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Ringträger

Erzählung zum Thema Verrat


von Mutter

Zwei Tage später bin ich wieder zurück, stehe wieder in ihrem zugeballerten Flur. Fasse hier und da Zeug an, werfe einen Blick drauf, aber nur vorsichtig. Wenn ich nicht aufpasse, kommt mir der ganze Scheiß entgegen, geht mir hoch. Wie ein Minensucher bewege ich mich im Zeitlupentempo, teste das Eis, bevor ich den ganzen Fuß aufsetze, mein Gewicht auf die dünne Decke bringe.
Die beiden sind weg, für ein paar Tage nach Süddeutschland. So lange braucht es gar nicht – ich bin auch schon bei ihnen eingebrochen, wenn sie nur wenige Stunden weg waren. Auf der Arbeit, zum Beispiel.

Ich kann mich noch genau an das erste Mal erinnern, als ich eingebrochen bin. Hatte meine damalige Freundin in Hannover besucht, und durch ein Missverständnis kam ich Freitagabend, sie war aber noch bis zum nächsten Mittag weg. Unschlüssig stand ich vor ihrer Wohnung, habe da ein, zwei Stunden rumgesessen.
Ich meine, wo soll man in Hannover auch hin? Hannover ist auch zu normalen Zeiten ungefähr so spannend wie die Fußgängerzone in Paderborn nachts um halb vier. Da musste ich mal die Nacht verbringen, weil mein Zug ausgefallen war.
Irgendwann bin ich mit einem Ruck aufgestanden, hatte mein Zeug aus dem Rucksack geholt und die Tür geknackt. Hat keine fünf Minuten gedauert, ein altes Schloss, ohne Sicherheitszylinder.
Dann bin ich in die Wohnung, habe vor lauter Schiss den Atem angehalten. Habe mich dort umgesehen, mir Sachen angeguckt, die ich schon Dutzende Male gesehen hatte, und die ich während der nächsten zwei Wochen noch viele weitere Male sehen würde.
Aber jetzt war es anders. Jetzt befand ich mich in einer Tabuzone, dies hier war verbotenes Gebiet. Man bricht weder in fremde Wohnungen ein noch schnüffelt man in Dingen, die einem nicht gehören.

Ich hätte mich einfach auf die Couch setzen, die Glotze anmachen und mir ein Astra aus dem Kühlschrank holen können. Und ich hätte Petra am nächsten Tag vermutlich sogar glaubhaft versichern können, dass das, was ich getan hatte, harmlos war. Auch wenn ich de facto einen Einbruch begangen hatte.
Aber das tat ich nicht. Ich setzte mich  nicht auf die Couch, und der Fernseher blieb ebenfalls aus.
Ich stöberte in ihren Sachen. Blätterte in Fotoalben, las alte Briefe, manche von mir, und warf einen Blick in ihr Tagebuch. Dabei wechselten sich zwei ganz merkwürdige Gefühle in mir ab – ich kam mir vor wie ein absolutes Arschloch. Ich missbrauchte ihr Vertrauen, ich beging ein Verbrechen, was vermutlich schlimmer war, als sie mit einem anderen zu betrügen. Und gleichzeitig konnte ich nicht aufhören. Es war eine Mischung aus Erregung und Machtgefühl, die mich weiter trieb, die dafür sorgte, dass ich den ganzen Abend in ihrer sprichwörtlichen Intimzone verbrachte. Spionierte, stöberte, schnüffelte.
Und alles so hinterließ, als sei ich nie dagewesen, wie ein vorbildlicher Ostblockspion. Und am nächsten Tag erwartete ich sie auf der Treppe – als hätte ich unterwürfig seit Ewigkeiten dort ausgeharrt.
Ich habe ihr nie erzählt, was ich an dem Abend getan hatte. Wie sehr ich sie hintergangen hatte.

