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KeineGedanken

Was macht dir (keine) Gedanken?


Die Kolumne des Teams "keineGedanken"



Sa., 15. Februar
Bisher 41x aufgerufen


Form > Inhalt?

von BLACKHEART


Seit über vier Jahren bin ich als Poetry Slamer unter dem Namen  Richie Minus Eins im deutschsprachigen Raum unterwegs. Nach einigen stilistischen Experimenten habe ich mich inzwischen auf gesellschafts- und sozialkritische Lyrik eingeschossen. Meist im Paarreim-Schema, allerdings ohne auf Versmaß oder andere Einschränkungen zu achten. Das ist für mich das Schöne und Reizvolle an dieser Art von Texten: Man ist nicht an starre Vorgaben gebunden, sondern kann frei schreiben. Dachte ich zumindest.
Denn es gibt in dieser ach so offenen und toleranten Szene leider einige Menschen, die der (in meinen Augen völlig antiquierten) Meinung folgen, dass paargereimte Lyrik keine ernsten Inhalte haben dürfe, sondern durch die Form ausschließlich für heitere Inhalte herhalten darf.
Da stellt sich mir doch die Frage, was wichtiger ist? Die Form oder der Inhalt?
Diese Frage kann ich für mich ganz klar mit „Inhalt!“ beantworten. Eine Ansicht, die manche nicht teilen können oder wollen. Wobei ich mich frage, wieso? Wie können Menschen in einer so progressiven und offenen Szene bei diesem Thema solch eine konservative Haltung haben?
FELIX RÖMER, einer der erfolgreichsten Poetry Slamer und ein echtes Urgestein der Szene, hat mal folgenden schönen Satz gesagt: „Poetry Slam ist Rock'n'Roll für Unmusikalische.“
Ein Ausspruch, den ich immer sehr treffend fand. Denn Rock'n'Roll bedeutet Rebellion, die Überwindung des alten, spießigen Klischees. Auf die Poesie bezogen: Weg von den Wasserglaslesungen, hin zu performativen Vorträgen. Im Wettbewerb. BAM! Das ist Rebellion.
Oder war es mal.
Denn einige Denkweisen sind leider immer noch die alten. Als ob man Wein nicht auch aus einem Bierglas trinken könnte. Denn der Inhalt des Glases ist ja wichtig, nicht was für ein Glas es ist.
So sehe ich es auch mit meinen Texten. Im konkreten Fall geht es um meinen Text  “Auschwitz, Eindrücke“, den ich letztens mal wieder vortrug. Einer der anderen Teilnehmenden war gleichzeitig auch Veranstalter eines eigenen Slams, bei dem ich einige Zeit später auch auftreten sollte. Am Tag nachdem ich also meinen Text vorgetragen hatte (und damit fast ins Finale gekommen wäre), bekam ich eine Nachricht von diesem Veranstalter, in der er sich darüber echauffierte, dass ich das Thema "Auschwitz“ in dieser Form vorgetragen hätte. Das ginge doch nicht, und so weiter, und so fort. Schlussendlich hat er mich für seinen Slam ausgeladen.
Ich war erst einmal irritiert. Dann dämmerte es mir, dass diese Person immer noch in den veralteten Mustern denkt.
Paarreime dürfen ja keine ernsten Inhalte haben. Bullshit!
Meiner Erfahrung nach ist dieses lyrische Format sogar besser dazu geeignet, den Menschen solche Inhalte von der Bühne aus zu vermitteln. Hätte ich einfach einen prosaischen Text über das, was ich dort in Auschwitz gesehen und gefühlt habe, geschrieben, würde das Publikum nach spätestens einer Minute geistig abschalten. Frei nach dem Motto „Schon tausendmal gehört.“
Durch das Reimschema bleiben sie aber bei der Sache und hören bis zum Schluss aufmerksam zu. Was gerade beim Poetry Slam besonders wichtig ist und mir (auch und gerade für diesen Text) schon häufig gute Noten eingebracht hat.
Allerdings auch immer wieder Kritik von Menschen aus der Szene.
Aber ich lasse mich nicht beirren. Den Beinamen “Poetry Slayer“ hab ich mir schließlich nicht umsonst gegeben. SLAYER waren eine Band, die kompromisslos ihr Ding durchgezogen hat, und denen es egal war, was andere von ihnen denken. Die eine Vision von dem hatten, was sie machen und wer sie sein wollen. Die den rebellischen Geist des Rock'n'Roll durch und durch gelebt und auf ihre Szene übertragen haben. Und die vielleicht nie die großen Charterfolge hatten, weil ihre Musik zu extrem für den Mainstream war. Aber dafür hatten sie Kultstatus und viele andere wurden von ihnen inspiriert.
SLAYER haben sich inzwischen aufgelöst, aber ihr Spirit lebt weiter und wird durch Menschen wie mich auch weiter verkörpert werden. Und wenn meine Art zu schreiben, zu reimen und zu performen dereinst eine neue Generation von Bühnenpoet*innen beeinflusst, dann habe ich zumindest auf lange Distanz etwas erreicht.
Aber auch so werde ich das, was ich mache auch weiterhin so machen, wie ich es für richtig halte. Das ist für mich die Definition von Poetry Slam. Rock'n'Roll für Unmusikalische und Rebellion gegen antiquierte Ansichten darüber, was man wie zu schreiben hat.

In diesem Sinne:

Macht euch (keine) Gedanken.


euer BLACKHEART


 
 

Kommentare zu diesem Teamkolumnenbeitrag


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (20.02.2020)
Form kommt in der Tat zuerst, dann der Inhalt. Der Vergleich mit dem Wein ist nett, hinkt aber nicht nur, sondern ist gehunfähig.

Aber auf einem Poetry Slam derartig hohe moralische und handwerkliche Standards zu fordern ist natürlich albern.
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