Bft.

Text zum Thema Augenblick

von  makaba

Ich laufe kopfüber, rastlos an der Decke entlang, auf Händen mit einer Taschenlampe im Mund. Vor dem Spiegel mache ich halt und bewundere die abartige Hässlichkeit der darin gefangenen Person und wundere mich nicht über deren Tränen. Ich fühle mich gut, denn ich bin Prinzessin in meinem Reich und ich regiere meine Wände, mein Zimmer, meine Decke, ja gar mein Gesicht gehört mir und ich achte darauf, es nie zu verlieren.

Falsch bin ich nicht, nein, Masken trage ich auch keine, denn in meinem Reich brauche ich die nicht. Hier steht eh alles Kopf und ich verliere ihn, sowie meine Gedanken ständig, vergrabe sie unter meinen Klamotten, die sich turmhoch auf meinem Boden stapeln, zerknittert, dreimal gefaltet und mit schicken Karos angemalt. Meine Welt ist bunt, so bunt wie das Leben. Hier bin ich Prinzessin und Hexe Ba-makaba, ich wühle mich durch Wollmäuse und stehe im staubbeflockten Schnee aus Gedanken, mache einen Gedankenengel und –satz und springe über den Schatten meines Monitors. Ich bin so nackt wie die Gebärmutter mich schuf und tanze im flackernden Kerzenlicht mit meinem Ego einen langsamen Walzer, während mein Kopfjahrmarkt ein Lachen und Toben mit dem Wind herüber trägt. Meine lila gestreift gefärbten Haare stehen ab, wie Federn bei einem Vogel in der Mauser und mein kleines Stinktier spielt mit ihnen, als wären sie aus Sonneblumen-Seifenblasen gestrickt worden.

Die Postkarten an meiner Wand spiegeln glitzernd in der nächtlichen Sonne die über den keksduftenden Balkon hineinstrahlen.

Ich spiele mit dem Feuer, tanze mit dem Wind und summe vor mich hin, während die ausgesprochenen Gedanken auf ein Blatt Papier strömen und sich dort breit machen, wie eine Tintenpfütze im Schulheft vergangener Tage. Ich reime und schleime und keuche und stöhne Worte an meine Spiegel und warte ungeduldig zur Musik tanzend auf den verdorbenen Prinz, denn ich bin ja Prinzessin und der adelige Blaublutsohn auf dem rostroten Fahrrad, der Passende mit dem gleichen Rhythmus im Herzen, der gleichen Musik im Blut und den identischen Gefühlen im Kopf lässt mich heute lange zappeln. Den Weg müsste er finden, denn ich habe die funkelnden Sterne gebeten eine Spur aus herzrotem Kerzenschein umgeben von Sonneblumenseifenblasen an jede Ecke der Stadt zu projizieren.

Gleich müsste er da sein und ich werde ihm prusteblumende Küsse schenken und darauf warten, dass er, dessen Name hier offen bleibt, weil es ein, nein mein Geheimnis ist, seinen Namen alle Ehre macht und werde mich wehren, weil ich es muss, denn regieren werde nur ich in meinem Seelenreich.

Meine bunte Welt gehört mir und mein Kopfchaos auch, aber ein bisschen lass ich euch reinschauen. Kommt, tanzt mit der befreienden Regenschauermusik, schaut auf die Sonnenstrahlorgie im Kronleuchter (jede Prinzessin hat einen) und ich lasse euch auch von der zuckerwattenen Süße meiner Fantasie naschen. Guten Appetit :D


Anmerkung von makaba:

"Bft." ist ein Neologismus aus dem Buch: "Die Stadt der Träumenden Bücher" von Walter Moers. Das Wort lernt der Protagonist von den Weinenden Schatten und es beschreibt dort das das zarte Geräusch, dass eine flaumige Feder macht, wenn sie den Boden berührt.

Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren

Kommentare zu diesem Text

KoKa2110 (42)
(15.07.10)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
Profilaxeschrei (49)
(15.07.10)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.

 Mutter (15.07.10)
*lufthol*

:)

 Lala (15.07.10)
Hallo makaba,

danke, mir hat es geschmeckt. Der Anfang ist stark, am Ende wird es aber etwas mager.

Vielleicht stört mich in den Teil, der mit "ich spiele mit dem Feuer" beginnt die Erhöhung bestimmter Wortschöpfungen. Im ersten Teil finde ich nur zwei: Gedankenengel und Kopfjahrmarkt. Wobei letzterer sich gut trägt, denn das wilde Herumwirbeln wie in einem Karussel wird durch diesen Kopfjahrmarkt schön llustriert, zusammengefasst. Die Gedankenengel sagen mir nichts, stören mich aber auch nicht großartig.

Im Zweiten Teil kommen Sonneblumenseifenblasen, prusteblumende Küsse, Kopfchaos, Regenschauermusik, Sonnenstrahlorgie vor.
Das ist mir schon zuviel. Wobei Kopfchaos eigentlich sehr milde ist, aber es ist nur eine Wiederholung und keine besonders gute.
Z. B. diese Sonneblumenseifenblasendingenskirchen, dass klingt so mutzigputzigwitzigsuperfantsasievoll aber ich habe den Verdacht, das ist eher hilflos.
Im ersten Teil verzichtest Du auf solcherlei overkill und der wirkt viel stärker - wohlgemerkt auf mich. Insgesamt ist das ein guter Text.

Gruß

Lala

 Isaban (15.07.10)
Schon der Einstieg ist so irre, dass man dran bleibt, dass man vor Neugier und gerne dranbleibt. Klasse bebildert.


Liebe Grüße,

Sabine
starfish8305 (49)
(15.07.10)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram