CHINA damals (F.Verdier) und heute (Bergmanns Kolumne)

Text

von  idioma

Illustration zum Text
(von idioma)
Ich bin schockiert über Bergmanns Zeilen über die chinesische Universität :
http://www.keinverlag.de/kolumne.php?blog=2414&bid=478
ZITAT :  >>>
"Sie wohnt seit diesem Semester in einem Zimmer für vier Studenten – vorher waren sie sechs. Das Wohnen kostet nun 400 Yuan mehr als bisher, rund 1000 Yuan im Jahr. Das ist billig. Die über 10.000 Studenten auf dem Laoshan-Campus wohnen sehr beengt, sie haben kein eigenes Badezimmer, keine Küche. (...)
Das Wohnareal ist von einem Dorf in unmittelbarer Nähe abgegrenzt durch eine Mauer mit einem hohen Zaun und elektrischen Stromdrähten. Die Bauern betreiben auf dem Campusgelände Stände mit allerlei Nahrung, Obst und Gemüse. Die studentischen Wohnanlagen werden am Eingang bewacht, der am späten Abend geschlossen wird. Ausgang in der Nacht muss beantragt werden. Um ein wenig Privatsphäre zu bekommen, hängen fast alle Studentinnen eine Gardine vors Bett und können sich dahinter unbefangener umziehen. Allerdings ist das offiziell verboten. Proteste der Studenten wurden von der Universität zurückgewiesen. Die Hausmeisterin meint, das Private schade der Freundschaft, sie lässt jeden Montag die Stuben durch Mitstudenten prüfen und benoten, erzählt Zhang Huayu ... Noch Internat oder schon Kaserne? " <<<

Ich bin schockiert, dass sich seit den 80er Jahren nicht wirklich sehr viel verändert hat. Was Fabienne Verdier in ihrer berühmten Autobiographie von ihrem damaligen Leben im kommunistischen Universitätscampus erzählt, ist allerdings haarsträubend :

FABIENNE VERDIER
"ZEICHEN DER STILLE"
Hier ist das Buch  beschrieben :
http://spuren.ch/content/edition-spuren/single-ansicht-edition/datum////zeichen-der-stille.html
>>> ZITAT der Beschreibung bei "bücher.de" :
"Fabienne Verdier ist gerade zwanzig Jahre alt, als sie aufbricht zum Abenteuer ihres Lebens: 1983 fliegt die französische Kunststudentin allein nach China. Wider alle Vernunft hat sich die junge Malerin in den Kopf gesetzt, im Land der Mitte die traditionsreiche Kunst der Kalligrafie zu erlernen. Als erste ausländische Studentin wird sie an der Kunsthochschule von Chongqing empfangen. Doch der Bildungsbetrieb, den sie in tiefer Provinz vorfindet, entspricht in keiner Weise den hohen Vorstellungen von chinesischer Kultur, die sie aus der Ferne beflügelt haben. Kunst heißt im China der achtziger Jahre "sozialistischer Realismus", die verwegendsten ihrer Kommilitonen wagen sich an Kopien kubistischer Malerei. Es dauert lange, bis Fabienne Verdier zum ersten Mal von der Existenz eines noch lebenden Meisters der Kalligrafie erfährt, und es dauert Monate, bis sie diesen alten, zunächst abweisenden, grantigen Mann davon überzeugt hat, sie als Schülerin anzunehmen."<<<

Der Meister lehnt es zunächst ab, sie zu unterrichten.
Viele Monate lang legt sie jede Woche ihre privaten Kalligrafieübungen vor seine Wohnungstüre. Eines Tages öffnet er seine Tür, bittet sie herein und blättert stumm in ihren zahllos gesammelten Schreibübungen. Dann sagt er : Entweder Sie verpflichten sich zu 10 Jahren Unterricht oder wir fangen erst gar nicht an damit. Entweder 10 Jahre oder gar nicht.
Fabienne Verdier entscheidet sofort ohne Zögern über die kommenden 10 Jahre.
Die legendären Forderungen und Prüfungen asiatischer Schwertkampf-Meister gibt es also nicht nur in Spielfilmen, sondern wirklich in Wirklichkeit.....

>>> ZITAT " So beginnen Lehrjahre einer intensiven inneren und äußeren Schulung. Die Schülerin lernt beim Meister, Striche und Zeichen zu lesen. Sie taucht ein in das Wesen einer Jahrtausende alten Kultur, und sie begegnet deren letzten lebenden Repräsentanten...."<<<

Einem dieser Meister waren von der KP die Hände gewaltsam verstümmelt worden... er unterrichtete sie in der Kunst, die traditionellen Signaturstempel aus Stein herzustellen.
Ihre Entscheidung, 10 Jahre zu bleiben, hätte sie fast das Leben gekostet, denn sie litt an chronischer Unterernährung und infizierte sich mit einer Hepatitis.

>>> ZITAT " Heute lebt Fabienne Verdier als anerkannte Künstlerin in Frankreich bzw. Lausanne. Ihre großformatigen kalligrafischen Gemälde, die Tradition und Moderne verbinden, strahlen große innere Kraft aus und sind begehrte Raritäten auf dem internationalen Kunstmarkt. Zeichen der Stille ("Passagère du Silence"), der autobiografische Bericht über ihre Jahre in China, hat sich in Frankreich bereits über 120'000 fach verkauft."<<<

UNBEDINGT LESENSWERT !
TOTAL SPANNEND VON A BIS Z  !
idioma


Anmerkung von idioma:

Die Karte wünscht " gute Zusammenarbeit in diesem Jahr des Schafes". Die Form des Schafkopfs ist von einer Bronzearbeit von 800 v.Chr. angeregt

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Kommentare zu diesem Text

MarieT (58)
(05.07.15)
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 idioma meinte dazu am 05.07.15:
>>>
Danke MarieT für Dein Interesse, Deine Empfehlung und Deine Ermutigung, eine eigne Rezension zu schreiben !
Es ist sowieso erstaunlich, dass ich nicht schon längst ermahnt wurde, diese Buchempfehlung hier zu entfernen und in die Abteilung der Les-und Hörempfehlungen zu verschieben.
Ich wollte den offiziellen Texten wirklich nur noch ein paar Details aus eigener Erinnerung zufügen.
Aber keine noch so ausführliche Rezension würde die Lektüre des Buchs ersetzen....
wie die Lektüre des Buchs eigene Kalligrafieübungen bei einem/er
Meister/in nicht ersetzen kann.....

Sicherlich gehört das Buch inzwischen schon zu den Beständen öffentlicher Bibliotheken.
Auch an franky herzlichen Dank fürs Empfehlen !
idioma
(Antwort korrigiert am 05.07.2015)
MarieT (58) antwortete darauf am 05.07.15:
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 W-M schrieb daraufhin am 12.11.17:
unter deinem angegebenen link wurde ich nicht richtig fündig bei bergmann, kannst du ihn bitte aktualisieren, bevor ich mich versuche, danke?! lg, werner

 idioma äußerte darauf am 13.11.17:
Ja , der Kolumnentext von Bergmann, auf den sich mein Text bezieht, ist leider entfernt und ich finde in seiner Kolumnenliste überhaupt keine Texte über China mehr
Bergmann war Gastprofessor an einer chinesischen Uni und hat in mehreren Postings sehr interessant darüber berichtet..........
Du hast gewiss den besseren Draht zu ihm und kannst ihn vielleicht direkt nach seinen Berichten über China fragen, bestimmt wird er sich freun über Dein Interesse.
idi
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