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Erzählung zum Thema Alleinsein


von apocalyptica

Teil 2/3 - Stumme Augen sehen anders

[…]

Sein Leben war ein einziger Kampf, damals schon, als ihn die anderen Kinder hänselten. Er hörte nicht, was sie ihm hinterherriefen, aber er sah und fühlte, wie sie mit den Fingern auf ihn zeigten und Grimassen schnitten, ihn auslachten und offensichtlich dachten, er sei geistig zurückgeblieben, ein Narr, ein Hanswurst für alle anderen. Anders aber die Touristen, von denen der Vater Portraits und Scherenschnitte anfertigte und so seinen kargen Lebensunterhalt verdiente. Sie bedauerten den armen Jungen, strichen ihm über den Schopf und steckten ihm dann und wann ein paar Centimes zu. Nein, er hatte nie darum gebettelt, aber die Menschen waren nun mal so. Meistens war es ihm unangenehm, aber er merkte bald, dass dieses Geld dem Vater sehr willkommen und zur Aufbesserung der Kasse bitter nötig war.

Dann, irgendwann später, hatte ihm der Vater ein paar Stifte und einen Block in die Hand gedrückt. Er sollte malen, zeichnen. Aber meistens war er lieber zum Kuppeldach der Sacré Coeur hinaufgeklettert, hatte dort die Tauben mit den Brotkrumen aus seiner Hosentasche gefüttert und den unvergleichlichen Blick über die Stadt genossen. Er liebte diese einzigartige Silhouette, die ihn in ihren unwirklichen Zauber bannte, er atmete und trank sie. Nur hier oben war er mit sich und seiner so stillen Welt versöhnt.

Doch all das war nun Vergangenheit, sein Vater war eines Morgens nicht mehr wach geworden und hatte ihn nun völlig allein zurückgelassen. Er hinterließ nichts außer ein paar Münzen, einem Stück Leinwand und einem alten abgegriffenen Bildchen von einer jungen, dunkelhaarigen Frau mit einem geheimnisvollen Lächeln. Wer mochte diese Frau sein? Er hatte das Bildnis noch niemals zuvor gesehen, aber das übernatürliche Lächeln faszinierte ihn und ließ ihn seitdem nicht mehr los. Sollte das etwa seine Mutter gewesen sein, die doch in seiner Vorstellung ganz anders aussah? Er wusste es nicht und er würde es auch nie erfahren. Das Bildchen hatte er seinem Vater mit ins Grab gegeben.

Und dann hatte er sich an die Stifte und den Block erinnert und plötzlich gewusst, was er zu tun hatte. Seitdem stieg er damit jeden Morgen zur Basilica hoch und setzte sich zwischen die anderen Maler. Dort zeichnete er mit wenigen, äußerst geschickten, nahezu virtuosen  Strichen die Gesichter der Menschen, die ihm zuvor in der Metro gegenüber gesessen hatten. Doch unter seinen Händen schienen diese Gesichter nicht mehr gehetzt und grau, sondern sie zeigten ein ganz besonderes Strahlen, manchmal sogar ein rätselhaftes Lächeln, aber eben nur manchmal.

Es dauerte bloß wenige Wochen, bis er allen anderen auf dem Platz den Rang abgelaufen hatte. Die Touristen ließen sich vorwiegend von ihm portraitieren, weil er seinen Bildern und damit ihren Gesichtern eine ganz besondere Note verlieh, die sich keiner erklären konnte. Nein, er beschönigte nichts. Menschen mit Runzeln blieben Menschen mit Runzeln und eine schiefe Nase wurde nicht gerade, dennoch konnte er einem jeden Antlitz etwas Schönes abgewinnen und eben dies betonte er in seinen Bildern ganz meisterhaft.

Sollte er nun doch seinen eigenen Weg gefunden haben, die anderen Menschen mit seinen Augen sehen zu lassen? In sich selbst hinein zu horchen ohne hören zu können?

[…]

 
 

Kommentare zu diesem Text


AZU20
Kommentar von AZU20 (17.04.2008)
Meine Liebe, mehr davon. Entfalte es langsam, baue Überraschungen ein. Ich bin gespannt. LG
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apocalyptica meinte dazu am 18.04.2008:
Danke, lieber Armin. Ich freu mich wirklich über dein Interesse an meiner Erzählung. An deinem Kommentar sehe ich, wie wichtig es manchmal sein könnte, einen Lektor zur Stelle zu haben, der von vornherein begleitend kommentiert.
Die langsame Entfaltung bzw. die Möglichkeit dazu habe ich mir selbst genommen, indem ich die Geschichte von vornherein auf drei Kapitel begrenzt habe. Es ist für mich absolutes Neuland, einen Mehrteiler zu schreiben und dabei den ernsten Hintergrund zu wahren. Und da habe ich den roten Faden recht kurz gewählt...
Nun, ich werde sehr gerne deine Worte für die Zukunft beherzigen!
Ganz herzliche Grüße dir von der -bea
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Kommentar von steyk. (55) (17.04.2008)
Ich schließ den ersten Teil in meinem Kommentar mit ein, liebe –bea.
Du hast sehr eindringlich eine Geschichte über einen taubstummen Menschen erzählt, die ich mit großem Interesse gelesen habe.
Zu meinen Freundeskreis gehört ein Taubstummer. Er wohnt seit über 15 Jahren im selben Haus, direkt unter mir, ist Koch (ein ganz hervorragender), hat eine hörende Freundin und liebt Rockmusik, die er fühlt. Im Laufe der Jahre hat er mir die Gebärdensprache beigebracht, obwohl ich längst verstehe, was er spricht. Anfangs hatte ich da ziemliche Schwierigkeiten.
Die von dir geschilderte Resonanz auf die „Behinderung“ des jungen Mannes in der Kindheit, was die Mitschüler, deren Eltern etc. betrifft, kann ich nur bestätigen. Meinem Freund erging es ähnlich und oft ist es auch heute noch so.
Ich bin auf die Fortsetzung gespannt.
Liebe Grüße
Stefan
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apocalyptica antwortete darauf am 18.04.2008:
Ein ganz herzliches Dankeschön auch an dich, lieber Stefan. Ich weiß, dass du meine Texte sehr aufmerksam liest und daher auch den Hintergrund zielsicher erkennst. Ja, wir alle sollten unser Verhalten gegenüber "Außenseitern" überdenken und jedem Menschen eine Chance geben, ihn nicht direkt in die passende "Schublade" stecken und dort vergessen...
Ich grüße dich lieb in dein Wochenende und hoffe, dass du bald wieder richtig fit bist!
Bis bald, die -bea
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