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Genre des Tages, 20.09.2019:
Gesetz
Für alle Angehörigen eines Gemeinwesens geltende Norm, die Gebote und Verbote aufstellt, um das Zusammenleben zu regeln.
... und was wir daraus machen:

Ziemlich neu:  Antiproporthologisch von Oreste (27.02.19)
Recht lang:  Parteiengesetz von Aipotu, 1. Abschnitt von Dart (483 Worte)
Wenig kommentiert:  11. Gesetzeserlass von Aipotu von Dart (noch gar keine Kommentare)
Selten gelesen:  Das Gesetz der Zahl von eiskimo (nur 107 Aufrufe)
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Unter dunklen Schwingen
von Mondsichel
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Inhaltsverzeichnis01 – Drei Wahlhelfer und ein Goldfisch

00 - Drei Pilotfilme und ein Goldfisch

Schauspiel zum Thema Humor


von Dart

00 – Drei Pilotfilme und ein Goldfisch [Pilot]

Personen und Farbcodierung:

Alpha
Beta
Gamma
Delta
Epsilon
+Gruppe/Komparsen

Schnitt zu einem Tisch, an dem ein Ansager sitzt, dunkler Hintergrund.
ANSAGER:
Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße sie herzlich zu dieser neuen Sendung, die nun im Moment von ihnen gesehen wird und die ich in meiner unterbezahlten Funktion als Ansager genau im selben Moment, also in dem Augenblick, wo sie diese Sendung in ihrem Fernsehgerät betrachten, versuche anzumoderieren. Doch das werde ich auf gar keinen Fall tun! Warum, fragen sie sich? Weil ich hier einen sehr wichtigen Job mache und dafür einfach viel zu wenig Geld bekomme. Ja, sie haben es schon richtig verstanden – ab sofort treten die Fernsehansager in den Streik!
[Er verschränkt die Arme vor der Brust, im Hintergrund taucht eine Gruppe von Streikenden mit Streikschildern auf.]
ALLE:
Wir protestieren – gegen’s moderieren! Wir wollen mehr Geld – weil sonst die Sendung fällt! Wir sind nicht null und nichtig – wir sind TV-wichtig!
[Ein Polizist kommt.]
POLIZIST:
Würden sie bitte draußen weiter streiken? Die Putzfrau möchte gerne durchwischen.
ANSAGER:
Oh, das dürfte kein Problem sein, nicht wahr? Los, Jungs – tragen wir den Kampf auf die Straße.

[Die Streikenden verlassen unter Streiksprüchen das Bild, der Polizist geht hinterher. Wenn sie weg sind, setzt sich ein Streikbrecher auf den Platz des Ansagers.]
STREIKBRECHER:
Guten Abend, meine Damen und Herren, ich bin ein Streikbrecher und sie sehen: „Drei Pilotfilme und ein Goldfisch“.

[Er lächelt, eine Hand schiebt ein Goldfischglas mit einem Goldfisch ins Bild.]
SCHRIFTZUG: Drei Pilotfilme und ein Goldfisch

Schnitt in die Küche eines Wohnhauses, das Ehepaar sitzt am Küchentisch, der Mann liest Zeitung, die Frau macht ein Kreuzworträtsel.
VOICE OVER:
Das ist das Ehepaar Barnamm…

[Der Mann schaut sich suchend im Raum um, offenbar kann er die Stimme hören.]
Die beiden sind seit zwei Jahren verheiratet und wünschen sich sehnlichst Nachwuchs. Doch die zwei können sich einfach nicht auf darauf einigen, ob es ein Junge oder ein Hund werden soll.
[Der Mann rollt die Zeitung zusammen und fixiert einen Punkt an der Wand neben ihm.]
Aus diesem Grund steht heute ein Termin bei Doktor…
[Der Mann schlägt mit der Zeitung gegen die Wand.]
AARGH!!
MANN:
Diese verdammten Fruchtfliegen werden aber auch mit jedem Jahr unverschämter!
FRAU:
Hätten wir einen Hund, würde das gar nicht erst passieren.
MANN:
Ich will aber gar keinen Hund, sondern Sex!
FRAU:
Wenn du Sex willst, guck das Nachmittagsprogramm.
MANN:
Das kann ich nicht.
FRAU:
Wieso nicht?
MANN:
Wegen diesem blöden Ansagerstreik weiß ich doch gar nicht, was im Moment im Fernsehen kommt.
FRAU:
Vielleicht eine Sendung über Natur?


Schnitt zu einer Wiesenlandschaft, rechts im Bild steht ein Moderator.
MODERATOR:
…können sie hier auf dieser Wiese deutlich sehen. Weite, unberührte Natur, so weit das Auge blicken kann.

[Er schaut hinter sich auf die Wiese, schaut zurück zur Kamera.]
Friedliche, ruhige Natur, vom Menschen völlig in Ruhe gelassen.
[Er schaut wieder hinter sich zur Wiese und dann wieder in die Kamera.]
Ja…friedlich…sehr friedlich…und soo ruhig.
[Er schaut wieder hinter sich zur Wiese und dann zurück zur Kamera.]
Wirklich sehr friedlich…Und verdammt langweilig! Eine sehr ruhige Wiese, aber auch eine sehr langweilige!
[Er schaut wieder zur Wiese hinter sich. Plötzlich läuft im entfernten Hintergrund der Streikbrecher entlang, verfolgt von den Streikenden mit ihren Streikschildern. Die Streikenden holen den Streikbrecher ein, bringen ihn zu Fall und verprügeln ihn. Der Moderator verlässt kurz das Bild und kommt dann mit einem Stuhl zurück. Er setzt sich und beobachtet das Geschehen durch ein Opernglas und einer Packung Popcorn.

Schnitt zurück in die Küche des Ehepaares.
MANN:
Natur? Das einzig Natürliche, was ich im Moment möchte, ist Sex!
FRAU:
Aber Schatz, wir hatten doch erst vor zwanzig Jahren Sex. Und du weißt, was damals passiert ist.

[Der Sohn kommt mit einem Dackel auf dem Arm ins Bild.]
SOHN:
Mama, Papa…mir ist langweilig. Wegen dem Ansagerstreik weiß ich nicht, wann meine Serien anfangen.
FRAU:
Jaja, das sind die Kinder von heute, kein Antrieb mehr.
MANN:
Wir hatten früher ja noch Helden, denen wir nachgeeifert sind.