Ich ziehe vorsichtig ein kleines Album aus dem Regal, so ein halbes, in das nicht mehr als ein Bild pro Seite passt. Eigentlich haben Oli und Kristina ihre Bilder, aus dem Urlaub, die Bilder, auf denen auch Julia und ich manchmal zu sehen sind, in großen, echten Alben. Noch bevor ich es aufschlage, durchfährt mich ein Zucken. Ich kann förmlich spüren, es in den Fingerspitzen merken, dass das hier was Großes ist. Es ist mir vorher noch nie untergekommen, bei meinen anderen Schatten-Besuchen in ihrer Wohnung. Genug anderes peinliches Zeug hatte ich gefunden.
Vorsichtig schlage ich das Album auf, nehme den Staub auf dem Cover zur Kenntnis. Sehe Kristina, nackt. Unscharf.
Das ganze Album ist voll von ihr, manchmal in Pose, wenn sie sich einlässt, manchmal lachend, abwehrend. Wenn sie wollte, dass er aufhört.
Auf manchen ist das Licht gut, auf wenigen stimmt alles. Auf den meisten sieht sie unvorteilhaft aus, oder lächerlich.
Und auf einigen ist Oli mit drauf, oder zumindest Körperteile von ihm. Ihrem Harrschnitt nach haben sie die Bilder vor circa zwei Jahren gemacht, vor oder nach unserem gemeinsamen Kreta-Urlaub.
Ich frage mich, warum es die Bilder noch gibt. Geil machen die bestimmt niemanden – nicht Kristina, nicht Oli und nicht mich. Widerwillen kriecht mir über den Körper, und er gilt der unschönen Kristina und dem Schwanz von Oli mindestens so sehr wie mir selbst.
Aber ich muss das machen, kann nicht aufhören. Es erinnert mich an damals, an das Wichsen. Als man mit fünfzehn, sechzehn bis zu einem halben Dutzend mal am Tag onanieren musste, wie zwanghaft. Nicht aufhören konnte. Und sich jedes Mal hinterher fühlte, als müsste man eine ganze Woche duschen.

Ich bin Frodo, ich bin der Ringträger. Unsichtbar dringe ich in die Leben anderer Leute an, erspähe ihre Geheimnisse, decke Unsichtbares auf. Und bin selbst Teil der Schattenwelt. Flackernd, unstet, berührbar nur durch die Gespenster, die ebenfalls diese Welt bewohnen.
Wie oft hatte ich mir geschworen, aufzuhören. Nie wieder Dinge über Menschen zu erfahren, die sie mir nicht selbst erzählten. Nie wieder auf solche Bilder zu stoßen, mich und sie zu erniedrigen.
Aber ich hatte es nie geschafft. Zu groß mein Verlangen, zu stark die Gewohnheit. Immer wieder steckte ich die kleinen Zungen aus Metall ins Schloss, fühlte, suchte, federte. Und öffnete Türen, die besser geschlossen geblieben wären.
Manchmal denke ich darüber nach, wie mein Verhältnis zu meinen besten Freunden, zu Gefährtinnen und Familie wohl wäre, wenn ich nichts über sie wüsste. Weniger.
Vorsichtig gehe ich ins Wohnzimmer, werfe einen Blick auf die vertrocknete Pflanzen am Fenster.
Lasse mich mit einem schweren Seufzer auf das Sofa fallen und greife mir den Spiralbinder, der dort liegt. Ein kleiner Brief, eine Nachricht nur, von Kristina, an Oli. Ich überfliege die Zeilen, muss ein, zwei Mal grinsen, lege ihn dann wieder weg. Meine Arbeit erneut getan.

Als ich die Wohnungstür hinter mir zuziehe, schüttele ich den Kopf. Nicht Frodo.
Ich bin Gollum, Sméagol. Fange bleiche Fische mit bloßen Fingern in der Wohnung von Oli und Kristina.
Unten im Hof schaue ich auf und blinzele in die tief stehende Sonne.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Kitten (36) (01.04.2009)
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Mutter meinte dazu am 01.04.2009:
Oh je ...

*dendramatischenundspektakulärentodvonjuriumschreibengeht*

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Kitten (36) antwortete darauf am 01.04.2009:
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Kommentar von Elvarryn (36) (01.04.2009)
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Mutter schrieb daraufhin am 01.04.2009:
Na, ob das besser wäre? ;)

Nächstes Mal baue ich was ein - so nach dem Motto: Where is Wally ...
Und falls mir dann unabsichtlich was passiert, kann ich behaupten, es sei Absicht gewesen. Fuchsig, oder?

Danke.
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