[karminrot.]

Text

von  Elén

Illustration zum Text
[..]
(von Elén)
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.. als ich das erste Aug zur Mitte rückte, fiel mir Nacht auf,
als ich das zweite Aug bewegte, fiel mir Dunkles ein,
als ich den ersten Satz schrieb, gegen die Hand -
ging der letzte Clown zugrunde ..



und weil immer jener, dem der Schlaf nicht einfallen will, mehrspurig zurückgeht, um jäh wieder vorwärts zu gehen, geht er dorthin, wo er gedenkt sich anzufangen. Ein weiter Weg der Erinnerung. Und weil alles Weite, das durchschritten wird, schließlich an einem gewissen Ende ankommen muss und weil jedes Ende sozusagen einen Anfang impliziert, lässt dies den ratlos Rastlosen hoffen. Was einer nicht begreift, - wer am Ende noch gehen kann: ist ohnehin ein hoffnungsloser Fall. –

Augustin,
steigt auf sein Rad: tritt in die Pedale
fährt auf dem Seil vom Kirchturm
zum Mond: summt

ein Lied. Und ein Lied fällt von irgendwo her in die Stadt mit September, fällt auf eine faltenlose Stirn, die einem Verrückten gehört, der sich gerade anschickt, der sich erlaubt blind zu sein, taub und bestimmt für seine Zeit; der den Begriff der menschlichen Konsequenz erfasst hat und voraussieht, welche Rolle man ihm zuschreiben wird. Er klemmt den Herbst, den weinroten Schirm und seinen Aktenkoffer unter die Achsel, greift mit der Hand den Mantel, hebt ihn an, steigt aufs Trittbrett, verschwindet in einem dumpfen Schlag Menschen, die keiner braucht, außer dem, der sich den vermeintlichen Sinn noch nicht abgewöhnt hat und unentwegt versucht ist, sich um seinetwillen über der Welt zu gestalten:

wer den Identitätsbegriff annimmt,
ist ohnehin ein armer Hund –

der Traumlose hat noch einmal seine Nacht besternt und so wird er nun den unheilvollen Himmel nicht mehr los. Er hat an der übelsten Stelle die Welt aufgerissen, ein fernes Gestirn leuchtet seine Scham aus und wie weiß er wohl, dass nichts mehr beschämt, als das Nichtgeschehene. Und über dem Nichtgeschehenen geht der Morgen rot unter und über dem Nichtgeschehenen geht der Abend blass auf und:

die Welt ist still
und verraten;

so hat der Verrückte nun endlich seine Krankheit, sein öffentlich anerkanntes Gebrechen für sich erfunden, das ihm taube Ohren macht und blinde Augen, so hat er sich legitimiert worüber er denn bescheid weiß. Und er weiß auch, dass ihn kein Schicksal mehr groß machen wird, so er die Welt nicht bespricht, die Welt nicht belauscht. Sein türloser Mund: schweigt, die Stadt ist ein Rauschen, der Herbst in Wälder geschnitzt, ein Turm, ein Dach, ein Tod in gestärkten Krägen -


Augustin,

bleibt stehen, um trotzdem zu leiden;
er wirft das Rad vom Mond in den Fluss
er nimmt die Schere und schneidet sein Haar,
es fällt hinauf: karminrot -

und wenn der Mensch aus den Fugen gerät und dennoch seine Vernunft beherrscht, beginnt er zu starren. Und weil dem Schlaflosen die Ahnung vorausgeht, - und sie geht ihm immer voraus, - und weil der Mensch seine Ausweglosigkeit begreift, beginnt ihn der Traum zu ermüden und weil der Ausweglose ein sturer Hund ist: schläft er nicht!


Lichterloh brennt der Clown
in den Händen des Wahnsinns,

summt: ein Totenlied.






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Kommentare zu diesem Text


 beneelim (05.10.07)
es tanzen die chiffren um das geschehenslose: betörend und ohne perspektive
Francisco_Wilando (54)
(05.10.07)
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LudwigJanssen (54)
(10.10.07)
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 warmeseele01 (13.10.07)
So wird's wohl gehen. Klasse Text. Lg; Der Tom
mmazzurro (56)
(19.10.07)
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mmazzurro (56) meinte dazu am 19.10.07:
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