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Seine Wohnung

Text


von Tomcat22

Ich erinnere mich, sie nannten es eine Art Wettkampf damals. Der Beste von Ihnen schaffte es über eine Viertelstunde sich indem mit 85 °C beheiztem Raum aufzuhalten. Ein dicker untersetzter ärgerlich wirkender Mann ging ebenfalls in den Raum. Er fiel mir gleich auf, seine unruhigen Bewegungen mit dem Kopf und sein rasselnder Atem, der an Asthma erinnerte. Während  der Mann in den Saunaraum ging, war die Aufsicht gerade mit einem Besucher im Gespräch. Ich versuchte die Aufsicht auf den Gesundheitszustand des untersetzten Mannes aufmerksam zu machen und ihn zu bitten doch ab und an nach ihm zu sehen. Ich befürchtete der Mann könne es nicht allzu lange in der Sauna aushalten und sei aus welchem Grund auch immer nicht mehr selbst fähig den Saunaraum zu verlassen, sagte mir meine innere Stimme
Auf diese Bemerkung schaut mich die Aufsicht vorwurfsvoll fragend an, als sei dies nicht seine Angelegenheit, sondern die des dicken Mannes.
"Vielleicht ist er eingeschlossen und kann sich nicht selbst befreien ,wende ich ein. Die Aufsicht verzieht erstaunt die Augenlider. “Hier ist die Tür für jedermann geöffnet und jeder kann gehen wann er will das wäre ja noch schöner!" Und wenn irgendetwas ihn nicht gehen lässt?"
Langsam fürchte ich der Aufsicht verrückt zu erscheinen, mir so¬viel Gedanken über den ihm und mir fremden Mann zu machen. Vielleicht lag es daran, weil im Ausdruck seiner Augen die gleiche Furcht und hartnäckige Verzweiflung lag, die mich des Öfteren einholt, komme ich etwa von einer längeren Reise zurück auf den Bahnhof meiner Heimatstadt und ringe unter den vielen fremden Augenpaaren nach Atem. In meiner Wohnung dann greife ich zum Telefon nur um zu sagen: „Ich bin wieder in Bielefeld" damit ich es mir selber glauben kann. Nun hat die Sauna natürlich kein Telefon wozu auch? Nochmals spreche ich die Aufsicht an doch bitte nach dem Mann zu sehen. Er habe ein Herzleiden behaupte ich jetzt trotzig. Die Aufsicht geht mit gequältem Gesicht zur Tür der Sauna und öffnet sie: Der Mann sitzt auf einer der Holzbänke, ganz in sich zusammengesackt, den Kopf fast auf den Knien. Das Gesicht hat er mit Handtüchern verhüllt ,um die Hitze abzuhalten. Die Aufsicht versucht ihm beim Aufstehen zu helfen, doch der Mann wehrt sich jetzt heftig. Ich versuche der Aufsicht zu helfen den Mann aufzurichten. Währenddessen verbieten mir die anderen Männer im Saunaraum mich einzumischen  und versuchen mich von meinem Vorhaben abzubringen. Dies sei ein fairer Wertkampf betonen sie immer wieder. Ein anderer Mann sagt mir, der dicke Mann könne mich nur aus der Entfernung sehen und damit er mich nicht erkenne, dürfe ich ihm nicht zu nahe kommen.
Als wir letztendlich in der Umkleidekabine angekommen sind unter viel Mühen und Protestrufen, hat der dicke, in sich zusammengesackte  Mann sich etwas erholt.
Er halte mich nach wie vor für Mickey Mouse, sagte er mir damals.

                    Bielefeld nach einem Traum 1989

Anmerkung von Tomcat22:

Ein Alptraum von mir wohl eher für meinen Psychiater furchbarer Weise eines in der Sauna eingesperrten isolierten gequälte Mannes


 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Stelzie (55) (28.03.2018)
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Tomcat22 meinte dazu am 01.04.2018:
ganz unterschiedlich was meine Träume betrifft hatte sogar schon luizide Träume die in der Realität so eingetroffen sind als Kind habe ich im Traum mit einer Schlange gekämpft und bin schweißgebadet aufgewacht neben einem zerwühltem Bett hatte auch schon Visionen bei Tagbewusstsein von der Schönheit der Natur wie im Paradies wo der Mensch als Ebenbild Gottes wie im Paradies das schafft was er liebt und das liebt was er schafft. Helmut Schmidt sagte mal Menschen die solche Visionen haben sollten zum Psychiatern gehen und so war`s dann auch bei mir, für die Psychiater und meine normale Umwelt war ich ein Fall für die Klapse und Psychopharmaka... dabei war dieses andere magische traumhafte Erleben für mich viel näher an dem wesentlichen in der Liebe zu dem für mich als Gnostiker von Gott geschenktem Leben, bis heute muss ich mit diesem Spagat lernen zu leben. Wie iss das mit dem träumen und dem tatsächlichem Leben in dieser Zeit bei dir?
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Stelzie (55) antwortete darauf am 02.04.2018:
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Dieter_Rotmund schrieb daraufhin am 23.03.2020:
Echt? Ich glaubte zu erahnen, dass es um exzentrische Freibadbesucher jenseits der 80-Jahre-Altersgrenze ginge, die sich prügeln.
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Tomcat22
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Veröffentlicht am 28.03.2018. Textlänge: 475 Wörter; dieser Text wurde bereits 319 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 18.09.2021.
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