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Mein Danebenjob II: Von der Zeitungsausträgerin zur Vollzeit-Zeitungsausträgerin und erste Erfahrungen mit Call Centern

Text zum Thema Erwachsen werden


von unangepasste

Als ich die Schule hinter mir gelassen hatte, kennzeichnete mein Leben vor allem eins: Orientierungslosigkeit. Zunächst arbeitete ich mich von der Zeitungsausträgerin zur Vollzeit-Zeitungsausträgerin hoch. Bald konnte ich von jedem Haus in den Nachbarorten die Aufkleber auf den Briefkästen beschreiben und kannte sämtliche misslungen-kreative Hundewarnungen im Umkreis. Ich lernte die Vorliebe für große Schilder an den Gartentoren kennen: „Betreten auf eigene Gefahr“. Der Briefkastenschlitz grinste mich vom anderen Ende der Treppenstufen an und hatte seine offensichtliche Freude, wie ich einige Minuten dastand, allen Mut zusammennahm und meistens das Wegstück, das als gefährlich ausgewiesen war, wie eine Maus zurücklegte. Manchmal nahm ich das Blättchen auch wieder mit. Dann plagte mich mein Gewissen noch am nächsten Tag, und ich hoffte inständig auf eine Telefonstörung im Hause des Hundebesitzers.
Nach einigen Überlegungen, ob ich Briefträger bei der Post werden wollte – schließlich erforderte der Beruf keine allzu ausgebildete Kommunikationsfähigkeit, eine Eigenschaft, die mir fehlte  –, fasste ich jedoch den Entschluss, neue Bereiche zu erkunden. Eine Anstellung als Briefsortierer scheiterte an den Befürchtungen des Personalchefs, ich könnte nach der Einarbeitung bereits ein Studium beginnen. Zudem missfiel ihm der Begriff „Freie Waldorfschule“ in der Kopfzeile meines Zeugnisses. Daher bewarb ich mich in einem Callcenter.

Tatsächlich wurde ich zum Probearbeiten eingeladen. Um einen großen Tisch saßen rund zehn Jugendliche und junge Erwachsene, alle in der gleichen Situation wie ich. Zuvor hatten wir eine kurze Einweisung erhalten. Jeder bekam mehrere Seiten aus dem Telefonbuch zugewiesen. Die Aufgabe bestand darin, Termine zu vereinbaren und den Beruf des Gesprächspartners in Erfahrung zu bringen. Letzteres allerdings nur, um Anwälte abzuwehren.
Für diese Tätigkeit sollten wir uns einen neuen Namen zulegen. Aufgrund der Verwechslungsgefahr nannte ich mich „Schmidt“. Einen Vornamen brauchte ich nicht. Eine Privatperson hinter der Telefonistin war nicht vorgesehen.
In der Mitte des Tisches lag ein Hinweisblatt, das den Mitarbeitern erklärte, wann ein Gespräch zu beenden war. Gerne auch ohne Verabschiedung. Bestimmte Aussagen und Formulierungen waren zu vermeiden, darunter das Wort „Immobilien“, das von nun an „Steuerersparnis“ lautete.
Die meisten Opfer legten wortlos auf oder unterbrachen mich mit einem knappen Hinweis auf fehlendes Interesse. Plötzlich gelang es mir jedoch, einen Gesprächspartner in einen Dialog zu verwickeln. Mein türkischer Kollege, der am Schreibtisch neben mir saß, horchte auf. „Wann wäre es Ihnen recht?“, fragte ich, während dieser wild gestikulierte. Er deutete immer fordernder auf den Hörer und auf sich. Ich schüttelte den Kopf und füllte weiter den Fragebogen aus.
Noch am selben Abend kündigte ich. Ich ging zu meinem Chef, der sich am anderen Ende des Großraumbüros befand und in eine Unterhaltung vertieft war. Während ich wartete, schnappte ich Satzfetzen auf: „Er kann auch hellsehen“. Unruhig blickte ich mich um und dachte über das Wort „auch“ nach. Wenig später warteten neue Zeitungsberge auf mich.

 
 

Kommentare zu diesem Text


BellisParennis
Kommentar von BellisParennis (21.02.2016)
Denk mal an Herrn Lüssem, da gab's noch mehr Schreckliches...
Der letzte Satz verwirrt etwas.
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unangepasste meinte dazu am 21.02.2016:
Der letzte Satz bezieht sich auf die Zeitungen am Anfang und soll sagen: es geht wieder von vorne los. Vielleicht ist es zu unverständlich formuliert. Ich denk noch mal nach.
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Sätzer antwortete darauf am 21.02.2016:
Du hast die beiden Jobs sehr realistisch geschildert und ich finde, dass das Ende gut passt. Llogisch ist es doch, nach dem Kundenverarschungsjob im Callcenter zurück zur Zeitungsausträgerin zu wechseln. Hab auch in Semesterferien Post ausgetragen und Angst vor Hunden gehabt. Aber es gab keine Wahl, denn die Post musste zugestellt werden. LG Uwe
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unangepasste schrieb daraufhin am 23.02.2016:
Danke für deine Meinung zum Schlusssatz. Ich lasse ihn jetzt erst mal so stehen.
Ja, leider muss man sich den Hunden aussetzen und ggf. das Hochspringen und Knurren oder sogar das Fangenspiel um ein Auto ertragen. Habe auch nur in ganz seltenen Fällen, z. B. bei mir unbekannten Vertretungsgebieten und Kampfhund-Warnschildern (unbekannter Besitzer, unbekannter Hund) gekniffen.
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Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (21.02.2016)
Jaja, die Filderebene, nördlich von Stuttgart und voller fleissiger Schwaben...

Was ich damit sagen will: Der Text hat überhaupt keinen lokalen oder regionalen Bezug außer diesem einsamen "Filderblatt", das ganz kurz auftaucht und dann schon wieder weg ist.

Trotzdem gerne gelesen.
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W-M äußerte darauf am 23.02.2016:
liegen die Filder nicht südlich von Stuttgart ... aber vielleicht hält Dieter die Karte ja verkehrt herum
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Dieter_Rotmund ergänzte dazu am 23.02.2016:
Hab's gerade nachgeschlagen: Du hast Recht! Dabei bin ich gar nicht cartophop...

Ist das wieder so ein Text mit vielen Kommentaren, aber ohne dass der/die Autor(in) Stellung bezieht bzw. eigenen Senf dazugibt? Finde ich kurios.
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unangepasste meinte dazu am 23.02.2016:
Ich freue mich immer über Kommentare, brauche aber manchmal zum Antworten 1 - 2 Tage Zeit - zum einen denke ich über Anregungen nach, bevor ich etwas schreibe und zum anderen bin ich Arbeitende und Pendlerin und habe kein Talent für Smartphone-Antworten aus dem Zug.
Ich weiß nicht, ob es wirklich schlimm ist, wenn so ein Text einen Ort bekommt. Sicher spielt es sich ähnlich überall in Deutschland ab, aber hier scheint mir die Konkretisierung anschaulicher als das bloße Wort "Zeitung" oder "Gratis-Zeitung" (letzteres vom Klang nicht schön). Da die Umgebung aber wirklich nur den Rahmen bildet, bin ich mir nicht sicher, ob ich noch mehr Lokales bringen muss bzw. der schimpfende Schwabe am Gartentor wirklich notwendig für den Text und die Aussage ist. Dafür muss ich auch eingestehen, dass meine Schwäbisch-Kenntnisse zu gering sind und ich insbesondere bei den Vokaländernungen im Vergleich zum Hochdeutschen einen Korrekturleser brauche.
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Dieter Wal meinte dazu am 23.02.2016:
Ha noi, schwääbisch schwätze! Sel kan i o. Schwäbische Dialoge im Call-Center wären wirklich witzig. Du kannst vielleicht einen Schwäbisch-Übersetzer engagieren. Wurde allerdings selbst im zarten Alter von 10 von Baden Württemberg nach Bayern verschleppt. Tragisch, tragisch!

Deine Mäuschen-Erfahrungen im ersten Teil fand ich sehr charmant.
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Dieter_Rotmund meinte dazu am 24.02.2016:
Grundsätzlich finde ich einen lokalen bezug prima und gut, es macht Geschichten glaubwürdig und authentisch!

Nur meine ich, das nur die kleine Erwähnung allein zu wenig ist. Vielleicht noch ein bis zwei ähnlich knappe Stellen mehr? Es muss ja nicht geschwäbelt werden, man könnte vielleicht z.B. noch die A8 einbauen oder eine Kehrwoche.... (dies sind nur Beispiele, keine konkreten Vorschläge!)
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unangepasste meinte dazu am 28.02.2016:
Ich überleg es mir noch mal, denke aber, dass die Bezüge in dem Text dezent bleiben sollten. Ein Straßenname wäre für mich zum Beispiel eine Möglichkeit - nur leider nicht eindeutig einer Gegend zuzuordnen. Habe einen anderen Text über eine Zeitungsausträgerin geschrieben, in dem tatsächlich schwäbische Dialoge vorkommen. Theoretisch lassen sich auch Teile daraus einbauen. Allerdings ging es mir hier weniger um die speziellen Charaktere, denen man bei dieser Tätigkeit begegnet. Eine kehrende Person lässt sich vielleicht noch am ehesten als beiläufige Kulisse einfügen.
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unangepasste meinte dazu am 10.03.2018:
Jetzt habe ich das Filderblatt doch ersetzt. Nach zwei Jahren fand ich es beim Überfliegen auch besser.
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AZU20
Kommentar von AZU20 (21.02.2016)
Ja, besser Zeitungsberge. LG
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unangepasste meinte dazu am 23.02.2016:
Sehe ich auch so.
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princess
Kommentar von princess (21.02.2016)
Danebenjob
ist eine richtig schön unangepasste Formulierung. Habe ich augenblicklich und mit Freude in meinen Wortschatz integriert. :-)

Liebe Grüße
Ira
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unangepasste meinte dazu am 23.02.2016:
Manche Jobs kann man einfach nicht anders nennen.
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Remy
Kommentar von Remy (16.03.2018)
Ich kommentiere nicht viele Texte, aber dieser hat mir sehr gefallen, vielleicht weil ich Texte über Alltagssituationen schätze und am liebsten mag. Ich würde gerne mehr Texte dieser Art auf dieser Plattform lesen. Schade, dass Sie nicht mehr schreiben.
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unangepasste meinte dazu am 16.03.2018:
Danke, das freut mich! Früher habe ich viele solche Texte geschrieben. Ein paar davon gibt es noch, aber einige habe ich auch wieder rausgenommen.
Texte zu solchen Themen gibt es tatsächlich mehr auf neon.de als hier (aber die Seite ist so gut wie tot).
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Veröffentlicht am 21.02.2016, 5 mal überarbeitet (letzte Änderung am 25.03.2018). Dieser Text wurde bereits 575 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 25.04.2018.
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