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Schrei

Kurzgeschichte zum Thema Trauer/Traurigkeit


von Seelensprache

Der Fluss lag ruhig wie ein Gestorbener in seinem Grab. In seinem Auge spiegelten sich die Lichter der Stadt wider. Ich stand dort und blickte hinab. Ich nahm einen Stein und warf ihn ein paar Meter hinaus. Für einen kurzen Moment hatte ich die Stille aus ihrem Schlaf gerissen. "Platsch", hatte es geklungen. Doch nur wenig später, waren ihre Augen wieder zugefallen. Die Wasseroberfläche zitterte, wie die Seiten einer Harfe.
Wie schnell sich das Leben veränderte. Mit jedem Schritt und jedem Atemzug wirkte ich, wirkte ein jeder und alles das lebte. Ich wusste nicht, aus welcher Hand jener kleine Stein geboren war, der nun gen Grund sank. Doch ich hatte ihm einen neue Richtung gegeben. Ob es ihm gefallen würde, dort unten? Wahrscheinlich hatte er noch nie im Flusswasser gebadet und niemals einen Fisch schwimmen sehen. Nun würde er all dies kennenlernen und sich daran erfreuen können. Was aber, wenn er die Sonne, das Blühen der Blumen und das geschäftige Treiben der Menschen liebte? Konnte ich dies wissen? Was, wenn ein kleiner, dunkler Spalt sein neues Zuhause werden würde? Was, wenn er einsam Tränen in den Strom des Flusswassers weinte? Würde nicht auch der Fluss traurig werden und das Wasser bitter und trübe? Und würden nicht die Menschen weinen müssen, wenn sie aus ihm tranken und ihre Körper darin reinigten? Würde nicht seine Traurigkeit zu ihrer werden und ihre zu der der Welt?
Zuerst war ich nachdenklich. Dann grinste ich; verrückte Gedanken.
Ich blickte umher, folgte einem Steg auf seinem Weg ins Wasser. Kleine Boote hatten einen Halt an ihm gefunden. Wie ein Kleinkind in den Armen der Mutter schmiegten sie sich an ihn; die ewig Getriebenen und Heimatlosen.
Plötzlich geschah etwas, das ich noch nie erlebt hatte. Ein Schrei, der selbst einen Tauben hatte zusammenfahren lassen müssen, bebte durch meinen Körper. Erschrocken blickte ich an das Ende des Stegs, dessen Beginn ich gerade noch bewundert hatte. Dort stand jemand. Ich konnte kaum etwas erkennen. Ich sah Hände, die sich auf ein Geländer stützen und einen Kopf, der in das Schwarz der Nacht ragte. Mehr nicht. Ich schaute mich um, ob noch jemand anders in der Nähe war. Ich sah niemanden. Ein Schauer durchlief meinen Körper, wie eine Welle die heiß und kalt zugleich war. Ich sprang auf und rannte los.
Ich sah Schatten, die kamen und gingen. Ich trat in Lichter, die wie Kegel auf der Erde tanzten und doch niemals fielen. Schatten wurden länger und kürzer und formten Gestalten, die mich verfolgten und mich verließen. Dann hatte ich die Bretterschwelle erreicht, die mich hinaus auf den Steg führte. Ich hielt einen Moment inne. Mein Atem hatte mich verlassen. Ich schnaufte. Doch wie einen metallischen Gegenstand zu einem Magneten, zog es mich zu jener Person, deren Schrei wie die Musik des Jenseits geklungen hatte. Wieder begann ich zu rennen. Ich stolperte, doch fing mich. Die Zeit dehnte sich, als zöge man an ihren Enden. Füße, die traten als hätte man sie in ein Fadennetz genäht.
Nur noch wenige Schritte waren verblieben, bis ich sie fassen und ihren Duft riechen konnte. Erneut schrie sie, dass Hände sich zu Krallen formten, Augen in Leere versanken und Falten, tief wie Ozeane, sich über das ganze Gesicht zogen.
Ich war dort. Ich atmete schnell. Nun war es die Luft, die ich davon stieß, die die Stille vertrieb. Es war eine junge Frau, die dort im Lichte einer Laterne auf das Geländer am Ende gestiegen war. Ihre Kleidung weiß und alles an ihr still und ruhig. Sie bewegte sich nicht. Sie stand gerade und aufrecht, wie eine Figur, die man dort hingegossen hatte.
Dann drehte sie sich herum. Sie bewegte sich langsam, als ob die Zeit hinter ihr herhechelte. Dann sah ich sie. Ich regte mich nicht. Nun war ich es der still stand. Ihr Gesicht war erschöpft. Ihre Augen rot und ihre Wangen verweint. Ihr Blick sprach Trauer und keine Hoffnung war darin zu finden.
Ich spürte, dass nun auch ich weinte. Ihre Augen liesen mich nicht gehen. Ihr Mund bewegte sich, doch ich verstand nichts. Ich hörte nichts. Ich war gefangen. Ich war gefangen in ihr. Ihr Gefangener. Ihre Augen erzählten. Ihre Lippen bebten. Ihr Kopf neigte sich und Tränen tropften auf das verwitterte Holz zu ihren Füßen. Ich liebte sie, ich liebte ihre Traurigkeit. Ich spürte sie, ich spürte mich, ich spürte das Leben und den Tod und ich spürte es zur gleichen Zeit. Es war wie Morgen und Abend, wie der Sonnenaufgang im Sonnenuntergang, wie das Schwarz, das sich aus dem weiß nährte, wie Leben das sich aus Tod schuf. Eine Ewigkeit lag in diesem Augenblick in dem alle Freude, alles Leben, alles Leid und jede Hoffnung lagen. Seelen die sich einander nahe waren.
Und in diesem letzten Moment, als verbunden wir uns gegenüberstanden, unsere Münder sich öffneten, die Stirn in dunkle Seelennarben sich legte, Augen im Nichts verschwanden und unsere Körper aus dem Innersten bebten, war es, als zusammen wir in die Traurigkeit des Lebens schrieen. Wir schrieen und die Zeit blieb stehen. Sie stand und stand und stand und tat nichts denn Stehen und hören.
Und als wir fielen und lagen und weinten, da dachte ich an den Stein und den bitteren Fluss und die Traurigkeit der Welt. Ich streichelte über meine Hand und ich streichelte über ihre Hand. Und ich weinte. Es war traurig und es war schön. Es war Ende und Anfang und ich sah sie an, und unsere Blicke wichen nicht voneinander. Und ich sagte "Ich liebe dich du Schöne. Du Lebendige. Du Geschenk dieser Welt."

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