Schnitt in das Innere eines alten Holzhauses, in der Preußischer-Infanterist-Man (PIM) an einem Tisch sitzt und einen Brief liest. Einrichtung und Kleidung erinnern an das ausgehende 19. Jahrhundert.
VOICE OVER:
…und so, mein lieber Kamerad, können wir wohl nicht mehr lange stand halten. Hilfe ist eiligst notwendig. OH bitte, kommt und errettet uns! Mit freundlichem Gruß – ihr ergebener Johann Walter Friedrich der Senderchef und Leiter der Anti-Streik-Formation. PS: Porto zahlt Empfänger.

[PIM legt den Brief weg und steht mit entschlossenem Blick auf. Patriotische Musik ertönt. Er verschwindet kurz hinter einer Tür und kommt dann in der Form eines kaiserlichen, preußischen Soldaten mit Gewehr in den Händen wieder.]
SCHRIFTZUG: Preußischer Infanterist-Man
[Kurze Filmsequenz, in der PIM in berühmten heldenhaften Posen dargestellt ist.]
VOICE OVER:
Wann immer wir einen Helden benötigen…Wann immer Not am Mann ist…Wann immer niemand sonst Zeit hat…Dann ist er längst bereit: Preußischer Infanterist-Man!

[Ende Filmsequenz, aus einiger Distanz ist nun PIMs Holzhaus zu sehen. PIM steht in kerzengerade Haltung davor, ein Militärmarsch ertönt und PIM marschiert im Stechschritt aus dem Bild.]

Schnitt in eine Bäckerei, der Sohn kommt mit dem Dackel auf dem Arm hinein.
SOHN:
Guten Tag, haben sie ein Brötchen für mich?
BÄCKERIN:
Nein, wir führen im Moment keine Brötchen.
SOHN:
Nein? Oh…und ein Käsebrötchen?
BÄCKERIN:
Nein, der Käse ist zu teuer geworden.
SOHN:
Oh…und Mehrkornbrötchen?
BÄCKERIN:
Die habe ich alle gegessen.
SOHN:
Alle?
BÄCKERIN:
Bis auf das letzte.
SOHN:
Dann nehme ich das.
BÄCKERIN:
Schön – macht fünftausend Euro.
SOHN:
Wie? Fünftausend Euro? Für ein Brötchen?
BÄCKERIN:
Na ja, das Angebot ist halt stark gefallen und im ehrfurchtsvollen Geiste des Kapitalismus steigt halt der Preis.
SOHN:
Ach?
BÄCKERIN:
Ja, wenn ich ihnen das kurz demonstrieren könnte…

[Sie zieht ein Flipchart, auf dem diverse Tabellen, Diagramme und Zahlenkolonnen stehen, heran.]
Wie sie anhand dieser Diagramme sehen können, ist zwar die Nachfrage an Mehrkornbrötchen stetig gleich geblieben, wenn sie jedoch hier unten diese Tabelle betrachten, dann werden sie sofort merken, dass das Angebot seit heute morgen sehr stark gefallen ist.
SOHN:
Warum?
BÄCKERIN:
Weil weniger da war.
SOHN:
Aha. Und warum?
BÄCKERIN:
Dazu muss ich etwas weiter ausholen…

[Die Bäckerin schlägt die Seite des Flipcharts um, darunter ist eine Seite mit den Wahlergebnissen der BRD von 1948.]
1948 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet und infolge des Wahlsieges der CDU wurde mein Vater gezeugt.
SOHN:
Ich glaube, das ist etwas zu weit ausgeholt.
BÄCKERIN:
Sie haben wohl Recht. Ich werde ihnen daher eine Filmsequenz zeigen, die Aufschluss darüber geben wird, warum alle Mehrkornbrötchen bis auf des letzte weg sind.

[Stummfilmartige Filmsequenz, in der die Bäckerin ein Mehrkornbrötchen nach dem anderen aufisst.]
SOHN:
Und deswegen sind alle Mehrkornbrötchen bis auf das letzte weg?
BÄCKERIN:
Genau. Möchten sie nun das letzte Mehrkornbrötchen haben?
SOHN:
Nein. Aber ein Brot hätte ich gerne noch.
BÄCKERIN:
Brot ist keins mehr da, ich habe alles aufgegessen.
SOHN:
Was? Das gesamte Brotsortiment? Warum das denn?
BÄCKERIN:
Ich brauchte doch eine Beilage zu den Brötchen.
SOHN:
Hm…haben sie Baguette?
BÄCKERIN:
Nein, das hatte ich zum Mittag.
SOHN:
Toastbrot?
BÄCKERIN:
Das hebe ich mir zum Abendbrot auf.
SOHN:
Essen sie normalerweise immer ihre Ware auf?
BÄCKERIN:
Nur, wenn ich Hunger bekomme.
SOHN:
Aha. Haben sie Weizen oder Roggen? Dann backe ich mir selbst ein Brot.
BÄCKERIN:
Ich habe ein ganzes Feld, draußen vor der Stadt.


