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InhaltsverzeichnisII) Emily

I) Joe

Geschichte zum Thema Menschen


von Skala

Eigentlich hatte ich mich immer dagegen gewehrt, per Anhalter zu reisen. „Das ist zu gefährlich“ hatte mir schon meine Mutter immer eingebläut. „Die warten nur darauf, dass eine einsteigt und dann bringen sie dich um.“ Wer ‚die’ waren, hat sie mir nie so richtig erklärt, aber das war ich von ihr gewohnt.
Die jetzige Situation brachte es allerdings irgendwie mit sich, dass ich eine Mitfahrgelegenheit suchte. Ich meine, es gibt wirklich nicht Ungemütlicheres, als tropfnass an einer Autobahnauffahrt zu stehen, noch dazu im Dunkeln. Ohne Geld in der Tasche und vor allem ohne Handy. Daher zögerte ich auch gar nicht lange und hielt meine Hand mit ausgestrecktem Daumen vor mich hin. Wenn ich Glück hatte, fand ich ein Auto ohne einen psychopatischen Massenmörder.
Nach etwa zwei Minuten kamen von links zwei Scheinwerfer auf mich zu. Ich blinzelte gegen das helle Licht und reckte meine Hand noch weiter auf die Straße hinaus.
Tatsächlich hielt das Auto an. Ich hatte keine Ahnung, welche Marke es wahr, dazu fehlte mir das nötige Sachverständnis, wie immer eigentlich. Ich sah nur, dass die Farbe grau war.
Ich beugte mich hinunter und klopfte an das Fenster. Der Fahrer kurbelte die Scheibe herunter.
Eigentlich war er nicht der Typ, zu dem ich gern ins Auto gestiegen wäre. Spärliches, rötliches Haar hing ihm in den Nacken und seine grünen Augen musterten mich wie eine Scheibe Wurst an der Fleischtheke. Allein die Tatsache, dass kein weiteres Auto in Sicht wahr, und er ein kleines, schmächtiges Kerlchen zu sein schien, brachte mich dazu, zu fragen: „Könnten Sie mich ein Stück mitnehmen?“
Er hob die rechte Hand zum Mund in der er, wie ich jetzt sah, eine Zigarette hielt. Er machte einen tiefen Zug und fragte mich dann: „Wo soll’s denn hingehen?“
„Wo fahren Sie denn sowieso hin?“, fragte ich zurück. Er kicherte leise. „Immer nach Norden, Richtung K. Passt das?“
„Läuft“, antwortete ich.
„Also“, sagte er, „steig schon ein!“
Ich lief vor der Kühlerhaube um das Auto herum, öffnete die Beifahrertür und hievte zuerst meinen Rucksack auf die Rückbank und dann mich auf den vorderen Sitz.
„Vielen Dank“, sagte ich.
Der Fahrer grinste und drückte seine Zigarette in dem ohnehin schon überquellenden Aschenbecher aus. „Ist mir eine Ehre“, erwiderte er und bedachte mich mit einem flüchtigen Blick. „Ganz schönes Sauwetter da draußen, nicht?“
„Richtig“, sagte ich und starrte auf den Schneeregen, der an die Windschutzscheibe klatschte. Die Scheibenwischer des alten Wagens vermochten kaum gegen ihn anzuarbeiten.
„Und kalt.“ Der Fahrer konzentrierte sich jetzt voll auf die Straße. „Wie kann ich dich nennen? Ich meine, wenn mir schon so ein Goldfisch ins Netz geht…“
Ich fühlte, wie sich die Haare auf meinen Armen aufstellten. „Nenn mich einfach… Anna, okay?“
Er blickte mich wiederum flüchtig an. „Das ist aber nicht dein richtiger Name, oder?“
„Tut das etwas zur Sache?“, fragte ich etwas aufmüpfig.
Er kicherte wieder meckernd. „Gut. Dann nenn mich Joe.“
„Was wohl auch nicht dein richtiger Name ist“, murmelte ich leise, aber er hatte es dennoch gehört.
„Tut ja auch nichts zur Sache, oder?“
Genau, dachte ich. Wenn du mich umbringen und verscharren willst, ist es vollkommen egal, wie das Opfer und der Täter heißen.
Eine zeitlang starrten wir beide nach draußen in das Unwetter. Plötzlich und unvermutet richtete Joe jedoch eine Frage an mich:
„Was macht so ein junges, hübsches Mädchen wie du eigentlich in so einem Sauwetter an der Straße?“
„Also, auf den Strich gehe ich nicht“, sagte ich vage.
„Hätte ich auch nicht gedacht“, antwortete Joe. „Ne, sag mal. Oder ist das ein Geheimnis?“
„Ich erzähl dir meine Geschichte erst, wenn du mir deine erzählt hast“, erwiderte ich. „Zeit haben wir ja.“
Er lachte. „Also gut. Was willst du wissen?“
Ich überlegte. „Okay. Fangen wir hinten an: Hast du vor, mich heute umzubringen?“
Joes Grinsen verschwand. „Sollte ich?“ Es entstand eine längere Pause. „Ich meine, sehe ich irgendwie so aus?“
„Schon“, gestand ich.
„Da muss ich dich leider enttäuschen“, meinte Joe. „Wieso? Möchtest du unbedingt umgebracht werden?“
„Ne“, sagte ich. „Aber hätte ja sein können, dass du irgendein Psychopath bist.“ Ich dachte wiederum kurz nach. „Hast du Familie?“
„Jep“, sage er. „Hättest du nicht gedacht, oder?“
„Nein“, antwortete ich ehrlicherweise. „Ich dachte, du wärst Single und würdest höchstens mal irgendwelchen für dich unerreichbaren Mädels hinterher pfeifen.“
„Ich habe eine Frau und zwei Kinder“, fuhr er fort. „Beide haben das Down-Syndrom.“
„Oh“, sagte ich, nun ehrlich betroffen, doch schnell gewann meine Kaltschnäuzigkeit die Überhand. „Also, wo kommst du jetzt von so weit her? Allein?“
Einen Moment hatte ich den Eindruck, er würde wütend werden. Aber dann erinnerte er sich offensichtlich daran, dass er mir versprochen hatte, mir zuerst seine Geschichte zu erzählen.
„Ich komme von der Beerdigung meines Onkels“, sagte er. „Im Süden. Klar, da konnte ich meine Kids nicht mitnehmen, und daher ist meine Frau auch zuhause geblieben.“
„Tut mir Leid. Das mit deinem Onkel.“
„Halb so wild“, meinte Joe und zuckte mit den Schultern. Dann grinste er. „Muss nicht immer tragisch sein, so ’ne Beerdigung.“
„Totgelacht habe ich mich bei einem Begräbnis bis jetzt noch nicht.“
Joes Grinsen wurde noch ein wenig breiter. „Ich hab Onkel Gottfried nie sonderlich nahe gestanden“, erklärte er dann, „und ich bezweifle, dass es viele gab, die das wirklich von sich behaupten konnten. Ich meine – er war nicht unbedingt eine Seele von Mensch. Dafür aber eine Masse von Mensch.“ Er lachte kurz auf, ein meckerndes Lachen. „Zwei Zentner, zweieinhalb, ich bin mir nicht ganz sicher. War froh, dass ich nicht einen dieser Sargträger darstellen musste, bei der ganzen Chose. Die mussten sich einen abschleppen, sag ich dir. Dass sie den auch nicht eingeäschert haben… na ja, der Sarg hätte vielleicht nicht in den Verbrennungsofen gepasst, was meinst du? War ’ne Extraanfertigung.“ Er unterbrach sich. „Wobei er ja eigentlich nichts dazu konnte – zum Gewicht, meine ich. Hatte irgendeine Krankheit. Und Tante Maggie stand immer daneben wie ein Gerippe. Das war ein Paar, sag ich dir.“
„Wenn sie sich besser verstanden, als sie nebeneinander ausgesehen haben“, wandte ich ein.
„Haben sie mitnichten. Die waren wie Hund und Katz. Nachdem, was meine Oma – Gott hab sie selig – so erzählt hat, wollten sie gar nicht heiraten, aber da war ihnen wohl was dazwischen gehagelt. Meine Cousine. Also, was soll ich sagen, waren eben noch andere Sitten damals. Na ja, wir waren ja nicht oft da, als ich klein war, aber jedes Mal war die Stimmung dort dermaßen arschkalt, dass ich immer froh war, wenn wir wieder fuhren. Er war so ein richtiger – wie sagt man, Patriot? – ne, warte mal, Patriarch war der. Hat permanent durchs Haus gebrüllt und die Tante zur Schnecke gemacht, wenn irgendwas war. Und an uns herumgekrittelt, oh ja. Sie – also unsere Tante, und meine Eltern irgendwie auch – haben sich alles gefallen lassen und ihm im Nachhinein die Pest an den Hals gewünscht.“
Joe hatte seine rechte Hand vom Steuer gelöst und tastete nach einer Wasserflasche, die in meinem Fußraum stand. Ich bückte mich, hob sie auf und öffnete sie ihm sogar. Fehlte nur noch, dass er den Wagen gegen einen Baum setzte.
„Danke“, sagte er, nahm ein paar durstige Zügen und gab mir dann die Flasche zurück.
„Und dann waren alle Gestalten da, heute“, erzählte er weiter während ich die Flasche wieder verstaute. „In riesigen, schwarzen Trauerlaken – weißte schon, ne? Und die Ladies hatten alle so ’nen Pott auf dem Kopf, schlimmstenfalls auch noch mit so Flatterband dran oder Blümchen drauf. Und alles in Schwarz und Grau. Schrecklich, nicht? Alles so einfarbig. Ne, warte mal, meine Nichte – ist jetzt sechzehn und dermaßen pubertär – trug so eine abgeschnittene Fransenjeans und einen knallgelben Pullover. Hatte zu allem Übel auch noch einen pinken Schal um. also, ich fand’s gar nicht schlecht, aber das hätte beinahe ’ne Szene gegeben, sag ich dir. Auf dem Friedhof. Mein Bruder wollte ihr erst so ’ne typische Vaterpredigt halten, hat sich’s dann aber anders überlegt. Aber die Jessy – so heißt meine Nichte – hat nur gesagt: „Jeder sollte die Farbe seiner Trauer selbst wählen, oder?“ Da wären die ganzen alten Schabracken fast in Ohnmacht gefallen, und der Pastor, wie der geglotzt hat, das war traumhaft.“
Joe kicherte vergnügt in sich hinein bevor er fortfuhr: „Aber der Brüller war ja die Predigt in der Kirche. Weißte, mein Onkel war so einer, der den ganzen Geiern immer wie im tiefsten Mittelalter den zehnten oder was in den Rachen geworfen hat, nich’ selten auch noch was extra; `Wofür denn das?´, hab ich immer gedacht. Jetzt weiß ich’s, dafür kriegste dann auf deiner Beerdigung zwei Pfund Honig um’s Maul geschmiert. Herr Obergeier – also, der Priester mit dem albernen Hut – hat dann immer wieder seinen Großmut erwähnt und die ganzen alten Tanten, seine Frau und seine Schwester und so, denen gegenüber er immer so knickerig war, haben sich alle mit ihren besten, gebügelten Spitzentaschentüchern brav die Tränchen aus den Augen getupft. Na ja, und zum Schluss war dann die ganze Trauer wie weggeblasen und alle haben sich brav beim Leichenschmaus den Bauch vollgeschlagen. Das –“
Joes nächste Worte gingen in einem lauten Klappern unter und was als nächstes folgte war ein panischer Blick in den Rückspiegel. „Mist“, fluchte er und verringerte das Tempo. „Ich glaube, das war der Auspuff.“
„In fünfhundert Metern kommt eine Tankstelle“, sagte ich und spähte mit zusammengekniffenen Augen auf das Schild, dass sich langsam näherte.
„Bestens“, knurrte Joe. „Dann werde ich das wohl mal checken lassen. Die werden ja wohl hoffentlich einen Bastelheini mit so’n paar Ersatzteilen dahaben, will meine Nacht nämlich nicht an ’ner Autobahntanke verbringen.“
Ich dachte mir meinen Teil, sagte aber nichts. Joe erriet allerdings auch so, was ich dachte. „Du suchst dir dann wohl besser ’ne andere Mitfahrgelegenheit, wenn du pünktlich wegkommen willst. Fährt ja vielleicht wer in deine Richtung.“
„Werde ich wohl. Aber trotzdem vielen Dank für’s Mitnehmen.“
„Keine Ursache“, nuschelte Joe, als er seinen Wagen direkt vor der Eingangstür des Tankstellengebäudes zu stehen brachte. Wir beide stiegen aus, Joe ging direkt hinter sein Auto und beugte sich nach unten. „Tja, das lasse ich wohl besser mal nachgucken.“ Er legte seine Hände auf das Autodach und atmete kurz und tief durch. Dann sah er mich durchdringend an. „So, jetzt habe ich die ganze Fahrt über gelabert und du bist mir noch deine Geschichte schuldig.“
Ich zuckte die Schultern. „Ach, nichts Besonderes eigentlich. War halt mal auf gut Glück losgefahren und jetzt ist mir das Geld für ein Rückticket ausgegangen.“
Joe runzelte die Stirn, nickte dann jedoch, winkte mir noch kurz zu und begab sich dann zur Kasse. Ich hingegen amüsierte mich erst über seine extremen O-Beine und sah mich dann suchend um. Irgendwie musste ich ja weiter kommen und ich hatte bereits einen altersschwachen Polo ins Auge gefasst…


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Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Joe (52) (01.12.2008)
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Skala meinte dazu am 01.12.2008:
Der kommt im letzten Kapitel... wird, hoffe ich, kickig genug...
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Joe (52) antwortete darauf am 01.12.2008:
Diese Kommentarantwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Skala schrieb daraufhin am 01.12.2008:
Keine Ursache... harre mal weiter, dauert nicht mehr lange...
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Kommentar von WhiteDevil (20) (12.12.2008)
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