosphäre auszubringen, welcher das Sonnenlicht stark genug reflektieren um die Erderwärmung wieder zu stoppen, dann bin ich der, der ganz weit vorne ist und die Trends bestimmen wird. Das kann nicht mehr so lange dauern. Wenn ich schon in meinem halb gelebten Menschleben mehrere Klimawechsel, mal kalt, mal heiß erfahren habe, was soll da schiefgehen? Immer heiß und noch heißer? Trotz Schwefel. Das ist unwahrscheinlich.

Wäre aber gut, wenn der Schwefel bald funktionieren würde. Noch einen Sommer ohne Service und an die fünfzig Grad zwischen Mittag und Abend, würden mich an die Grenze funktionierender Spülkästen am Bahnhof Zoo bringen. Es ist auch kein Spaß, monatelang Tag wie Nacht nur durch dunkle U-Bahn-Schächte zu laufen. Genug Batterien, AA wie AAA, hätte ich zwar gesammelt und im Westen, in Spandau, soll es noch unerschlossene vier Sterne Hotels, Supermärkte und Servicewüsten geben, aber geiler wäre schon, die Schwefel Nummer würde endlich anfangen zu funktionieren.

Wenn ich meinen Businessplan durchhalte, werde ich auf alle anderen pissen können. Es wird wunderbar werden.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Schroedinger (34) (27.01.2019)
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Lala meinte dazu am 27.01.2019:
An Schwaben hätte ich zwar nicht gedacht, eher an Donaldisten, aber so kann man sich täuschen. Oder danebenliegen. Aber wenn sich keiner aufhängen wird, ist ja auch gut.

Edit: Ist jetzt auch nicht ironisch.
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Schroedinger (34) antwortete darauf am 27.01.2019:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Lala schrieb daraufhin am 27.01.2019:
Nicht? Aber wenn nicht, dann nicht. Dann ist halt Kacke.
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Schroedinger (34) äußerte darauf am 27.01.2019:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (28.01.2019)
In einem schnoddrigen, recht überheblichen Ton geschrieben. "Snobs" nannte man früher solche Protagonisten. Nun, ja.
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Lala ergänzte dazu am 29.01.2019:
Ein Haffenloher, aber einer ohne Halt, halt.
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 30.01.2019:
Ach, Kir Royal? Das waren noch Zeiten...
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Lala
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Veröffentlicht am 27.01.2019, 3 mal überarbeitet (letzte Änderung am 28.01.2019). Textlänge: 1.311 Wörter; dieser Text wurde bereits 157 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 01.07.2020.
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