Schnitt zu einer Feldlandschaft. In der Ferne ist ein Weizenfeld zu sehen. Erst ist alles ruhig, dann ertönt Marschmusik und PIM marschiert vor dem Weizenfeld entlang. Sobald er das Bild passiert hat, Kameraschwenk in die andere Richtung, wo nun ein Interviewer und ein Bauer zu sehen sind.
INTERVIWER:
Meine Damen und Herren, der Streik der Ansager hat immer mehr weitreichende Konsequenzen, die nun auch die Landwirtschaft erreichen. Neben mir steht Günther Drost, ein lokaler Regionallandwirt. Guten Tag, Herr Drost.
BAUER:
Moin.
INTERVIEWER:
Nun, Herr Drost, inwieweit ist denn ihr Leben bereits betroffen?
BAUER:
Sehr. Wissen sie, normalerweise bearbeite ich die Felder und meine Frau macht das Haus und schaut nebenbei fern. Wenn dann meine Abendsendung angesagt wird, ruft sie mich. Ich packe mein Zeug zusammen, räume alles weg und wir essen zusammen Abendbrot und schauen dabei meine Sendung.
INTERVIEWER:
Und das ist nun natürlich nicht mehr möglich, da ihre Sendung ja nicht mehr angesagt werden kann, richtig?
BAUER:
Genau. Seit Tagen habe ich kein Abendbrot mehr gehabt und nur noch gearbeitet.
INTERVIEWER:
Ach? Soll das heißen, sie haben eine Produktionssteigerung erreicht?
BAUER:
Ja, um vierhundert Prozent.
INTERVIEWER:
Das ist ja…furchtbar?
BAUER:
Ziemlich furchtbar. Ich weiß schon gar nicht mehr, wohin mit dem Überschuss.
INTERVIEWER:
Verkaufen? Wäre das nicht eine Option, Herr Drost?
BAUER:
Wie denn? Alle anderen Bauern produzieren im Moment doch auch mehr. So viel kann doch keiner essen!
INTERVIEWER:
Afrika? Wäre das nicht eine Option, Herr Drost?
BAUER:
So viel kann doch keiner bezahlen.
INTERVIEWER:
Liebe Zuschauer, sie haben es gehört – aufgrund des Ansagerstreiks steht ein Kollaps der Landwirtschaft bevor, die Bauern treibt es in den Ruin!
BAUER:
Von Ruin habe ich nichts gesagt.
INTERVIEWER:
Also…es stehen den Landwirten schlechte Zeiten bevor…
BAUER:
Ach was, irgendeiner braucht doch immer Getreide. Ich komm schon durch.
INTERVIEWER:
Äh…den Bauern geht es mittlerweile so schlecht, dass sie im Moment nicht einmal mehr ein Abendbrot bekommen und…
BAUER:
Die Straße rüber hat eine Fastfoodkette eine Filiale eröffnet.
INTERVIEWER:
[Gereizt.]
Ich revidiere – den Bauern geht es mittlerweile so schlecht, dass sie nicht einmal mehr ein vernünftiges Abendbrot bekommen…
BAUER:
Also wenn ich ein vernünftiges Abendbrot will, dann könnte ich zu diesem Italiener nebenan…
INTERVIEWER:
Hören sie auf damit!
BAUER:
Womit?
INTERVIEWER:
Ich versuche die Zuschauer auf ihre aussichtslose Lage hinzuweisen und sie widersprechen mir ständig!
BAUER:
Aber meine Lage ist doch gar nicht aussichtslos.
INTERVIEWER:
Da – sie haben es schon wieder getan!

[Der Sohn kommt mit dem Dackel auf dem Arm.]
SOHN:
Verzeihung, aber verkaufen sie Getreide?
BAUER:
Jo.
SOHN:
Sehr schön, ich will mir ein Brot backen, wie viel Getreide braucht man dafür?
BAUER:
Etwa zwanzig Tonnen.
SOHN:
Okay, packen sie’s mir bitte in diesen Beutel.
BAUER:
Was habe ich ihnen gesagt? Irgendeiner braucht immer Getreide.
INTERVIEWER:
Ja…dann…zurück ins Studio.


Schnitt in ein Nachrichtenstudio.
NACHRICHTENSPRECHER:
Danke, für diesen erschütternden Bericht aus der Landwirtschaft, Günther. Werte Zuschauer, gerade kam eine Sondermeldung herein, dass Preußischer-Infanterist-Man in den Ansagerstreik einreifen wird! Im Moment marschiert er nördlich gen Berlin und unser Außenreporter Harald Vonsorge befindet sich in Oranienburg um Preußischer-Infanterist-Man abfangen und interviewen zu können.


Schnitt zu einem Fußgängerweg einer Kleinstadt, auf dem Harald Vonsorge steht.
HARALD VONSORGE:
Nun, ich stehe im Moment hier an der Autobahn, die nach Berlin reinführt und wir rechnen jeden Moment mit dem Eintreffen von Preußischer-Infanterist-Man. Die ganze Stadt ist auf den Beinen und freut sich ob des Eintreffens ihres Helden. Der Bürgermeister hat zur Feier des Tages drei neue Schreibwarenläden eröffnet und ließ öffentlich verlautbaren, dass er einen Goldfisch günstig abzugeben habe. Außerdem…Moment!...Ich sehe…ja, da hinten kommt Preußischer-Infanterist-Man!

[Marschmusik, PIM marschiert durch das Bild, Harald Vonsorge versucht ihn zu interviewen.]
Sehr geehrter Herr Preußischer-Infanterist-Man, würden sie uns wohl…
[PIM marschiert aus dem Bild, Musik aus.]
Ja…meine Damen und Herren, das war Preußischer-Infanterist-Man wie er leibt und lebt. Diese Haltung, diese Eleganz! Was sagen die Kampfrichter?
[Schwenk zu vier Kampfrichtern, die nacheinander mit Schildern die Noten 9.1, 9.0 und 9.3 hochhalten. Der vierte hält seine Telefonnummer hoch.]
Unglaublich! Preußischer-Infanterist-Man hat seinen eigenen Rekord von 1806 gebrochen. Werfen sie dazu einen Blick auf diese Grafik.
[Schwenk zurück zu Harald Vonsorge, der nun neben einem Flipchart steht, auf dem wieder die Wahlergebnisse der BRD von 1948 stehen.]
1948 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet und infolge des Wahlsieges der CDU wurde meine Milchkuh gezeugt…

Schnitt zu einem hohen, modernen Bürogebäude.
VOICE OVER:
Dies ist die Firma Hopsdiekuh, ein Familienunternehmen, das seit der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Franzosen hüpfende Kühe produziert. Das Geschäft läuft stabil, der Blutdruck ist einhundertzwanzig zu achtzig, die Cholesterinwerte sind normal, nur die Anzahl an blauen Blutkörperchen gibt zu denken…


Schnitt in einen Konferenzraum der Firma, am langen Tisch sitzen der Chef Norbart, sowie die drei Berater Dietrich, Schlüssel und Rohling.
NORBART:
Nun, wie sie ja alle dem firmeninternen Memo entnehmen konnten, kommt heute ein Analyst um unserem Konzern ein paar nützliche Tipps zur Steigerung der Produktivität zu geben. Hören sie bitte aufmerksam zu und scheuen sie sich nicht, Fragen zu stellen.

[Er drückt auf eine Sprechanlage.]
Fräulein Quark, würden sie bitte Herrn Dr. Professor reinlassen? Danke schön.
[Dr. Professor tritt ein und nimmt Platz.]
PROFESSOR:
Einen wunderschönen guten Tag, die Herren.

