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mein weg in die dekadenz

Protokoll zum Thema Biographisches/ Personen


von eiskimo

Wenn man in bescheidenen Verhältnissen groß geworden ist, zudem noch in einer kinderreichen Familie, dann war so etwas wie „Aus Essen Gehen“ ein total seltener, fast undenkbarer Ausrutscher, ungebremst in die Verschwendungssucht. Solange ich bei meinen Eltern wohnte, kam das bei mir eigentlich nie vor. Wenn überhaupt mal außer Hause gegessen wurde, dann war es bei Verwandten oder Freunden, die einfach entsprechende Mengen zusätzlich gekocht oder gebacken hatten.
Ein Restaurant von innen, wo ich dann auch einmal ganzes Essen verspeisen durfte, das sah ich erstmals bei einer Oberstufen-Fahrt nach London: Es war ein indisches, very cheap! Grund: Das Essen in der Familie, wo ich paying guest war, konnte ich nach zwei Tagen nicht mehr ´runter kriegen. Und ich war essensmäßig wahrlich nicht verschnuppt!
Es folgten die Studenten-Jahre, wo wir wieder very cheap mit irgend einer über Nacht fahrender Travel-Tour etwa nach Paris ausbüchsten – dreieinhalb Tage, davon drei Tage mit Baguette, Käse und Rotwein an den Quais de la Seine, und erst als Abschluss.... un petit restaurant im 21. Arrondissement, neben dem Billighotel, immerhin aber mit einem Menu, damals schon für umgerechnet fünf Euro zu genießen.
Es kamen weitere kleine Restaurants ins Programm, als es bestandene Prüfungen oder erreichte Abschlüsse zu feiern gab: Chinesen waren für uns erschwinglich, oder auch Balkan-Grills. Aber da hockten wir und nippten wie Spatzenvögelchen an dem Getränk – mehr als eine Cola oder ein Bier war nicht drin.  Höhepunkte meiner ersten Völlerei bildeten die Semester-Abschluss-Essen oder das Spezial-Menü in der Mensa, etwa zu Weihnachten. Für fünf Mark gab es für uns fehlernährte Studis fast so etwas wie Haute Cuisine!
Einen gastronomischen Quantensprung nach Oben vollzog ich dann mit meiner Hochzeit.  Da feierten wir tatsächlich im Kreise einer knapp 30köpfigen Gesellschaft ... in einem Restaurant! Es lief damals damals unter dem Oberbegriff „gut bürgerlich“, wir hatten einen Saal für uns, und der Schwiegervater löhnte pauschal 960 DM, Getränke inklusive.
In den 80er Jahren, als meine Frau und ich beruflich halbwegs etabliert waren, änderte sich einiges. Nicht nur, dass wir mehr Geld zur Verfügung hatten. Es gab auch immer mehr – für damalige Begriffe – total exotische Esslokale: Vor allem türkische, italienische, griechische. Und es lockten die plötzlich omni-präsenten Fast-Food-Ketten, die man ja alle mindestens ein Mal probiert haben musste. Als aktiver Handballer erlebte ich dann,  dass wir nach dem Training immer häufiger noch „auf ein Bier“ gingen, will sagen: Dazu auch noch Pommes und Currywurst oder Kartoffelsalat und Frikadelle verdrückten.
Ein gewisser Gruppenzwang war also durchaus im Spiel, wenn wir dann in den 90er Jahren zugeben mussten: Ja, wir gehen regelmäßig aus Essen -  bescheiden, eher in Kneipen als in Restaurants, aber immerhin!
Den nächsten Schritt zu edlerer und teurerer Kost vollzogen wir dann bei den Urlaubsreisen. Da war das Budget zunächst chronisch begrenzt, wir machten immer Camping, aber zum Kennenlernen der Landeskultur gehörte halt auch die Paella oder eine wunderbar zubereitete Dorade. Prompt landeten wir – wenigstens ein Mal pro Ferien! - in einem Spezialitäten- oder Fisch-Restaurant. Das gehörte einfach dazu bei einer Spanien-oder Italienreise. Und dann machten wir es wie die Einheimischen: vorher gab es einen zünftigen Apéritif, zum Essen  den entsprechenden Wein, hinterher das landestypische Dessert, den Kaffee, den Absacker...
Ja, das war schon ein Kulturschock … für die Urlaubskasse! Da aber Reisen bekanntlich bildet, hielten wir auch zu Hause diese Art Bildung aufrecht, zumindest sonntags. Bei Einladungen kredenzten wir Apéritifs und Tapas; immer häufiger tranken wir Wein oder kopierten die im Ausland entdeckten Nachtische, so mein Lieblingsdessert Tiramisu!
Die Hemmschwelle, sich Neues aus fremden Landen zu gönnen, sank also beträchtlich – dafür stiegen die Ausgaben für den einen oder anderen Abend beim Griechen, Italiener oder Spanier.
Gut, dass auch unser Einkommen diese spürbare Steigerung mitvollzog. Vom Camping kamen wir in der Folge ab, denn für den Urlaub war jetzt auch das Ferien-Appartement bezahlbar oder sogar ein Hotel-Arrangement, pauschal natürlich.
