Und zu Karneval ein bisschen Aristide Bruant

Tagebuch zum Thema Assoziation

von  eiskimo

Ist das nicht gemein? Ihr kennt ihn alle, den Mann mit dem roten Schal und dem schwarzen Mantel. Vielleicht wusstet ihr sogar seinen Namen. Aristide Bruant.  Denn Henri de Toulouse-Lautrec hat den damaligen Star des Montmartre verewigt auf einem Gemälde, das ihn vor dem Ambassadeurs zeigt, einem Cabaret-Club im Paris des späten 19. Jahrhunderts. Ja, die Belle Epoque…
Aber kaum einer kennt Bruants Texte und die derbe Sprache (das Argot), mit der dieser Sohn aus gutbürgerlichem Hause bevorzugt die Pariser Bourgeoisie attackierte .. oder auch das Loblied der einfachen Arbeiter sang.

Die würden nämlich „in Holzpantinen rumlatschen, im Abfall wühlen und sich Wanzen und Läuse einfangen, wenn sie nicht vor Hunger verrecken wollten, und die Liebe, um sich fortzupflanzen, die machten sie in irgendeinem Dreckloch“ – so das Chanson „A Saint-Ouen“.

Noch deftiger „Dans la rue“ (Straßenstrich), wo er einen Jugendlichen erzählen lässt, wie er sich eine Braut gesucht hat, eine Nutte, „die eine Schnauze wie Mona Lisa hatte, einen runden Arsch und spitze Titten, und die genauso drall gebaut war wie die Statuen, die ihre Hintern zur Schau stellen im Schatten der Boulevards“.

Sehr schwer, im Deutschen dieses Argot angemessen wiederzugeben – wir sind da offenbar puritanischer, oder soll ich sagen verklemmter?

Eine Ausnahme gilt jetzt, wo Karneval herrscht und die Menschen – meist im Schutz einer Verkleidung oder durch Alkohol enthemmt – aus sich herausgehen. Denn da geht es auch hierzulande etwas „pariserisch“ zu. Das firmiert dann unter Polonäse-Blankenese oder „Wir sind alle kleine Sünderlein“, jedenfalls darf die gewohnte Wohlanständigkeit da ein bisschen aufgehoben werden. Bis zum Aschermittwoch. Dann werden alle wieder brav.

 

 



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 AZU20 (17.02.23, 11:51)
Das mit dem Aschermittwoch ist eigentlich schade, oder?LG

 eiskimo meinte dazu am 17.02.23 um 12:46:
Kommt drauf an, welche Spielart des Karnevals Du meinst. Es gibt die Fröhlichkeit, Kontaktfreude, Offenheit und das Miteinander auf der einen Seite, aber auch viel "nur die Sau rauslassen" auf der anderen.
Bei der ersten Version wäre ich ganz Deiner Meinung.LG
Eiskimo
Taina (39)
(17.02.23, 12:13)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 eiskimo antwortete darauf am 17.02.23 um 12:51:
Proleten, das ist ein sehr deutscher Begriff, finde ich. Der passt nicht - oder nur zum Teil - zu Bruant und dem Milieu, das er da beschreibt. Ich habe bei Proleten auch gewisse SUV-Fahrer vor Augen...
Taina (39) schrieb daraufhin am 17.02.23 um 13:10:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 FrankReich äußerte darauf am 17.02.23 um 14:27:
Oh, oh, Taina, manchmal steckt auch in Dir ein kleiner Verlo, denn Du hast den Begriff 'Prolet' auf unserer Zeitebene ins Spiel gebracht und nur darauf bezieht sich eiskimo bei seiner Assoziation zum SUV. 🤔

Ciao, Frank
Taina (39) ergänzte dazu am 17.02.23 um 14:49:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 FrankReich meinte dazu am 17.02.23 um 15:10:
Ich bezog mich auch nicht auf persönliche Herabsetzung, denn das ist nur eines von mehreren 'Stilmitteln' Verlos, das ich Dir aber keinesfalls unterstellen möchte, auf welches ich hinauswollte, ist das 'Stilmittel', mit einem Missverständnis, einer auf den Text bezogenen Unterstellung, etc. in eine Diskussion zu starten, um das Problem, das sich daraus ergibt, schließlich auf den Gesprächspartner umzuwälzen. 😂😂

Ciao, Frank
Taina (39) meinte dazu am 17.02.23 um 15:21:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 FrankReich meinte dazu am 17.02.23 um 15:36:
Da hast Du zwar schon wieder etwas missverstanden, da ich den Begriff Stilmittel als Ironie ausgewiesen habe, aber das geht schon in Ordnung, denn auf die Sympathie von notorischen Missverstehern kann ich gut und gerne verzichten.

