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von toltec-head

Die Art und Weise wie ich durch dieses Internetliteraturforum zu dem stehe, was man Literatur nennt, ist eigentlich kennzeichnend für mein ganzes Leben. Auf die selbe Art und Weise bin ich Zaungast der Wirtschaft (durch meinen Job, ohne dass mich dieser großartig interessierte), Zaungast der Intimität (die ich immer nur cruise), Zaungast der Religion - den Islam in Form eines spirituellen Sufi-Snacks fände ich schon auch interessant. Zaungast auch der Politik, die ich in keiner Weise als Schicksal sehen kann. Eine wirklich feststehende Meinung zur Flüchtlingskrise habe ich gar nicht.  Manchmal erscheint mir schon auch, so wie früher, das, was in der Taz oder SpOn steht, ganz richtig. Ist halt nur der alte Kram, den niemand mehr glaubt. Hauptsache ich kann nachmittags schwimmen gehen.

Bei irgendeinem Star-Philosophen habe ich gelesen, dass dieses Zaungast-Dasein kennzeichnend für die moderne Angestelltenexistenz und eine Täuschung ist, weil in Wirklichkeit alle so sind oder besser gesagt, alle sich überall und die ganze Zeit - im Beruf wie in ihrer Freizeit - so vorkommen. Statt aber wirklich nur Zaungäste zu sein, halten sie gerade dadurch, dass sie sich nur als Zaungäste vorkommen und so tun als ob, die Maschine am Laufen. Wahrscheinlich würde selbst eine Angela Merkel, wenn man sie danach fragte und sie ehrlich antworten könnte, sich auch nur als politischen Zaungast ohne wirklich feststehende Meinung beschreiben, während die AfD-Leute mit ihren wirklichen Meinungen gerade deswegen blutige Dilettanten sind, die man eigentlich gar nicht wählen kann, was ja nicht ohne Charme ist. In Wahrheit kennzeichnet dieses illusionäre Zaungast-Dasein daher also die totale Inklusion, die totale Gleichschaltung, die Einbettung als Pauschaltourist in sämtliche Funktionssysteme.

Wie auch immer. Sehr viel mehr als dies hier mal wieder nur zu zitieren, kann ich nicht. Als Zaungast der Wissenschaft sozusagen. Wenn Philosophie denn überhaupt nicht bloße Zaungast-Wissenschaft sondern wirkliche Wissenschaft wäre, zu der ich mich dann wirklich nur - Achtung,  kleiner Witz! - wie Stephen Hawking zur Wahrheit hinter dem verhalten kann, was in Pornofilmen vor sich geht. Überhaupt habe ich die Feststellung machen müssen, dass es mir ganz unmöglich ist, hier überhaupt etwas zu schreiben, ohne "wirkliche" Texte zu zitieren. Alles, was ich schreibe, ist eigentlich nur ein ständiges Zitieren, was irgendwie nach Postmoderne klingt, aber selbst das könnte man dann nur als verunglücktes Zitat bezeichnen. Nicht weil es für mich als richtigen Autoren keinen Außer-Text gibt, zitiere ich ständig, sondern weil ich eigentlich immer nur im Außer-Text verharre, gar nicht richtig in die Literatur reinkomme, als bloßer Hobby-Autor reinkommen kann,  gerinnt alles zu einem Zitat, so wie für den Pauschaltouristen die ganze Reise zur Erwartung der "richtigen" Reise, des sich doch einmal endlich einstellen wollenden wertvollen Erlebnisses, von dem man dann berichten kann. Ich bin wie ein Fisch, der auf dem Trockenen schnappt. Das Eingehen in die Literatur wäre mein Meer. Ich würde dann aber natürlich sofort aufhören, hier zu schreiben. Und etwas anderes als hier in der Weise loser Kopplung zu schreiben, kann ich so wenig wie meinen richtigen Job aufzugeben oder eine richtige Intimbeziehung zu führen. Die Professoren der Postmoderne waren hingegen Fische im Meer die, was mir vollkommen absurd vorkommt, obwohl es natürlich schon auch irgendwo witzig ist, ständig so taten, als ob sie auf dem Trockenen schnappten.

 
 

Kommentare zu diesem Text


Augustus
Kommentar von Augustus (30.06.2018)
Das ist mal ein gelungener Text. Sowohl Zaungast als auch der Fisch auf dem Trockenen,, zwei Metaphern, die mir gut gefallen.
Auch daran lässt sich zeigen, wie der Weg an Informationen verkürzt und an der Zeit gespart wird, und wie eigentlich Angestelltenexistenzen auf der anderen seite der Münze bevorzugt werden, weil während der Philosoph oder ein anderer Wissenschaftler Wochen-Monate lang herumforscht, um einen winzigen Durchbruch der Erkenntnis zu gewinnen, so wird diese Erkenntnis pupliziert und der Angestellte braucht’s nur aufzuschnappen. Der Weg der Information ist im Grunde lang, der Wissenschaftler trägt dabei den größten Aufwand, während der Angestellte mit minimalen Aufwand verzögert an die gleiche Information gelangen kann. Man könnte meinen, das sei ungerecht. Aufwand und Zeit spielen für den Angestellten. Es wäre vielmehr interessant zu lesen, warum den die Universalität aufgrund von zeitsparenden Informationen nicht gelingt.
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Kommentar von michaelkoehn (76) (30.06.2018)
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Dies ist ein Text des mehrteiligen Textes Wie weiter schreiben?.
Veröffentlicht am 30.06.2018, 7 mal überarbeitet (letzte Änderung am 30.06.2018). Textlänge: 537 Wörter; dieser Text wurde bereits 160 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 12.11.2019.
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