Luden wir für die Anfahrt zum Ferien-Appartement noch das Auto voll mit heimischen Billig-Konserven (überall ist ja alles teurer!) und glichen damit ein paar Restaurant-Besuche wieder aus, so war der Flug in das pauschal gebuchte Hotel ganz anders: Da gab es drei Mal am Tag Buffet – es war schon mehr als Verführung, es war fast .. Mast!
Prompt entwickelte sich der nächst höhere Anspruch: Nicht nur halbwegs spanisch oder italienisch und nicht nur viel und von allem musste es sein, – jetzt wollte man  Delikatessen, man wollte das Exquisite nicht „vom Spanier“, sondern von DEM Spanier, der angesagt war!
Mit dem neuen Jahrtausend kam der Euro, und die Preise in der Gastronomie, das habe ich noch sehr deutlich vor Augen,  gingen mächtig hoch. Gleichzeitig wurde das Angebot immer breiter. Der Siegeszug der Pizza hatte längst begonnen, dicht gefolgt von diversen Döner und Pita-Varianten. Was dabei die Häufigkeit unserer Restaurant-Besuche nach unten drückte, war die immer gängiger werdende To-Go-Kultur. Es gab nicht nur immer mehr fertig gekochtes Essen zu kaufen, es gab dieses gleich als Take-away-Paket.
Ich erinnere mich an unser Schweinefleisch-Süß-Sauer-Ritual beim Chinesen: Wir riefen dort an, dass wir zwei Portionen von der Nr. 39 wollten, dazu ein Mal Reis extra, und zehn Minuten später fuhr ich los, um das bereitstehende Sonntagsessen abzuholen. Die Portionen waren größer als die vor Ort konsumierten, alles wurde in Alu-Schälchen gepresst und in einer Plastiktüte auf einander gestapelt – so radelte ich dann im wahrsten Sinne einen heißen Reifen! Und nicht nur, dass es uns damals schmeckte – wir sparten auch die Getränke und andere Leckereien, die das Restaurant schon mal etwas teurer machten.
Vom Take-Away-Prinzip zum Liefer-Service war es dann nicht weit. Das Deliveroo-Prinzip hat sich bis heute flächendeckend durchgesetzt. Leider, das ist meine Meinung,  nicht zum Vorteil der Esskultur und Qualität.
Darum haben wir uns von diesen lauwarmen, durchgeweichten Pizzas und den Styropor-Kisten nie begeistern lassen. Auch von den Alu-Schälchen des China-Restaurants sind wir längst ab. Unsere Antwort auf die Essensschwemme und permanente Verfügbarkeit aller denkbaren Genussmittel lautet heute: Wir kochen wieder selbst. Wir sparen. Wir beschränken uns auf sehr einfache, leicht selber herzustellende Gerichte. Und dann, ja dann, sozusagen als Belohnung ....  gehen wir ein Mal im Jahr in einen echten Super-Tempel der Ess-Kultur !
Wir gönnen uns ein Drei-Sterne-Lokal in Frankreich, löhnen da fast  100 Euro pro Menu und lassen uns kulinarisch verzaubern. Verweildauer an den zehn echt kunstvoll komponierten Gängen: Drei Stunden. Voilà!
Natürlich ist das dekadent. Natürlich muss man nicht fünf Kellner im feinen Zwirn um sich herum haben und ein Château-ähnliches Ambiente. Natürlich schütteln jetzt auch viele den Kopf, halten das vielleicht sogar für unmoralisch.
Aber das Prinzip „Klasse statt Masse“ hat sich für uns jetzt schon einige Jahre lang bewährt. Wir freuen uns wie die Schneekönige auf diesen Ausflug nach Frankreich. Wir ziehen uns auch extra sehr ordentlich an, stimmen uns vorher bewusst auf dieses Essen ein und ….  wir fahren immer begeistert wieder zurück– um sehr schöne Erfahrungen reicher!
Das Wissen, wie lecker eine ganz feine Küche und wie erhaben die Zeit dabei sein kann, das macht es uns dann das Jahr über leicht, mittelmäßige oder gar minderwertige Angebote, seien sie „to-go“ oder auch „to run away“,  links liegen zu lassen.

PS: Diese Erfahrung aus der Gastronomie, nämlich lieber Klasse statt Masse,  lässt sich gut auch auf andere Bereiche anwenden! Fußball-Übertragungen zum Beispiel. Kinobesuche, Sex...

 
 

Kommentare zu diesem Text


Kommentar von Regina (27.04.2019)
Dein Text lässt mich über meine Essbiografie nachdenken. Angenehm unemotional zeigst du auf, wie die Ernährung mit der Lebenssituation insgesamt zusammenhängt, also Finanzen, Zeitstress usw. Ich finde, dass dir dieser Artikel gut gelungen ist. LG Gina
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Isaban
Kommentar von Isaban (27.04.2019)
Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Ganze wirklich gut auf alle Bereiche übertragen lässt. So teure Kinos gibts ja gar nicht.
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