Wir tragen das Laub der Zeit in den Haaren

Gedicht zum Thema Abstraktes

von  Isaban

und der Wind klatscht ins Gesicht
und am graugewaschnen Zeltdach
sieht man Himmelskörper nicht,
nur bedeutungsschwere schwarze

Leiber, die vom Feld  aufsteigen,
sich zu einem Schwarm erheben
und in rituellem Reigen
Muster in die Höhe legen.

In den Köpfen nistet Dunkles,
das die Sonnenstrahlen frisst
und das Leben und Gelingen
grundsätzlich nach dem bemisst,

was unmöglich war. Du bist
in der Schwebe und ein Blatt,
dessen Zukunft Humus ist.

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Kommentare zu diesem Text

KoKa (45)
(02.10.13)
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 monalisa (08.11.13)
Liebe Sabine, - die bekannten Herbstfarben zu einem neuen Kunstwerk gemischt, in Bildern, die vertraut und so schon in Andeutungen präsent und fühlbar sind. Was mich wirklich fasziniert, sind die Übergänge, die du hier schaffst, das Überblenden von S1 zu S2 - vom Himmel und den bedeutungsschwern scharzen Leibern (die ich zunächst als Wolkenungetüme visualisiere) zu den herbstlichen Vogelschwärmen, die sich formieren und Muster legen: Dann die Brücke von den Vögeln durch das 'nisten' zu den Gedanken und Empfindungen geschlagen, zur 'Herbstdepression' - (Selbst-)Zweifeln und Reflexion in sehr kritischem Licht, wenn die ohnehin raren Sonnenstrahlen gefressen werden, und schließlich der Schwenk zum Blatt, das - in Schwebe - ja nichts weiter als die Vorstufe des Humus ist. Als ob das nicht genug wäre: Nährstoff für neue Generationen von Blättern ...!

Formal ist mir besonders diese 'aufsteigen', das ja eigentlich prosodisch ein Absteigen ist aufgefallen - und in der Tat, leiten die aufsteigenden Leiber, den Abstieg in die eigenen Tiefen ein;

Und das 'grundsätzlich' Bemessen nach dem, was nicht geschafft wurde! Auch hier die Tonbeugung ein deutliches Signal, dem auf den Grund zu gehen sich lohnt.

Da gibts gewiss noch viel mehr Feinheiten zu entdecken, deshalb werde ich bestimmt wieder kommen, liebe Sabine! Und das sehr gern.

Liebe Grüße,
mona
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