Ciao, Frank
Taina (39) meinte dazu am 17.02.23 um 17:25:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 FrankReich meinte dazu am 18.02.23 um 10:04:
Okay, ich muss mich vor Deinem Account zwar nicht rechtfertigen, aber ruf doch mal unter Vermisstenanzeigen die zu Verlo (28.01.2022) auf, mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen, zu Dir allerdings auch nicht. 😂😂

Ciao, Frank
Taina (39) meinte dazu am 18.02.23 um 10:09:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 FrankReich meinte dazu am 19.02.23 um 11:06:
Wenn Du meinst ...

 FrankReich (17.02.23, 12:29)
Das Niveau der Franzosen erscheint mir, egal auf welcher Ebene, allemal höher als das der Deutschen zu sein, welches, egal auf welcher Ebene, allemagne totgeschwiegen wird, nur eben zu Karneval und den Schützenfesten nicht. 😂😂

Ciao, Frank

 eiskimo meinte dazu am 17.02.23 um 12:53:
D´accord, d´accord !
Schützenfeste kenne ich noch nicht, aber Du machst mich nicht wirklich neugierig darauf...
LG
Eiskimo
Taina (39) meinte dazu am 17.02.23 um 14:03:
Diese Antwort ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 AchterZwerg (18.02.23, 07:02)
Mal ehrlich: Wenn Mainz singt und lacht, schalten wir Zwerge ab.
Wenn köllsches Alaaf ertönt suchen wir die tiefsten Stollen unserer Bergwerke auf.
Doch bald - und das ist die gute Nachricht - ist alles vorbei!

Bruant bleibt. :)

 eiskimo meinte dazu am 18.02.23 um 08:16:
Ich denke auch. Bruants  Aufmüpfigkeit war ganzjährig, und er brauchte keine Narrenkappe  sozusagen als Entschuldigung.
Salut
Eiskimo

 Dieter_Rotmund (18.02.23, 09:52)
Gerne gelesen, aber ich sehe das anders.

 eiskimo meinte dazu am 18.02.23 um 10:06:
Nämlich wie?

 Dieter_Rotmund meinte dazu am 19.02.23 um 09:53:
Ich verachte den Karnevalismus als abscheuliche Subkultur, die das Schlechteste im Menschen herauskehrt.

 FrankReich meinte dazu am 19.02.23 um 11:05:
Lass die Kirche im Dorf, Dieter, in Deutschland nämlich geht der Karneval auf die Tradition des Narrenfestes zurück, also einmal im Jahr die Sau herauslassen zu dürfen, um im Korsett der Verkrampftheit nicht völlig zu erstarren, allerdings muss er sich wie fast alles hier die Kritik der Instrumentalisierung gefallen lassen, als Frustabbau ist er somit hierzulande mittlerweile ungeeignet, allerdings ist Karneval schon mal gar kein globaler Indikator für das Schlechte im Menschen, denn der Spaßfaktor steht dabei im Vordergrund, außer natürlich hier, wo selbst Humor der Verwaltung unterliegt, Lachen auf Kommando lautet hier die Devise, dass wir Deutsche extrem kleingeistig sind, hat nämlich mit Schlechtigkeit überhaupt nichts zu tun, mal sehen, ob ich dafür noch ein Beispiel aus einer Büttenrede auftreiben kann. 😂

Ciao, Frank

 FrankReich meinte dazu am 19.02.23 um 11:33:
P. S.: Da kannst Du mal sehen, wie leicht wir zu manipulieren sind:


😂😂

Ciao, Frank
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram