In der Not hochgehaltene Ideale

Glosse zum Thema Existenz

von  loslosch

Sceleris in scelere supplicium est (Seneca, um die Zeitenwende bis 65 n. Chr.; Epistulae morales). Die Strafe für ein Verbrechen liegt im Verbrechen selbst.

Streng logisch und unter (sträflicher) Vernachlässigung der Lebenswirklichkeit stimmig. Stoisch, auch idealistisch, idealtypisch, urchristlich, urkommunistisch. Missachtung, Übertretung, Verletzung erzeugen sentenzgerecht Ängste, Zweifel, Unbehagen. Dass aber (selbst)  psychisch intakte Menschen immer und zu allen Zeiten das Bedürfnis haben, subjektiv gefärbte und verfälschte Begründungsstrategien für eigenes fehlerhaftes Handeln zu entwickeln, bleibt dabei unbeachtet. Wenn Seneca mit solchen - für uns Heutige - neurotisch anmutenden Vorstellungen den aus der Spur geratenen ehemaligen Ziehsohn und Schüler Nero wieder zur Räson bringen wollte, so war das in seiner lebensbedrohenden Lage ein nachvollziehbarer Gedanke, getrübt und  geprägt von Realitätsverlust.

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Kommentare zu diesem Text

AbrakadabrA (45)
(24.04.15)
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 loslosch meinte dazu am 24.04.15:
jetzt hast du seneca (richtig gut) vorgeführt.
AbrakadabrA (45) antwortete darauf am 24.04.15:
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 loslosch schrieb daraufhin am 24.04.15:
fischer ist out. er rangiert auf platz 16 der ewigen bestenliste. ich tät mir kasparov als berater wünschen, nicht carlsen!

 TrekanBelluvitsh (24.04.15)
Ich denke, den habe ich dir schon einmal gepostet.
Kreuzworträtsel, Ort voller schlauer Menschen, 5 Buchstaben.
?
K N A S T
Vielleicht nicht so romantisch wie Seneca.

 loslosch äußerte darauf am 24.04.15:
auch schon (am 22.11.2009) als palindrom verwurstet:

Eheknast um. Rentnermut sank. Ehe?

 TrekanBelluvitsh ergänzte dazu am 24.04.15:
Hahaha.
Manche Fehler brauchen halt ihre Zeit.

 EkkehartMittelberg (24.04.15)
Ich lese den Spruch so, dass kein Verbrechen ungesühnt bleibt, das Maß der Strafe sich aber nach dem Verbrechen bemisst.
So gesehen hätte er nichts mit Realitätsverlust zu tun.

 loslosch meinte dazu am 24.04.15:
das wäre dann der gesetzesautomat, der das strafmaß ausspuckt. so dachte seneca nicht. (er schielte auf nero, dessen hof heimlich mitlas, ja mitlesen sollte.)

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 24.04.15:
Zum Schielen auf Nero passen auch versteckte Warnungen.
Graeculus (69)
(24.04.15)
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 loslosch meinte dazu am 24.04.15:
ja, die täter sollen unter der schweren schuld zutiefst leiden. passt zu seneca, der wohl hoffte, nero das fürchten lehren zu können.
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