[Die anderen lächeln ihn starr an.]
Äh…ja…Sie baten mich, ihr Geschäft ein bisschen näher zu betrachten und mir sind tatsächlich ein paar schwerwiegende Mängel aufgefallen. Der gravierendste betrifft sogar ihr Hauptprodukt. Wussten sie eigentlich, dass es gar keine Nachfrage an hüpfenden Kühen gibt?
[Die anderen lächeln ihn weiter starr an.]
Da…dazu…Also dazu kommen dann noch die Extras, die sie…die sie zusätzlich zum Kauf einer hüpfenden Kuh anbieten. Denken sie wirklich, dass – selbst wenn jemand eine hüpfende Kuh kaufen würde – dass er dazu einen hüpfenden Fernsehen benötigt?
[Die anderen lächeln ihn immer noch starr an.]
Nun…das nächste was mir aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass sie etwa sechs Prozent der weltweiten Getreideproduktion aufkaufen, um ihre Kühe zu ernähren. Aber…sie haben nur eine einzige Kuh. Warum backen sie nicht einfach mit dem Getreide Brötchen? Sie könnten im Moment mit billigen Brötchen eine Menge Geld machen, da ein normales Brötchen derzeit etwa fünftausend Euro kostet.
[Die anderen lächeln ihn weiter an. Norbart macht das Daumen-hoch-Zeichen.]
Ja…oder sie wenden sich einfach mal an ihre Entwicklungsabteilung, die es vor kurzem geschafft hat, eine Maschine zu entwickeln, die CO2 aus der Atmosphäre zieht und dieses dann wieder in Sauerstoff und Kohle umwandelt. Und das ganze bezieht seine Energie aus der Verbrennung von Plastikmüll. Warum verkaufen sie nicht…einfach…das?
[Die anderen lächeln weiter.]
Nun…das waren jeweils die wichtigsten Sachen, die mir aufgefallen sind und die man dringend beheben sollte.
[Die anderen klatschen begeistert.]
Äh – danke.
NORBART:
Nein, wir danken ihnen für diese Analyse. Sagen sie mir jetzt nur noch, wie viele hüpfende Kühe können wir damit mehr verkaufen?
PROFESSOR:
Äh – sagte ich nicht gerade, dass es keine Nachfrage an hüpfenden Kühen gibt?
NORBART:
Na, das wird sich doch bestimmt ändern, wenn wir alles befolgen, was sie uns raten, oder?
PROFESSOR:
Das bezweifle ich.
DIETRICH:
Wenn nicht hüpfende Kühe – was ist dann mit hopsenden Kühen?
NORBART:
Eine sehr schöne Frage.

[Die anderen zwei Berater klatschen Beifall, Dietrich tut verlegen.]
Also, Herr Dr. Professor, was ist mit hopsenden Kühen?
PROFESSOR:
Aber das ist doch dasselbe!
SCHLÜSSEL:
Oder ist es das Gleiche?
NORBART:
Auch eine sehr schöne Frage, ich verwechsle das nämlich auch ständig.

[Die anderen zwei Berater klatschen.]
Nun, Herr Dr. Professor – ist es dasselbe oder das Gleiche?
PROFESSOR:
Woher soll ich denn das wissen? Es ändert doch auch gar nichts an ihrer Problematik!
NORBART:
Hören sie mal, wir bezahlen einen Haufen Geld für ihr Fachwissen und sie haben nicht einmal von den einfachsten Dingen Ahnung?
PROFESSOR:
Bezahlen? Womit denn? Selbst die Bundesrepublik hat einen kleineren Schuldenberg als sie!
ROHLING:
Also unsere Finanzabteilung hat errechnet, dass das mit dem Verkauf von genügend Kühen kein Problem darstellen sollte.
NORBART:
Und wie viele hüpfende Kühe müssten wir dafür verkaufen?
ROHLING:
Vierhundertneunundachtzig Milliarden einhundertsiebzehn Millionen sechshundertdreiundvierzigtausend und eine hüpfende Kuh.
PROFESSOR:
Aber es will doch gar keiner eine hüpfende…ach, mir reicht es!

[Er stürmt wütend aus dem Raum.]
NORBART:
Gute Berater sind wirklich selten geworden!

[Pause.]
Wie viel Kühe haben wir dieses Jahr eigentlich verkauft?
ROHLING:
Äh…keine.
NORBART:
Aha…und letztes Jahr?
ROHLING:
Auch keine.
NORBART:
Vorletztes Jahr?
ROHLING:
Keine.
NORBART:
In den letzten zehn Jahren?
ROHLING:
Keine.
NORBART:
Seit Unternehmensgründung?
ROHLING:
Keine.
NORBART:
Oh.
ROHLING:
Aber es wird eine Steigerung um viertausendachthundert Prozent im nächsten Jahr erwartet.
NORBART:
Ach?
ROHLING:
Ja, das ist dreimal höher als im letzten Jahr.
NORBART:
Donnerwetter – weiter so, Männer! Das sind wahrlich spannende Nachrichten!


Schnitt zurück ins Nachrichtenstudio. Der Nachrichtensprecher baut gerade ein mehrstöckiges Kartenhaus.

Schnitt zu einer Wattlandschaft. Erst Ruhe, dann Marschmusik und PIM marschiert durch das Bild.  Etwa in der Mitte macht er plötzlich eine graziöse Balletfigur, dann marschiert er aus dem Bild.

Schnitt zurück in die Küche des Ehepaares.
MANN:
Wo sind eigentlich unser Sohn und unser Dackel?
FRAU:
Ich habe ihm gesagt, er soll ein Brötchen und ein Brot kaufen gehen, damit er beschäftigt ist.
MANN:
Wem? Unserem Hund oder unserem Sohn?
FRAU:
Beiden, falls es einer vergisst.
MANN:
Aha. Und hast du ihm genug Geld mitgegeben? Die Brötchenpreise sind stark gestiegen.
FRAU:
Ich habe ihnen fünfundachtzigtausend Euro in Münzen mitgegeben.
MANN:
Das sollte reichen.

[Der Sohn kommt mit dem Dackel auf dem Arm.]
SOHN:
Ich bin wieder da.
FRAU:
Hast du Brot bekommen?
SOHN:
Nicht direkt…

[Die Küche wird plötzlich mit Korn geflutet.]
Wir müssen uns unser Brot ab sofort selbst backen.
MANN:
Das hätt’s im Osten früher nicht gegeben!
FRAU:
Hat es so eine Situation überhaupt schon mal gegeben?
MANN:
Ja, früher, im Osten. Das waren noch Zeiten!


Schnitt in einen Uhrenladen, ein Kunde tritt ein.
KUNDE:
Hallo, ich möchte bitte eine Uhr kaufen.
UHRMACHER:
Eine Uhr? Ein Instrument zur Bestimmung der Dauer von Geschehnissen und Ereignissen? Ein Chronometer? Ein Objekt des Terminus? Ein Bestimmer zeitlicher Abstände?
KUNDE:
Also eigentlich brauche ich nur eine Uhr.
UHRMACHER:
Oh…ich fürchte, dass wir so etwas gar nicht führen.

[Er hält eine Armbanduhr hoch.]
Vielleicht nutzt ihnen aber auch dieses High-Definition Multifunctional Mobile Measuring Instrument for chronografic use only with manual wind up integrated?
KUNDE:
Nein, ich suche wirklich nur eine Uhr.
UHRMACHER:
Hm…wie wäre es mit einer Alarm clock?
KUNDE:
Einer was?
UHRMACHER:
Alarm clock.
KUNDE:
Einer was?
UHRMACHER:
Alarm clock.
KUNDE:
Einer was?
UHRMACHER:
Alarm clock.
KUNDE:
Einer was?
UHRMACHER:
Warten sie mal kurz.

[Er holt ein dickes, altes, verstaubtes Buch unter dem Tresen und blättert kurz darin.]
Ah, hier. Es ist ein W…Wwww….Wä…We…Wäg…Weg…Weck! Es ist ein Weck…Weck…Wäck…Wegg…Wägg…
KUNDE:
Nein, ich bleibe hier!
UHRMACHER:
Wecker!
KUNDE:
Selber, sie unverschämter Mistkerl!

[Er läuft weg.]
UHRMACHER:
Eventuell eine Tower clock? Nein? Beehren sie uns bald wieder. Schade…noch ein Verkauf mehr und ich hätte meinen Tagesrekord gebrochen.


Schnitt zu einem Weltrekordversuch. Walther Rehing läuft in kurzen Joggingsachen umher und macht sich warm. Neben ihm stehen einige fein angezogene Juroren, die miteinander diskutieren.
VOICE OVER:
Guten Abend, meine sehr verehrten Weiber und Kerle, wir sind hier live vor Ort in Bremen, nördlich von Hamburg, wo Walther Rehing sich gerade auf seinen Weltrekordversuch vorbereitet. Er will seinen eigenen Rekord von 1997 brechen und zwar die meisten erfolglosen Selbstmordversuche hintereinander. Vor vier Jahren versuchte er das schon einmal, scheiterte jedoch beim sechsundzwanzigsten versuch. Es wird erst in etwa…fünf Minuten losgehen, daher zeigen wir noch ein kurzes Portrait aus Walther Rehings Leben.

[Ein Portraitfoto von Walther Rehing wird eingeblendet.]
Ja…wunderschön. Und für alle Zuschauer, denen das nicht genug war – wir haben noch ein schöneres Portrait gefunden.
[Die Mona Lisa wird eingeblendet.]
Ganz Recht, das ist nicht Walther Rehing, aber trotzdem ein sehr schönes Portrait. Nun, ich denke, dass wir jetzt mit dem Weltrekordversuch beginnen können. Walther Rehing hat sich genug aufgewärmt und…was machen sie denn hier?
VOICE OVER des Ansagers vom Beginn:
Na warte, du Streikbrecher! Keine Ansagen mehr, bis unsere Forderungen erfüllt sind!
VOICE OVER:
Verschwinden sie! Sie stören einen Weltrekordversuch!
VOICE OVER Ansager:
Haha – hier spricht die Stimme des Proletariats! Hoch lebe der Moderationismus!
VOICE OVER:
Lassen sie das! Aua!

[Der Voice-Over-Mann wird ins Bild geworfen und sofort vom Ansager und mehreren Streikenden verfolgt. Er flüchtet. Die Weltrekordteilnehmer schauen sich ratlos um, dann renn der Voice-Over-Mann wieder durchs Bild.]
VOICE-OVER-MANN:
Fangen sie ruhig…schon mal an…ich moderiere das…dann…später drüber…!
REHING:
Aber wir sind live.
VOICE-OVER-MANN:
Dann…fangen sie an…ich mach das…von hier.
ANSAGER:
Streikbrecher!
KAMPFRICHTER:
Nun, dann lassen wir den Weltrekord beginnen. Herr Rehing, hier ist ihr Revolver.
VOICE-OVER-MANN:
Herr…Rehing…hat nun seinen…sechsschüssigen…Revolver erhalten…und beginnt den Rekordversuch…

[Während der Voice-Over-Mann und die Streikenden weiter herumlaufen, hält sich Rehing den Revolver an die Schläfe, drückt ab, es klickt aber nur im Revolver.]
Das…war der erste Versuch…er scheiterte…Ein guter Start…wie ich meine…für Herrn Rehing…
[Rehing drückt wieder ab, es klickt nur.]
Auch der…zweite Versuch…scheiterte…Applaus für Herrn Rehing…
[Alles bleibt kurz stehen und applaudiert, dann geht die Verfolgung weiter. Als Rehing wieder den Revolver ansetzt, nimmt ihm der Voice-Over-Mann den Revolver ab.]
Ich brauche den mal kurz!
[Er dreht sich zu den Verfolgern um und fängt an zu schießen. Die Streikenden werfen sich zu Boden und schießen mit eigenen Pistolen zurück. Der Voice-Over-Mann wirft sich auch auf den Boden. Eine wilde Schießerei beginnt.]
REHING:
Der war ja geladen!
KAMPFRICHTER:
Nun…ja.
REHING:
Sind sie wahnsinnig? Da hätte ich mich ja verletzen können!

[Die Schießenden wechseln nun zu Granaten und Schnellfeuergewehren.]
KAMPFRICHTER:
Also eigentlich hätten sie doch so was ahnen müssen, oder?
REHING:
Ja wie denn? Mir sagt doch nie einer was!

[Der Voice-Over-Mann steht nun in militärischer Uniform mit Helm neben ihnen.]
VOICE-OVER-MANN:
Verdammte Zivilisten – merkt ihr nicht, dass ihr euch mitten in einem Kriegsgebiet befindet? Haut ab, wenn euch euer Leben lieb ist!

[Die Kamera zoomt raus, die Weltrekordteilnehmer laufen eilig davon, das Gelände sieht nun aus wie ein Kriegsschauplatz. Überall laufen Soldaten herum, Explosionen und Gewehrfeuer. Die Seite der Streikenden wedelt mit übergroßen Transparenten herum, auf denen „VIVE LA MODERATION“ steht.]

