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I) JoeInhaltsverzeichnisIII) Frau Ziegler

II) Emily

Geschichte zum Thema Menschen


von Skala

Der Polo war schwarz und an der Fahrerseite verbeult und zerkratzt. An einigen Kratzern machte sich bereits der Rost breit und der linke Seitenspiegel hing dermaßen schief, dass es nur eine Frage der Zeit zu sein schien, bis er abfiel.
Ich fröstelte leicht, lehnte mich ungeduldig an den Wagen und kreuzte meine Arme. Nach zwei Minuten hörte ich hinter mir Schritte und eine weibliche Stimme fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“
Ich drehte mich um und sah mich einem jungen Mädchen gegenüber, etwa in meinem Alter. Widerspenstiges, dunkelblondes Haar umgab ihr blasses, schmales Gesicht.
„Kommt drauf an“, entgegnete ich. „Je nachdem, wohin du fährst.“ Ich versuchte erst gar nicht, sie zu siezen. Lange hielt ich diese höflichen Floskeln ohnehin nicht durch.
„Suchen Sie nach einer Mitfahrgelegenheit?“ Argwöhnisch sah mich das Mädchen an. Ich streckte ihr meine Hand entgegen.
„Anna. Ich muss nach K., aber mein Taxi dahinten hat eine Panne. Nichts Schlimmes, aber ich bin ein wenig in Eile.“
„Emily“, antwortete sie zögernd und nahm meine Hand. „Ich muss auch nach K. Wenn du willst, kannst du mitfahren.“
„Finde ich super!“ Ich strahlte sie an.
„Komm“, sagte Emily, „ich habe es auch ein bisschen eilig.“ Sie schloss auf und setzte sich auf den Fahrersitz. Ich stieg auf der Beifahrerseite ein und stellte meinen Rucksack wieder auf die Rückbank.
„Darf ich mal eben?“, fragte Emily, beugte sich über meine Knie, öffnete das Handschuhfach und warf ihr Portemonnaie hinein. 
Verstohlen betrachtete ich sie von der Seite. Zwar war mir auf den ersten Blick ihre Blässe aufgefallen, doch erst jetzt registrierte ich die dunklen Schatten unter ihren grauen Augen, welche hinter ihrer Brille eindeutig nicht richtig zur Geltung kamen. Ihre Nase wirkte ein wenig zu groß für ihr Gesicht, was ihr aber ein markantes Aussehen verlieh. Ich dachte ein bisschen wehmütig an meine Stupsnase, schon immer hatte ich mir eine größere, leicht gekrümmte Nase gewünscht.
Emily sagte erst einmal nichts. Sobald wir wieder auf der Autobahn waren, stellte sie das Radio an, und plötzlich perlten leise Sitarklänge durch das Auto.
Ganz und gar nicht mein Geschmack.
Leider schien dieses Geklimper jedoch Emilys Lieblingslied zu sein, denn sie drückte nach Ende des Liedes auf einen Knopf und ließ den ganzen Schund noch einmal ablaufen. Konzentriert starrte sie dann nach draußen in das wieder einsetzende Schneegestöber, trommelte jedoch gleichzeitig mit den Finger im Takt auf dem Lenkrad herum.
Wirklich abwechslungsreiche Gesprächspartnerin.
„Äh, sorry“, sprach ich Emily an. „Kannst du vielleicht das Gedudel hier ausstellen? Das ist ja fürchterlich.“
Im nächsten Moment warf es mich nach vorn in den Sicherheitsgurt hinein, als Emily hart auf die Bremse trat und halb auf dem Standstreifen, halb auf der rechten Spur zu stehen kam.
„Hast du einen Knall?“, japste ich, als ich wieder im Sitz saß. „Wir sind auf der Autobahn!“
„Hast DU eigentlich einen Knall?“, fauchte Emily jetzt zurück und ignorierte geflissentlich das Auto, das uns hupend überholte. „Du drängst dich hier auf, ich nehme dich mit, und alles was dir einfällt ist, an meiner Musik herumzukritteln! Das Einzige, was mich davon abhält, dich nicht hier und jetzt rauszuschmeißen ist die Tatsache, dass wir uns, wie du schlaues Kind ja schon unlängst festgestellt hast, auf der Autobahn befinden und ich keinen Bock habe, dafür verantwortlich zu sein, wenn du von irgendeinem übernächtigten LKW-Fahrer über den Haufen gefahren wirst!“
Damit trat sie aufs Gaspedal und der Wagen schlingerte wieder auf die Spur zurück. Emily schien vor Wut zu kochen und, als hätte ich es nicht geahnt, drehte die Musik jetzt voll auf.
Spitze.
„Das macht mich eben so… kribbelig. Nervös halt“, rechtfertigte ich mich etwas kleinlaut. Emily tat, als hätte sie mich nicht gehört, begann jetzt aber, lautstark mitzusingen.
„I once had a girl
or should I say
she once had me…”
Mir reichte es. Verdammt, ich hatte einen wahnsinnig stressigen Tag gehabt, und das Letzte, was ich jetzt noch gebrauchen konnte war ein hysterisches Weib an meiner Seite, das mir mit sentimentalem LSD-Geklimper auf die Nerven ging. Kurzentschlossen streckte ich meine Hand aus und drückte auf „Stop“.
Emily schien die plötzliche Stille gar nicht zu bemerken. Jedenfalls sang sie erst unbeirrt weiter, bevor sie verwirrt den Faden verlor.
„Was war das denn jetzt?“
„Was glaubst du denn, was das war?“, knurrte ich. „Ich habe auf „Stop“ gedrückt. Mann, nichts gegen Musik, aber kannst du nicht bitte eine vernünftige CD reinschieben?“.
Emily schwieg.
„Was soll das? Krieg ich jetzt nicht mal ’ne vernichtende Antwort?“
Wieder Schweigen.
Ich rollte die Augen. „Du bist echt seltsam. Weißt du das?“
Emily blinkte jetzt. Sie fuhr von der Autobahn ab. Zwischen ein paar leuchtenden McDonalds-Reklametafeln konnte ich einen pinken Schriftzug erkennen.
MOTEL
Emily hielt an, beugte sich wieder über mich hinweg, öffnete meine Tür von innen und gleichzeitig meinen Sicherheitsgurt.
„Raus hier“, sagte sie schneidend. „Kannst dir hier ein Bett suchen oder auf der Straße pennen. Aber jetzt verpiss dich.“
Ich starrte sie verblüfft an. „Kannst du nicht machen, das…!“
„Kann ich nicht? Wirst du gleich sehen! Mach jetzt ’ne Biege!“
„Warum bist du eigentlich so aggro?“, rief ich.
„Und warum bist du so eine verwöhnte Zicke?“, konterte sie. „Das hier ist mein Auto, klar, und mir ist egal, wie dein Tag war und warum dir die Musik auf den Keks geht, weil verdammt noch mal ich hier entscheide, was läuft!“
Schwer atmend ließ sie sich in ihren Sitz zurückfallen. Dann sah sie mich von der Seite her an.
„Versprichst du mir, von jetzt an die Klappe zu halten?“
„Ist gut“, grummelte ich.
„Dann mach die Tür wieder zu“, forderte Emily mich auf, wartete bis ich wieder angeschnallt war und fuhr dann los. Die Musik dudelte weiter.
Ich hatte ihr versprochen, still zu sein, aber dies widersprach ganz und gar meiner Natur.
„Weißt du was?“, fragte ich Emily schließlich. „Ich finde dich ganz schön komisch.“
„Na, da haben wir ja schon mal was gemeinsam“, knurrte Emily und gab heftiger Gas, als es nötig gewesen wäre.
„Ne, guck mal“, erklärte ich, „erst sagst du nichts, sitzt da wie ein richtiges… na ja, Mauerblümchen sage ich mal, und dann gehst du voll auf die Palme, sobald ich einmal was sage! Das ist doch komisch, meinst du nicht?“
„Was du nicht sagst“, sagte Emily mit zusammengebissenen Zähnen. „Sonst noch irgendwelche Gemeinheiten auf Lager, die du mir an den Kopf werfen kannst?“
„Das ist doch nicht…“, fing ich an, sah jedoch nach einem Seitenblick auf Emilys Profil, dass ich sie schwer verletzt hatte. „Was ist das überhaupt?“, fragte ich und nickte mit dem Kinn in Richtung CD-Spieler.
„Ein CD-Player, was sonst!“
„Ich meinte die Musik, Mensch!“
Emily schielte kurz zu mir herüber. „Interessiert dich das wirklich oder fragst du das nur um dich jetzt einzuschmeicheln?“
„Spielt das eine Rolle?“
Sie zuckte die Schultern. „Weiß nicht.“ Und verfiel wieder in Schweigen. Nach ein paar Minuten, als der Sänger jetzt auf Französisch irgendeine Michelle angrub antwortete sie, leicht widerwillig: „Sind die Beatles.“
„Aha. Hab ich schon mal von gehört.“
„Solltest du auch.“ Emily lachte kurz auf, doch es klang nicht fröhlich. „Hey, mir ist noch nie so ein Freak wie du begegnet.“
„Was soll das denn heißen?“, fragte ich beleidigt.
Sie winkte ab. „Vergiss es.“
„Freak musst du gerade sagen“, meinte ich. „Bist du eigentlich immer so mies drauf?“
„Wieso?“, fragte Emily. „Bin ich mies drauf?“
„Bist du.“
„Kann sein.“ Emily blickte starr durch die Windschutzscheibe.
„Sag mal“, drängte ich, jetzt doch interessiert.
„Wärest du nicht scheiße drauf, wenn du erfahren hättest, dass dein Vater im Sterben liegt?“ Sie blinzelte kurz und wischte sich mit der linken Hand über die Augen.
„Wie jetzt?“ Ich hatte alles erwartet, aber nicht das.
„Na ja… eigentlich… also, eigentlich studiere ich in M., komme aber ursprünglich aus K. Ich wusste, dass mein Vater krank war, aber heute morgen rief dann meine Mutter an, es besteht keine Hoffnung mehr. Keine.“ Emily brach ab.
„Was hat er denn?“, fragte ich, nun wirklich betroffen.
„Lungenkrebs“, antwortete sie. „Hat gestreut. Ist jetzt überall, Hirn und so. Sie geben ihm nicht mehr lange.“ Eine Träne rollte über Emilys Wange und tropfte dann in ihren Schoß. Mit dem Handrücken wischte sie die feuchten Spuren ab. Dann schlug sie mit der flachen Hand auf das Lenkrad. Der Hupton hallte laut durch die Winternacht.
„Pass auf die Straße auf“, sagte ich besorgt.
„Verdammt“, rief Emily, „alles nur wegen dieser Scheiß Zigaretten! Das ist doch… krank so was! Sich selbst zu killen nur weil man es nicht lassen kann, zigmal am Tag Teer und weiß der Geier nicht was durch die Lunge zu ziehen! So ein…“ Sie brach ab, atmete ein paar mal tief durch.
„Tut mir leid“, sagte sie dann. Ich nickte, dachte irgendwie schuldbewusst an die Packung Marlboro, die in der Innentasche meines Parkas nur darauf wartete, angebrochen zu werden.
Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Emily hatte die Musik lauter gestellt. Ab und zu meinte ich, ein Schluchzen zu hören.
„Wo musst du denn hin?“, fragte sie, als wir die Autobahn verließen. „Soll ich dich irgendwo absetzen?“
„Kommst du am Hauptbahnhof vorbei?“, fragte ich.
„Nicht ganz, macht aber nichts. Ich bring dich hin.“ Emily seufzte. „Auf zehn Minuten mehr oder weniger kommt es auch nicht an, denke ich.“
„Musst du nicht“, sagte ich schnell. „In den zehn Minuten kann einiges passieren.“
Emily schüttelte den Kopf. „Ist schon okay“, sagte sie. „Ich bin ganz froh, wenn ich noch ein bisschen Zeit für mich habe. Weißt du, ich habe vier jüngere Geschwister, meine Mutter hat seit über zwanzig Jahren nicht mehr gearbeitet… Bin froh, wenn ich für zehn Minuten einfach die Studentin in ihrem kleinen Auto sein kann.“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Also schwieg ich, bis Emily den Wagen anhielt und mir bedeutete, auszusteigen.
„Dankeschön“, brachte ich hervor. „Und… viel Glück noch!“
Emily lächelte traurig. „Dir auch“, sagte sie.
Dann schloss ich die Tür und sie fuhr davon. Ich betrat die Bahnhofshalle und hörte gerade, wie über Lautsprecher meine Bahn angekündigt wurde.


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Kommentar von WhiteDevil (20) (12.12.2008)
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