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Kurzgeschichte zum Thema Voyeurismus


von RainerMScholz

Die Kleider passten Dittrich nur schlecht, sie waren zu kurz, seine Fußknöchel lugten aus den Hosenbeinen und die Schuhe waren zu groß, das karierte Hemd spannte über der Brust und an den Schultern. Aber sie hatten es geschafft. Es war leichter gewesen, als Tim es sich ausgemalt hatte. Im  Grunde sind sie aus dem Juriszooikum einfach geradewegs herausspaziert. Dittrich saß auf dem abgeschabten Hocker vor dem Gusseisenofen in der Klause, die Tim sich vor Jahren selbst aus Sperrholzresten und herumliegenden Abfallstücken an einem geheimen Ort in einem heruntergekommenen Waldstück selbst zurechtgezimmert hatte. Tim beobachtete seinen Gast misstrauisch, er wusste nicht so recht, wie es jetzt weitergehen sollte. Vorerst hatte er ihm Proviant und Kleidung besorgt. Dittrich schaute ihm, das Butterbrot mit Kochschinken kauend, von unten herauf an. Dann sprach er.
„Und was soll jetzt passieren, Junge?“
Tim erschrak. Er hatte sich Dittrichs Stimme anders vorgestellt. Nicht so – weich, so normal.
„Ich – ich weiß nicht genau. Jetzt sind Sie ja erst einmal hier.“
„Und wo ist hier? Wie heißt Du überhaupt?“
„Das hier ist mein Geheimversteck, niemand kennt es. Und ich bin Tim.“
„Tim? Dann bin ich Struppi.“
Dittrich lachte, aber seine Augen lachten nicht, wie Tim schien.
„Wie meinen Sie das?“
„Wir können uns ruhig duzen. Ich bin Dittrich.“
„Ja, ich weiß. Ich bin Tim.“
Sie hatten sich so abgesprochen, dass Tim abends vorbeikäme, um ihm Essen zu bringen, wenn er sich fortschleichen könnte von der Gruppe, vom Heim. Dittrich sollte so lange hier bleiben, bis die Lage sich beruhigt hätte. Es gab ohnehin keine große Fahndung, da die Behörden damit rechneten, dass sich der relative Bekanntheitsgrad der öffentlichen Delinquenten auf die Erfolgsaussichten von Fluchtversuchen negativ auswirkte. Als das geklärt war, streckte Tim Dittrich die Hand entgegen, der sah sie verblüfft an, ergriff sie und schüttelte sich recht sanft. Er versuchte eines seiner markanten Lächeln, wie Tim stolz feststellte.
Die Tage vergingen. Tim hatte Dittrich einen kleinen Radioempfänger mitgebracht und ein Stück Seife, ein Handtuch mit eingesticktem fremdem Namen, das, was er für einen Rasierpinsel hielt und eine Klinge zum Rasieren. Alles zusammengestohlen aus dem Heim, von den Betreuern und seinen Gruppenfreunden. Dittrich quittierte mit hochgezogenen Mundwinkeln. Er nahm die Seife, die Klinge und das Handtuch, wusch und rasierte sich, während Tim ihm zuschaute. Bevor er ging, fragte er, ob er Dittrich fotografieren dürfte, nur für sich, für niemanden sonst. Dittrich willigte ein.
„Es wurden schon so viele Bilder und Filmchen von mir gemacht – meine Seele ist bestimmt schon ganz abgenutzt und zerkratzt davon. Also mach´ dein Foto ruhig.“
„Es ist auch nur für mich.“
„Natürlich.“
Dann kam es zu dem Vorfall, wie Tim es bei sich nannte. Einer aus der Gruppe war ihm gefolgt, als er in das verwahrloste Waldstück geschlichen war. Als sich Tim und Dittrich, unbeholfen zwar, doch ernsthaft und intensiv unterhielten, über Belanglosigkeiten, das Wetter, Kleider, Essen, das Sehen und das Gesehenwerden, betrat der Außenstehende plötzlich das Versteck.
„Wo ist mein Empfänger, Du Arsch?“, schrie er, als er den Verschlag betrat. Tim erschrak und ließ die verblichene Zeitschrift fallen, die er in Händen gehalten hatte. Er starrte den Eindringling mit offenem Mund an. Dittrich hockte beim Ofen. Er rührte sich nicht.
„Wo ist mein Radio, los sag´ es!“
Jetzt erst bemerkte er die kauernde Gestalt. Er verstummte.
„Ich , ich...“, stammelte Tim.
Aber keiner hatte Zeit noch etwas zu erwidern. Dittrich war aufgesprungen. Er legt seine große rechte Hand auf die Schädelbasis des Jungen und drehte mit der Linken dessen Körper. Nun starrte sein Gesicht von seinem Rücken, zwei Halswirbel waren herausgetreten und seine Zunge hing seitlich aus dem Mund, die Augen glotzten ungläubig aus ihren Höhlen. Dittrich hielt ihn fest und stellte in so wie er nun war in die Ecke neben den Holzstapel. Tim starrte. Sein Gehirn hatte die Situation so schnell nicht fassen können. Er ging langsam zu seinem ehemaligen Gruppenfreund und fasste ihn an der Hand. Sie war noch warm, ledrig und leblos. Er trat zurück und sah Dittrich neben dem Ofen, die Hände in den Taschen.
„Was soll es schon, oder. Er hat wahrscheinlich sowieso nur genervt mit seinem Radio. Außerdem ist das jetzt mir.“
„Ja. Das Radio ist Dir.“
Dann lachten beide, scheinbar um der Entspannung willen.
Tim verabschiedete sich gedankenvoll. Er hatte noch ein Foto gemacht und war dann gegangen. Dittrich würde sich um die Leiche kümmern, dachte er.
Als er das nächste Mal zu Dittrich ging, stand der tote Körper immer noch starr in der Ecke. Tim hatte ein Stativ mitgebracht. Und Dittrich willigte ein, ein kleines Filmchen zu drehen.
Dann brachte Tim einen Freund mit, wie er sich ausdrückte. Er hatte diesen mit einer vermeintlichen Überraschung gelockt, doch die war Dittrich, der ihn nach und nach mit dem Handbeil zerhackte und in den Ofen warf. Tim filmte alles. Der Nächste war ein Betreuer. Dittrich schlug so lange zu, bis sein Gesicht eine zitternde Masse war, auf die er sich im Anschluss setzte, weil dass so schön wärme. Tim filmte alles und Dittrich freute sich.
Die Zeit verging wie im Flug, und nach all den Opfern und Kurzweiligkeiten kamen schließlich die Fahnder, die durch die unvorsichtigerweise vorgenommenen Veröffentlichungen auf Jutub und das Verschwinden diverser Insassen des Heims, auf Tims und Dittrichs Spur gefunden hatten. Dittrich ließ sich ohne Widerstand festnehmen. Auf ihn würde für immer eine dunkle Zelle in einem lichtleeren Gebäude warten. Er bedauerte es nicht. Tim sträubte und wehrte sich, er versuchte die Kamera in Sicherheit zu bringen, er umarmte Dittrich in einem zuckenden Krampf, er schrie und weinte und klammerte sich an Dittrichs Beine, doch schließlich wurden beide in getrennte Fahrzeuge gesetzt und abtransportiert.


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Kommentare zu diesem Text


AchterZwerg
Kommentar von AchterZwerg (21.12.2019)
Die Zeit verging wie im Flug


Mir auch.

Gut gefällt mir hier die Beschreibung einer Liebe, die sich auf das "falsche" Objekt richtet, das aber für ein Wohngruppenkind das einzig mögliche, das richtige eben, ist.
Tausendfach beobachtet

der8.
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RainerMScholz
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Dies ist ein Absatz des mehrteiligen Textes Tim.
Veröffentlicht am 20.12.2019. Textlänge: 928 Wörter; dieser Text wurde bereits 36 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 04.04.2020.
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