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Auchenbligge

Kurzprosa zum Thema Spaß


von Willibald

Wummm

Starkstromhalle des Deutschen Museums, ein Kleinmodell mit einem Wohnhaus und einer  Kirche. Licht aus, Spot an. Zwei Kinderaugen gespannt auf die Anlage schauend. Lautsprecheransage: „Halten Sie sich jetzt die Ohren zu“, das Kind tut es, halb furchtsam, halb freudig.  „Achtung, der nächste Versuch ist recht geräuschvoll.“
Wumm!
Ein gewaltiger Blitz zuckt von der Decke in das  Wohnhaus, in den Fenstern züngeln Flammen. Dann quellen Rauchschwaden heraus. Die Finger kurz aus den Ohren nehmen, die Lautsprecherstimme warnt ein zweites Mal, die Finger schnell wieder hinein.
Wumm!
Eine Million Volt schießt  in den Kirchturm der Modellanlage. Unschädlich. Ein Blitzableiter hat den Energiestoß aufgenommen. In der Luft Rauch und Schwefel,  irgendwie teuflisch, der Schwefel.
Das Kind zieht die Finger aus den Ohren, gleichzeitig formt sein Mund ein „Whoa“.

Flummm

Ein Freund zeigt mir die Videoaufnahme von 2015: Seine Familie im Garten, im Hintergrund Schloss Neuschwanstein, die zwei Kinder und die Frau sitzen entspannt bei einer Brotzeit, sie blinzeln erwartungsvoll in Richtung nächtliches Schloss.
Flummm!
Der Stechscheinwerfer jagt die G7-Farben auf die Schloßmauern.  Dann eine Schrift.
 welcome dahoam

Ballett

Kinderballettkurs der Bayrischen Staatsoper. Die letzte halbe Stunde dürfen die Alten hinter der Fensterwand stehen und  zugucken, bevor sie  ihre Brut heimfahren. Entspannte Sportkleidung der Gruppe, elegische Bewegungen, elfenartig. Dann. Der Maître de ballet  lässt heute wieder einen Zwiefachen proben. Unregelmäßiger Wechsel zwischen Dreivierteltakt (Walzer) und Zweivierteltakt (Dreher).
Es klappt nach einiger Zeit gut.

Auf  sein Zeichen hin wird Haindlings "Zwiefacher" eingespielt:

O mei o mei o mei o mei o mei o mei o mei o mei o mei
ohjehgerl ohjehgerl o mei o mei o mei o mei ohjehgerl na na
o mei o mei o mei o mei ohjehgerl na na na.

Die Kleinen giggeln und kichern und prusten , dann drehen sie  sich vergnügt  keckernd im Takt.

Daheim mache ich vergnügt-keckernd den Laptop auf:  Haindling: Zwiefacher

Feuerwehrjubiläum

Ländliches Bayern,  die Freiwillige Feuerwehr marschiert  im Rhythmus einer Blaskapelle an uns vorbei, sie feiert gerade ihr 140-jähriges Bestehen, so die Sprecherin am Mikrophon und setzt fort: "Wer des Festprogramm no net kennt: Heute Abend spielt SaxnDi flotte Musik, am Samstag ist Totengedenken und Kabarett ..."

Ein junger Mann in der Nähe ruft „Ham kummst“. Mir ist das Lied bekannt, nein, vertraut (brüchige Stimme in der ersten Strophe):

Letzte Nocht, woa a schware Partie fia mi/das i ned glei hamkum, woa vu aufaung au kloa/Letzte Nocht, woa a schware Partie fia mi/i kau mi ned erinnern wos gestan woa!

 Seiler und Speer: ham kummst

Auchenbligg des Eins-und-kanz

Im Schaufenster vom Tandlerladen  steht ein alter Philips-Plattenspieler. Eine Art große Hutschachtel mit Lautsprecher im Deckel und Tragehenkel am Korpus. Den kenne ich: Das war Ende der 50er Jahre, eine kirchliche Veranstaltung in der Brauerei Keller um 19.00. Etwa 50 Jungen, so um die dreizehn  Jahre alt. Eine Schallplatte werde man uns vorspielen, sagt der Pater, ein Arzt sei darauf zu hören. Doktor Georg Volk aus Offenbach am Main.  Wir sollten danach rasch nach Hause gehen, jeder allein, nicht in Grüppchen stehen bleiben, keine Sprüche oder dummen Scherze. Das müssten wir versprechen.

Der Pallotinerpater  schaut ernst auf mich, ich sitze ganz vorne, dann schaltet er das Gerät ein: 33 Umdrehungen, eine Langspielplatte. Es beginnt der Vortrag über Liebe, Ehe, Zeugung und Geburt: Wenn Mann und Frau sisch kern haben und verheiradet sind, dann schengen Sie sich nicht nur ihre besten Kedangen... sondern auch ihren Leib, der der Ausdruck ihrer Seele ist. Die Stimme schildert, wie die männlischen Zellen zu den weiplischen Zellen gelangen, erzählt vom Auchenbligg des Eins-und-kanz-klügglisch-Seins, mahnt aber auch: Haltet Eusch sauber, lernt schwimmen ... wascht Eusch mehrmals in der Woche die Füße... schlaft auf einer harden Unterlage... bevorzugt Vollkornbrot. Volk schließt: Das Leben des Schmutzfingen ist drübe, lankweilisch, freudlos, unklügglisch. Das Leben des ridderlischen und sauberen Menschen ist inderressand, voller Freute, strahlend, klügglisch.

Zwei Monate später im Gymnasium bringt Monsignore Albert Schlereth, von mir verehrt, sehr verehrt,  in den  Unterricht  seinen ovalen Plattenspieler mit. Der gleiche, derselbe Plattenspieler. Wahrscheinlich hatte er ihn dem Pallotinerpater ausgeliehen. Die vier Mädchen unsrer Klasse, auch die evangelische Ulla,  werden in den Nebenraum gebeten, der Plattenspieler wird bei ihnen aufgestellt.  Monsignore Schlereth kommt zu uns zurück. Den Vortrag von Doktor Volk gibt es als Beiheft. Uns Jungen liest Schlereth den Text vor, ernst, nüchtern  und ohne jeden Akzent.

Als dann am Ende der Stunde die Mädchen zögerlich, eintreten, die Ulla, die Margarete, die Irmgrard, die Christel, da sieht man sich gegenseitig verlegen an. Ein bisschen gruselig das alles. (- Die gleiche Platte habe ich später in einem Laden in der Fraunhoferstraße gefunden.)
 Philips Plattenspieler

הֶבֶל  Vanitas mundi

Weißer Bibliothekssaal im Schloss Amorbach des Fürsten von Leiningen, früher ein katholisches Kloster. Die Eichenböden sind hellbraun und  kostbar, die Besucher  tragen Filzüberschuhe ("Pantoffelpflicht"). Vom Boden bis zur Decke ragen  die  Bücherschränke . Hinter ihren Glasscheiben in dunkelbraune Folianten gefüllt die  stärkende Weisheit der Alten. Wir sind auf samtigem Filz  zu unseren Sitzplätzen geschlittert, weit weniger gelenkig als damals in der Jugend auf  vereisten Wegen. Der gelehrte Kustos da vorne am Pult spricht über die Vanitasvorstellung des alttestamentarischen Propheten Kohelet, hat einen Folianten aufgeschlagen und skandiert:

Ja, ehe die silberne Schnur zerreißt / die goldene Schale bricht / der Krug an der Quelle zerschmettert wird / das Rad zerbrochen in die Grube fällt / der Staub auf die Erde zurückfällt / als das, was er war / und der Atem zu Gott zurückkehrt / der ihn gegeben hat / Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, das ist alles Windhauch.

Der Kustos macht eine Pause, dann  für die lauschenden Feingeister wieder  Kohelet:

Worte von Gelehrten sind wie Ochsenstecken/ Sprüche aus Sammlungen aber sitzen wie eingetriebene Nägel  / sie sind die Gabe eines einzigen Hirten.

Ochsenstecken, eingetriebene  Nägel? Aus der kauernden Zuhörerschaft hört man es seufzen. Der Kustos hebt den Kopf vom Buche hoch. Ob wir wissen wollten, was Goethe nach der Lektüre von Kohelet geschrieben habe?  Zustimmende Blicke und Kopfnicken. Er würde ihn gerne zitieren. Erneutes Nicken. Nun denn:

Vanitas! Vanitatum vanitas

Ich hab mein Sach auf Nichts gestellt.
Juchhe!
Drum ist's so wohl mir in der Welt.
Juchhe!
Und wer will mein Kamerade sein,
Der stoße mit an, der stimme mit ein
Bei dieser Neige Wein.


„Ein bisschen wohlfeil, äh, billig“, murmelt der Kollege neben mir.
„War halt noch ein Jungspund damals“, murmle ich zurück.

 Vanitas

 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter_Rotmund
Kommentar von Dieter_Rotmund (19.10.2018)
Die Episoden Feuerwehrjubiläum und Plattenspieler gefallen mir gut, der Rest ist mir meist zu sophisticated,
diesen Kommentar melden
Willibald meinte dazu am 19.10.2018:
Jou. Thanks für Rückmeldung, Dieter.

Wie kriege ich die Kursivschrift von der letzten Episode weg????
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Dieter_Rotmund antwortete darauf am 19.10.2018:
nach "Plattenspieler":

eckige Klammer auf
Lash
i
eckige Klammer zu
diese Antwort melden
Willibald schrieb daraufhin am 20.10.2018:
Dank an Dieter.
ww
diese Antwort melden
Kommentar von Iphigenie (38) (22.10.2018)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
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Willibald äußerte darauf am 22.10.2018:
Salute, Iphigenie, ich bleib mal bei den Gemmen der Kindheit:

 Wum

vale

Antwort geändert am 22.10.2018 um 21:09 Uhr
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