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Der Wink des Himmels

Geschichte zum Thema Menschen


von Skala

Das Mädchen war nett gewesen. Netter als die ganzen Leute sonst. Die waren ja alle immer so überheblich zu mir. Eigentlich war ja außer meiner Schwester noch nie jemand nett gewesen. Na ja, und den Leuten von den SOS-Kinderdörfern. Aber die wollten mich ja auch nicht mehr haben, seit ich ab und an die Namen der Kinder vergaß.
Aber Spenden sammeln für eine gute Sache war ja auch schön. Und manchmal traf man eben sehr nette Menschen, wie das blonde Mädchen. Hat mir viel erzählt, die Kleine, und war auch wirklich an meiner Schwester und den Katzen interessiert.
Aber dann musste sie ja so plötzlich gehen. Schade eigentlich.
Jetzt saß ich also allein in der Bahn. Die Lampe an der Decke flackerte. Das war bestimmt nicht gut für meine Kopfschmerzen. Ich schüttelte die Spendendose und versuchte, zu schätzen, wie viel Geld ich wohl eingenommen hatte. Bestimmt nicht genug, um alle Kinder in dem Dorf in Brasilien in die Schule zu schicken, aber besser ein bisschen, als nichts.
Plötzlich fiel mir etwas unter der Bank auf. Ein Rucksack, dunkelbraun, von einer dieser neuen Marken, die die jungen Leute heutzutage alle haben.
Er konnte nur dem Mädchen gehören.
Ich musste ihn natürlich zu ihr zurückbringen, alles klar, drum stand ich auf und ging zur gegenüberliegenden Seite. Zuerst schaute ich, ob ich ein Namensschild fand. Tat ich leider nicht. Früher hatte es noch diese praktischen Lederanhänger gegeben, da konnte man seinen Namen, seine Adresse und Telefonnummer aufschreiben und wenn man seine Tasche oder seinen Koffer mal verlor, wusste der Finder immer, wem er gehörte.
Da ich außen keine Hinweise auf den Namen des Mädchens fand, zog ich den Reißverschluss auf.
Geld.
Massenweise Geld.
Unsortiert gebündelt, Packen von Hundert- und Zweihunderteuroscheinen.
Und Schmuck. Lose Ketten und mehrere Lederetuis, ich wagte gar nicht, mir vorzustellen, was sich in ihnen verbarg.
Ein Glücksgefühl durchströmte mich.
Was machte es schon, wer das Mädchen war? Das war ein Wink des Himmels, da war ich mir sicher.
Die Kinder würden sich über Schulsachen freuen – nein, nicht über Schulsachen, über eine eigene Schule. Ich freute mich ja jetzt schon.
Moment mal! Ich musste ja gleich aussteigen!
Schleunigst zerrte ich den Reißverschluss zu, schnappte mir meinen Koffer und machte, dass ich aus der Bahn und schnell nach Hause kam.


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