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Wie ich meinen Backenzahn verlor

Geschichte zum Thema Gesundheit


von tueichler

Es ist nun schon einige Jahre her, dass ein Zahnarzt das zweifelhafte Vergnügen hatte mich zu sehen – was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte. Angefangen hat alles damit, dass ich nach der zahnarztbehüteten Kindheit und dem eher handwerklich geprägten Einsatz primitiver Mittel bei der NVA, als Student in Dresden unter Zahnschmerzen litt. Da mir dies Phänomen für lange Zeit verborgen geblieben war, maß ich dem wenig Bedeutung bei. Bis ich eines Nachts in unserer besetzten Wohnung in der Dresdner Neustadt aufwachte und einzig von der Vorstellung getrieben war, dass es irgendwo in dieser Wohnung noch Aspirin geben müsse, so hat mir mein Backenzahn geschmerzt.
Allein, dem war nicht so. Aber immerhin hatte noch ein neu zugereister Grieche in einer ehemaligen, nun Pleite gegangenen Neustädter Kultkneipe seine nun dort befindlichen Taverne  geöffnet. Unter Aufbietung aller Kräfte und des letzten Bisschen Geldes rang ich mich dazu durch, es war mittlerweile zweiuhrdreißig nachts, dort einen Zweiliterballon Samoswein zu kaufen. Zurück in der Wohnung und mit der Behandlung angefangen dauerte es nicht lange und ich schlief, vermeintlich geheilt, sanft ein. Am nächsten Morgen gab es keinen Zahnschmerz mehr und alles schien wie ein böser Traum. Bis zur Mittagsvorlesung im Zeuner-Bau der TU Dresden.
Vergeblich versuchte ich mich schmerzgeplagt doch heimlich aus der Vorlesung zu entfernen. Es war mir egal, ob der Prof mein Gehen mit einer Bemerkung zwischen Beleidigt sein und Spott quittierte, ich musste dringend zum Zahnarzt. Da ich jedoch die Dienste dieser Zunft in Dresden nie in Anspruch genommen hatte, wusste ich zunächst nicht wohin und verschaffte mir durch den Erwerb von Aspirin in einer Apotheke weitere Zeit zum suchen. Ich wurde fündig.
In der Dresdner Neustadt, nicht weit von meiner Wohnung befand sich ein altes Verwaltungsgebäude in dem sich eine Zahnarztpraxis eingerichtet hatte. Das konnte noch nicht lang her sein, da an den Türen noch Amtsbezeichnungen zu sehen waren. Ich wartete also auf dem Flur auf einer dieser typischen braun gestrichenen hölzernen Besucherbänke, die jedes Amt damals obligatorisch vorweisen musste und hoffte auf baldigen Einlass. Ich war der erste Patient an diesem Nachmittag. Da es jedoch vorbestellte Termine anderer Patienten gab, musste mein Leiden noch etwas andauern. Der Verzehr der letzten Aspirin Vorräte erlaubte mir die zeit bis kurz vor sechs Uhr abends zu überbrücken, nur die Form meiner Wange verriet dem unbeteiligten Beobachter eine gewisse Dringlichkeit. Ich kam dran.
An die forsche junge Frau, wenig älter als ich, richtete ich die Frage, wann ich denn den Zahnarzt sehen würde. Das war falsch. Sie war der Zahnarzt. Frau Diplommedizinerin Storch. Die Diplomurkunde an der Wand, datiert von vor 2 Jahren. Meine Missachtung Ihrer Qualifikation führte auch sofort zu einer merklichen Unterkühlung und zu einer ausgesprochen kurzen Anamnese. „So, der Backenzahn. Naja, da muss die Wurzel wohl raus!“ Sprachs und begann. Nach einer gefühlt 5-stündigen Tortur ohne Samoswein oder Aspirin und völlig durchgeschwitzt verließ ich die Praxis. An Zahnschmerz war nicht zu denken, da ich noch unter der wohlbekannten Maulsperre litt, die das Kiefergelenk erst nach Tagen kompensieren kann. Die Nacht war gut. Der nächste Tag war bescheiden. Meine Wange hatte sich an ihre Größe gewöhnt und ich mich an den latenten Druck im Zahn.