Schnitt zurück ins Nachrichtenstudio, in dem sich der Nachrichtensprecher gerade die Fußnägel schneidet. Plötzlich Marschmusik und PIM marschiert durch das Bild.

Schnitt in ein Fernsehstudio. Auf zwei Sesseln sitzen Hibbel und Foch.
SCHRIFTZUG: Hibbeliges mit Herrn Hibbel – Die politische Talkrunde
HIBBEL:
Guten Abend, meine sehr verehrten…also nicht meine...ich meine, sie sind nicht mein Besitz….Sie sind ja sie selbst. Guten Abend an die Zuschauer….Und an die Gäste! Sie alle hier…ja, sie sind alle Gäste. Hier. Im Studio. In dieser Sendung. Und in dieser Sendung, in der sie gerade sitzen, beziehungsweise Gast sind, beziehungsweise die sie gerade in ihrem oder einem fremden Fernsehempfangsgerät verfolgen, haben wir heute einen Gast aus Großbritannien, Herrn Professor Foch. Hello, Mr Professor Foch.
FOCH:
Bonjour, monsieur.
HIBBEL:
Äh…yes. Mr Professor Foch, the actual war of moderators…
FOCH:
Pardon? Je ne vous comprendes pas.
HIBBEL :
Oh? Not? Nicht? Nein? Also er versteht mich nicht. Da…da kann ich ihm nur beipflichten, denn ich verstehe mich ja manchmal selbst nicht…äh, Mr Foch, what do you think about the part of France in this war which…
FOCH:
La France? J’aime les francaises.
HIBBEL:
Ach? Nun, Mister...äh, Professor Herr Foch hat gerade gesagt, dass er Franzosen liebt. Es geht aus seiner Antwort – also seiner Antwort auf meine Frage, die ich gestellt habe und die er beantwortete…also daraus geht nicht eindeutig, also unzweideutig und definitiv, beziehungsweise streng logisch hervor, ob er nur die männlichen Franzosen oder aber Franzosen und Französinnen liebt. Ich werde ihn dazu jetzt, also gleich, befragen. Mr Foch, the Professor, are you…
FOCH:
Vous etes un francais?
HIBBEL:
Äh…no. Las time I’ve looked if I’m a part of the French population…I wasn’t. But I don’t know if it has changed. Since last time, I’ve looked, I mean. As far as I know, I’m a German. A Teutonic. A Kraut.
FOCH:
Ah, vous etes un allemand?
HIBBEL:
Yes…yes…yes, let me look at my passport…Yes, yes, I’m definitely a German. I’m so german, I know every german word. Like… äh…Sauerkraut… Bratwurst… Kindergarten… Donaudampfschifffahrtsgesellschaft… Blitzkrieg…Rucksack…Lederhosen…Heil Hitler…
FOCH:
QUE?!?
HIBBEL:
Oh, my fault, that was from Austria. Also…ich habe Foch, dem Herrn Professor mitgeteilt, dass ich ein germanisches Kraut aus Teutonien bin und…

[Er schaut zu Foch. Schweigen. Er schaut in die Kamera, dann wieder zu Foch. Schweigen.]
Why sounds your English so different from all the other English I’ve ever heard?
FOCH:
Pardon? Vous parlez Francais?
HIBBEL:
Sprechen sie einen Dialekt? Are you dialing?
FOCH:
Que?
HIBBEL:
Ah ja…er hat Okay gesagt. Äh, Mr Professor – in which part of Great Britain you’ve been born?
FOCH:
La Grande-Bretagne? Ne n’ai pas été à la Grande-Bretagne.
HIBBEL:
Äh…for sure? You’re not British?
FOCH:
Mais oui.
HIBBEL:
Wo kommen…laufen…gehen…wandern…rennen…walken sie denn dann her?
FOCH:
Je suis Pablo et j’ai de Madrid en l’Espagne.
HIBBEL:
Ach, sie sind Spanier? You’re from Spain?
FOCH:
Je suis sur.
HIBBEL:
Ah, okay… Also…der Herr Foch heißt Madrid und kommt aus Pablo…Nein, halt! Der Professor Foch kommt in Pablo und ist heiß wie Madrid. Äh…Senor Foch, how is Spain at this time of the year?
VOICE OVER:
Hibbel, komm zurück zum Thema!
HIBBEL:
Ach so..ja…Senor Foch, forgot…äh…also vergessen sie mich. Nein, vergessen sie, was ich gesagt habe, vergessen sie nur…nein, nein, nein! Vergessen sie nur meinen letzten Satz. Und meine letzte Frage. Äh…
FOCH:
Que?
HIBBEL:
Ah ja, er hat okay gesagt. Äh…was eigentlich noch mal das Thema?
VOICE OVER:
Der Ansagerstreik!
HIBBEL:
Der Ansagerstreik, genau – Mr Foch, what do you think about the interfering of Prussian-Infanterist-Man in the…
FOCH:
[Er springt erregt auf.]
Les prusses? Ces boches?
HIBBEL:
Äh...yes...Prussian-Infaterist-Man ist from Prussia and...

[Foch läuft aus dem Studio.]
Was…was hat er denn gegen Preußen? Äh…Herr Froschfresser Foch? Mr Foch? Ja…äh…was machen wir denn jetzt?
[Foch kommt wieder, er ist jetzt gekleidet wie ein französischer Gardegrenadier aus napoleonischen Zeiten und hält ein Gewehr in den Händen.]
FOCH:
Alors – vers les enemies!

[Foch rennt mit einem lauten Kriegsschrei davon.]
HIBBEL:
Und wie ist Spanien nun zu dieser Jahreszeit?


Schnitt zu einer Wetterkarte, vor der ein Wettermann mit verschränkten Armen steht.
WETTERMANN:
Ich sage das Wetter nicht an, ich bin im Streik!


Schnitt zurück ins Nachrichtenstudio.
NACHRICHTENSPRECHER:
Oh…äh…dann zum Sport mit Ulrich Eifrig.