Nach 2 Wochen hielt ich es nicht mehr aus und ging, da sich keine Besserung einstellte, wieder zu Frau Storch. Nicht ohne eine gewisse Unterwürfigkeit beschrieb ich mein Problem, dass ja an sich schon offensichtlich war. Ab hier nun hatte ich regelmäßig Termine um die Entzündung der Wurzel zu heilen. O-Ton Storch:“Da war scheint’s noch was drin …“. Nach etwa einem halben Jahr war der Zahn verfüllt und ich schmerzfrei.
Im Berufsleben angekommen lebte ich mittlerweile im Westen und wachte irgendwann samstag nachts auf. Noch im Aufwachen hatte ich schreckliche Bilder vor Augen. Assoziiert mit den Gerüchen des Storchen-Flures und der hämischen Stimme der Störchin. Notdienst Sonntag 10 Uhr. „Ach ja, der Backenzahn. Da ist es wohl die Wurzel. Naja, das haben wir gleich.“ Dienstag konnte ich schon wieder schmerzfrei Tee trinken. Aber ich hatte ab da etwa 10 Jahre Ruhe.
Es mag nicht verwundern, dass mein Verhältnis zu Zahnärzten ab da mit einigem Misstrauen behaftet war. Allerdings hatte ich ein sichtbares Problem und begab mich in Behandlung eines befreundeten Zahnarztes und Sportkameraden. Im Zuge der Abklärung, die mich optimistisch stimmte meinte der, da stimmt was mit Deiner Wurzel nicht. Also entweder können wir das erhalten oder es muss raus. Ich war spontan für Erhalt, denn was ‚Raus‘ bedeutet hatte ich bereits schmerzlich und nachdrücklich erfahren. Der Termin ging auch schnell vorbei, wenn auch begleitet mit der Bemerkung, das sei schon komisch, die Wurzel sei ja recht dilettantisch behandelt. Was soll ich sagen, den Eindruck hatte ich zuvor auch schon.
Nach einem samstäglichen Turnier stellte sich aber an dem zur Erhaltung behandelten Zahn wiederum das ein, was ich am meisten von allem fürchte. Unsäglicher Zahnschmerz. Sonntags um 6 Uhr in der Früh warf ich meinen  Sportskameraden aus dem Bett und wir fuhren in seine Praxis. Naja, sagt er, hätte ja auch gut gehen können. Dann entfernte er den Zahn. Das zog sich, da die Betäubung nicht zog, sehr lange hin. Als ich um zehn Uhr die Praxis verließ meinte er. Das find ich ja mal Glück. Du hattest fast die ganze Ladung Narkose drin, die man geben kann. Ich dachte schon, ich kann nicht weitermachen.
In Anbetracht dessen, was mir dann geblüht hätte, ist mir der Verlust des Backenzahns mit 20jähriger Verzögerung nun doch kein Opfer, das allzu groß war. Immerhin habe ich aber den gesunden Respekt vor der ziehenden Zunft nicht verloren. Und Paracetamol und Wein sind ab sofort immer im Haus!

 
 

Kommentare zu diesem Text


ViktorVanHynthersin
Kommentar von ViktorVanHynthersin (10.06.2013)
Man kann nicht ohne. Zahnärzte meine ich ))
Dentale Grüße
Viktor
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tueichler meinte dazu am 10.06.2013:
Vielen Dank und alles Gute für den Zahn

VG, Tom
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sandfarben
Kommentar von sandfarben (10.06.2013)
Es schmerzt meist 2 Mal: zuerst im Mund und dann beim Bezahlen...
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tueichler antwortete darauf am 10.06.2013:
Das Bezahlen kommt noch ... Merci
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larala
Kommentar von larala (04.08.2013)
Autsch! mein solidarisches Mitgefühl!
Am liebsten mochte ich das 'unterwürfig' und den 'Storchenflur'.
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