[Kameraschwenk nach rechts, wo Ulrich Eifrig sitzt.]
EIFRIG:
Hallo, liebe Zuschauer. Sport, Sport, Sport! Ausdauerlaufen…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Basketball…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Cheerleading…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Darts…ist leider durch die Zensur gefallen. Eishockey…ist zugunsten der Cheerleaderinnen leider ausgefallen. Fußball…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Gehirnoperationen…sind als Sportart leider nicht anerkannt. Hallenfußball…ist uns leider zu öde, als dass wir darüber berichten würden. Internetsurfen…Ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Jodeln…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Kalorien zählen…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Labern…ist wegen der Kürze des Formats leider ausgefallen. Morden…ist von Gesetzes wegen leider ausgefallen. Onanieren…Was? Ach – Organisieren…ist wegen schlechter Terminplanung leider ausgefallen. Politiker…sind leider aufgefallen. Quark mit Kartoffeln…sind heute in der Kantine leider ausgefallen. Reden…gewann bei der Olympiade Silber. Gold holte Schweigen. Apropos – Schweigen…

[Pause.]
…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Tarnen…ist wegen schlechter Sicht leider ausgefallen. Ursachenforschung…ist wegen bisher ungeklärter Umstände leider ausgefallen. Verlust an Niveau…war im Fernsehen zu bewundern. Widerherstellung des Niveaus…ist wegen des Niveauverlustes leider ausgefallen. Xadorieren…ist wegen Unbekanntheit leider ausgefallen. Yaks nachts nackt jagen…ist wegen des Ansagerstreiks leider ausgefallen. Zwiebeln…Ist wegen des Verstoßes gegen die Sittenwidrigkeit leider ausgefallen. Und wegen Tierquälerei. Und wegen des Verdachts auf Korruption. Und wegen des Flurbereinigungsgesetzes. Aber in erster Linie wegen des Ansagerstreiks. Das war es vom Sport.
[Schwenk zurück zum Nachrichtensprecher.]
NACHRICHTENSPRECHER:
Wie…alles ist ausgefallen?
EIFRIG:
Nicht ganz – Schach fand statt.
NACHRICHTENSPRECHER:
Aha? Und wie waren die Ergebnisse?
EIFRIG:
Äh, die spielen immer noch.


Schnitt zu einem Schachspiel. Zwei Spieler sitzen sich gegenüber, daneben läuft eine Schachuhr. Es wurde noch keine Figur bewegt. Der Spieler, der Weiß hat, lässt seine Hand unentschlossen über seinen Figuren schweben.
VOICE OVER:
Ja, es bleibt ein harter Kampf zwischen den beiden, Kaspar darf hier natürlich keinen Fehler machen und daher ist seine bisher genutzte Bedenkzeit von fast zwei Stunden natürlich gerechtfertigt. Was sagt die Analyse?
VOICE OVER Analyst:
Ja, natürlich, Kaspar ist ein Mann der alten Schule, wenn er einen Zug macht, dann ist der natürlich sehr gut überlegt.
VOICE OVER:
Hm, werfen wir dafür noch einmal einen Blick auf den bisherigen Verlauf der Partie.

[Es wird die Anfangsstellung einer Partie eingeblendet.]
VOICE OVER Analyst:
Ja, bisher eine sehr ruhige Partie, doch man spürt deutlich die Anspannung in den noch zu erwartenden Zügen.

[Die zwei Schachspieler werden wieder eingeblendet.]
VOICE OVER:
Oha, ich glaube, mir scheint, dass ich zu denken annehme, dass Kaspar nun seinen ersten Zug machen wird.

[Trommelwirbel, neben den zwei Spielern taucht der Trommler auf. Erst passiert nichts, dann schnippt der weiße Spieler eine seiner Figuren über das Brett. Der schwarze Spieler kontert sofort entsprechend. Die zwei schnippen sich nun solange Figuren entgegen, bis einer der Könige umfällt. Dann tritt sofort ein Schiedsrichter in Uniform auf und pfeift mit typischen Schiedsrichtergesten das Spiel ab. Der Sieger rennt daraufhin umher und vollführt allerlei akrobatische Aktionen wie ein Fußballspieler, der gerade ein Tor geschossen hat. Dazu werden „One Moment in Time“ eingespielt und kurze Zeitlupenszenen des Schachspiels eingeblendet.]

Schnitt zurück ins Nachrichtenstudio.
NACHRICHTENSPRECHER:
Meine Damen und Herren, eine Sondermeldung! Offensichtlich holen die Ansager zur finalen Offensive aus! Klaus Ruprecht ist live vor Ort.


Schnitt in ein militärisches Lagebesprechungszelt. In der Mitte ist ein Kartentisch. Überall Militär und hektisches Treiben. Im Vordergrund der Ansager in Generalsuniform. Neben ihm steht der Reporter Ruprecht.
RUPRECHT:
Ja, ich stehe hier im Führungsgefechtsstab der Ansager, wo gerade die letzten Einsatzbesprechungen laufen. Neben mir steht General Ansager von den Ansagern, obere Linie. Herr General, wie sieht ihre Offensive denn nun aus?
ANSAGER:
[Er zieht ein Flipchart heran, auf dem wieder die Wahlergebnisse der BRD von 1948 zu sehen sind. Der Ansager räuspert sich kurz, dann schlägt er die Seite um und nun sind tabellarisch mehrere fiktive Fernsehprogramme abgebildet.]
Wir starten unsere Offensive um fünf Uhr in der Früh und greifen sofort massiv in das Frühstücksfernsehen ein. Durch falsche Programmansagen verwirren wir die Zuschauer und bringen so das gesamte Vormittagsprogramm zu Fall. Gegen Mittag forcieren wir dann den Angriff und machen auch falsche Angaben bezüglich der Sender, so dass niemand mehr einen Überblick haben wird, was er gerade wo schaut. Ich veranschauliche ihnen das ausführlicher auf dieser Karte.
[Er schlägt auf dem Flipchart eine Seite um, nun ist eine Reliefkarte von Deutschland zu sehen.]
In Bayern werden wir aufgrund des bergigen Geländes auf einige Schwierigkeiten stoßen, doch haben uns bereits mehrere belgische Separatistengruppen ihre Unterstützung angeboten. Hier an der westlichen und nordwestlichen Grenze Deutschlands nach Frankreich und den Beneluxstaaten, beziehungsweise über die Nordsee nach Großbritannien hin, schließen wir den Ring durch eine zeitgleiche Aktion der französisch-englischen allierten moderierten Verbände, so dass auch Übertragungen der BBC, Arte und Tele5 zusammenbrechen werden. An der Ostgrenze und hier in der Mitte von Deutschland rechnen wir nicht damit, dass tschechische oder polnische Sender gesehen werden.
RUPRECHT:
Aha? Warum?
ANSAGER:
Schwerwiegende Vorurteile, die ihnen nun zum Verhängnis werden!
RUPRECHT:
Interessant, wie gehen sie im Norden vor?
ANSAGER:
Das wird komplizierter. Da wir die skandinavischen und amerikanischen Sender nicht unter Kontrolle haben, wird unsere achte schwere Papierbomberstaffel alle in Norddeutschland befindlichen Sende- und Empfangsmasten aufspüren und vernichten. Um zu demonstrieren, wie zerstörerisch so ein Angriff ist, zeigen wir nun ein Film von einem unser letzten Flugübungsmanöver.

[Kurze Filmsequenz von circa 1900, in der der Prototyp eines Flugzeugs zu sehen ist, der nach kurzem Segelflug auf die Erde fällt und zerbricht.]
Wie sie sehen konnten – die Aufprallwirkung ist verheerend! Zusätzlich…
RUPRECHT:
Verzeihen sie die Unterbrechung, doch um die Spannung zu erhöhen, würden wir gerne einen kurzen Werbeblock bringen.
ANSAGER:
Ach? Kein Problem, machen sie ruhig.


Schnitt zu einem grauen Werbehintergrund, vor dem ein Werbefachmann steht.
WERBEFACHMANN:
Ist ihnen langweilig? Haben sie nichts zu tun? Können sie aufgrund des Ansagerstreiks nicht fernsehen? Das können sie jetzt ändern! Und zwar mit: Fernsehzeitung!

SCHRIFTZUG: Fernsehzeitung
VOICE OVER:
Fern-Seh-Zeit-Ung!
WERBEFACHMANN:
Mit Fernsehzeitung wissen sie immer, was gerade läuft und vor allem – sie wissen auch, wann es morgen kommt! Daher kaufen sie jetzt…Fernsehzeitung!

SCHRIFTZUG: Fernsehzeitung
VOICE OVER:
Fern-Seh-Zeit-Ung!


Schnitt zurück in die Küche des Ehepaares. Der Sohn, der Mann und die Frau sitzen zwischen Bergen an Brotlaiben.
MANN:
Wir haben Fernsehzeitung eine Woche lang ausprobiert und waren begeistert.
SOHN:
Da waren tolle Brotbackrezepte drin.
FRAU:
Und ein Kreuzworträtsel, mit dem ich Swatch gewonnen habe.

[Sie hält eine Armbanduhr hoch. Der Kunde aus dem Uhrenladen kommt.]
KUNDE:
Was haben sie da?
FRAU:
Eine Swatch.
KUNDE:
Hm, nein, ich suche wirklich nur eine Uhr für meine Fernsehzeitung.

SCHRIFTZUG:  Fernsehzeitung
VOICE OVER:
Fern-Seh-Zeit-Ung!


Schnitt zurück zum Werbefachmann.
WERBEFACHMANN:
Darum – kaufen sie jetzt eine hüpfende Kuh und sie erhalten eine Fernsehzeitung kostenlos dazu!

SCHRIFTZUG: Fernsehzeitung
VOICE OVER:
Fern-Seh-Zeit-Ung!


Schnitt zurück zu Ruprecht und dem Ansager.
ANSAGER:
Fernsehzeitung?
RUPRECHT:
Ja, ein neues Produkt, muss sie nicht interessieren.
ANSAGER:
[Pause, dann betont.]
Scheiße!
[Er geht.]

Schnitt zu einer Gruppe von in Linie angetretenen Soldaten, davor der Ansager.
ANSAGER:
Männer, ihr habt hart und wacker moderiert, doch die Niederlage ist da. Ich wünschte, dass ihr die Schmach der Kapitulation nicht sehen müsstet, wer dennoch Fotos machen möchte, zahlt am Ausgang bitte fünfundzwanzig Cent.

[Er setzt sich an einen Tisch, ihm gegenüber sitzt ein Diplomat für die Kapitulation. Der schiebt ihm das entsprechende Blatt für die Kapitulation zur Unterschrift hin. Seufzend sucht der Ansager in seiner Uniform nach einem Stift, findet aber keinen.]
Äh, haben sie vielleicht einen Stift?
[Der Diplomat sucht auch in seinen Taschen, findet jedoch auch keinen.]
Und jetzt?
[Der Diplomat zuckt mit den Schultern. Plötzlich steht PIM neben den beiden, heroische Musik ertönt. Er nimmt einen Stift aus seiner Uniform und legt ihn auf den Tisch.]
ALLE ANDEREN:
[Ehrfurchtsvoll.]
Preußischer-Infanterist-Man!
SCHRIFTZUG: Preußischer-Infanterist-Man
VOICE OVER:
Fern-Seh-Zeit-Ung!

[PIM salutiert steif und marschiert davon.]

Schnitt zurück ins Nachrichtenstudio.
NACHRICHTENSPRECHER:
Tja, wie es aussieht, hat Preußischer-Infanterist-Man mal wieder die Kapitulation gerettet. Der Ansagerstreik ist vorbei und wir können wieder problemlos Fernsehen schauen. Was kommt denn?
EIFRIG:
Nichts Gescheites.
NACHRICHTENSPRECHER:
Ach? Also kehrt wieder alles zum Alten zurück?
EIFRIG:
Ja.
NACHRICHTENSPRECHER:
Hm, dann verabschieden wir uns hiermit von ihnen. Im Anschluss kommt jetzt die Moral von der Geschichte. Guten Abend.

[Das Nachrichtenstudio wird abgedunkelt.]

Schnitt in eine Kindersendung, die Credits laufen ab.
KINDERMODERATOR:
Nun, liebe Kinder, was habt ihr denn heute aus dem Ganzen gelernt? Dazu wollen wir etwas weiter ausholen.

[Er zieht das Flipchart mit den Wahlergebnissen der BRD von 1948 heran.]
1948 wurde die Bundesrepublik gegründet und infolge des Wahlsieges der CDU wurde Konrad Adenauer gezeugt. Guten Abend und auf Wiedersehen.
SCHRIFTZUG:  Konrad Adenauer
VOICE OVER:
Fern-Seh-Zeit-Ung!



Et c’est la fin.

Anmerkung von Dart:

Wer es bis ans Ende geschafft hat, den würde ich gerne um eine Einschätzung des Ganzen bitten :)

(Auch auf das Hinweisen von Fehlern...)


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Wellblecheisenbahn (39) (14.05.2011)
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Inhaltsverzeichnis01 – Drei Wahlhelfer und ein Goldfisch
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Veröffentlicht am 18.12.2010, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 15.05.2011). Textlänge: 5.825 Wörter; dieser Text wurde bereits 2.644 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 16.09.2019.
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