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Killing to Die

Short Story zum Thema Mord/Mörder


von Terminator

Erst kommt die Angst, dann die Schuld. Die Angst geht, die Schuld bleibt. Sie bleibt und zieht weitere Schuld an sich, wie ein Magnet fängt sie die Nadeln fremder Schuld. Es gibt kein Entkommen. Sie ist immer bei dir. Je weniger du dir selbst vorzuwerfen hast, umso schlechter für dich. Die Schuld sucht sich in den Dingen, die gut waren, gut gemeint, gut gemacht, nichts als nur gut, sofern du als Mensch das Gute zu erwirken in der Lage bist. Wehe dir, wenn du standhältst und dich nicht dafür beschuldigen lässt, dass du einem Bedürftigen jede Menge Arbeit abgenommen hast, aber als er Danke sagte, nicht Bitte sagtest, dafür, dass du Pädophile aus Schülerchats verjagt hast und selber als einer von denen angesehen wurdest, dafür, dass du dich darüber aufregtest, dass ein Satanistenpaar ein Kind bekam, dafür, dass du Hitler nicht mehr verurtelien konntest, als jeden einzelnen seiner Handlanger. Da kommt ein Erdbeben - wer ist schuld? Du, wer sonst! Mord, Totschlag, Vergewaltigung - natürlich deine Schuld, auch wenns irgendwo in Tokio passiert ist. Vielleicht warst du irgendwo in einem Einkaufszentrum nicht nett genug zu einem Mann, dessen Tochter eine Freundin in Japan hat, welche gerade dringend telefonische Hilfe brauchte, als der allein wegen dir schlecht gelaunte Vater ihrer Freundin nach Haus kam und dem Mädchen das Telefonieren verbot.

Schuld lässt sich nicht wie Kacke abschütteln. Schuld ist giftig, sie wirkt auf die Seele wie Schwermetalle auf den Körper. Der einzige Ausweg, den du hast, ist die Schuld für wahr zu nehmen und Gott um Strafe zu bitten. Tu es, verdammt, werde schuldig, sei schuldig und zufrieden, denn du hast es wirklich getan, mein Junge! Bravo! Knall ihn ab!

Fertig lag ich nach einem blutigen Abend im Bett. Geduscht, die Messer gewaschen... Zum Teufel, tut das gut! Die Riesenblase der Schuld, endlich füllt sie sich mit frischem Blut, mit realem Blut! Endlich kann ich sie runterschlucken, sie gleitet von meinem Hals in den Magen. Ich habe heute eine Eisdiele überfallen, einfach so. Den Italiener habe ich kaltblutig erstochen. Ein gutes Gefühl. Ja, Gott, ich bin ein Mörder, richte mich endlich!

Am nächsten Tag wachte ich erst um halb vier mittags auf, habe gut geträumt. Ich nahm meine Messer und ging mich vergnügen. Ich tötete viele Menschen an diesem Nachmittag, meist junge Frauen. Tat gut. Ich spürte wirklich, wie diese Schuld in mir sich mit Inhalt fühlte. Nein, ich war nicht mehr für die Erdbeben und die Tsunamis und die Kriege auf der Welt verantwortlich, ich war nicht weniger als der Mörder von nun zehn oder fünfzehn Menschen, aber auch nicht mehr. Zum ersten Mal seit vielen Jahren ging ich in eine Kirche und betete. Ich fühlte mich gut. Ich bekannte meine Schuld vor Gott, meine Schuld, nur meine, die ich und nur ich vor dem Allmächtigen hatte. Ich bin nicht schuld, dass Hitler geboren ist, gaste ich im Gebet, ich bin nicht schuld, dass die Zahl der aktiven Pädophilen in jedem Land dieser Erde fast an die Zahl der Arbeitslosen heranreicht, was ich getan habe, waren nur diese kleinen Morde. Ich ging noch zum Priester und beichtete. Er hörte mir zu. Er glaubte mir nicht und ich bekam grosse Zweifel. Was, wenn Gott mir nicht zugehört hat, und mich immer noch an Hitlers Geburt für schuldig hält? Ich konnte mit meiner Schuldlosigkeit nicht vor Gott treten, ich musste ihm konkrete schwere Schuld vorweisen. Hier, bitte. Ich brach die Tür der Sakristei auf und erstach den sich gerade umziehenden Pfaffen. Eine alte Frau kam zum Beten, sie kniete sich hin und ich warf den Messer nach ihr. Ich traf sie und sie starb und ich kniete mich hin und sprach: Gott, ich habe hier, vor deinen Augen, in deiner Kirche, zwei Menschen ermordet. Ich habe diese betende Frau und einen deiner Diener umgebracht, damit du mir, verflucht seiest du im Himmel, zuhörst! Ich hasse dich, warum bestrafst du mich nicht, warum bringst du mich nicht um? Gott, ich habe den Tod verdient, vernichte mich, lösch mich aus! Komm schon, mach kurzen Prozess mit mir, ich kann so nicht weiter leben. Töte mich, du elendes Arschloch!!!

In der U-Bahn, da war ein Mann, welcher mir gefiel. Er war gottesfürchtig, ehrte den Namen des Herrn, fluchte nicht, war höflich. Ich war wohl mitten in einen Witz geplatzt. Dieser verfluchte Blasphemiker machte sich lustig über den Herrn, viele hörten zu und lachten. „Sie haben den Herrn gelobt, nur um Ihn zu verhöhnen, sie Elender“ sprach ich ihn an. „Ich wüsste nichts, was es dich angeht“ war seine Antwort. Ich zog die Waffe, keine Pistole, nein, ich zog eine richtige Waffe. Er packte einen kleinen Jungen und zog ihn an sich. „Kind weg“ sagte ich. Die Leute schrieen und quietschten. „Ruhe“ befahl ich. „Sie wollen doch nicht…ich bitte Sie…sehen Sie, doch, er ist noch ein Kind!“ „Fordere mich nicht heraus, du elendes Schwein!“ rief ich ihn an. Der Junge zitterte vor Angst, er begann zu heulen und pinkelte in die Hose. Ich sah ihn an und es war wie ein Spiegel. Was bin ich brutaler Mörder als ein verängstigtes Kind? „Ihr habt alle heute Glück gehabt!“ verkündete ich. Der Junge weinte immer noch. „Ich werde dich nicht töten. Deinen Vater werde ich auch nicht töten. Diese elenden Affen werde ich auch nicht töten. Es ist alles gut“. „Ich habe in die Hose gepinkelt. Das ist peinlich“ flüsterte der Junge. „Bist du wahnsinnig? Wer hat dir gesagt, dass das peinlich ist? Guck mal, sogar der böse Onkel pinkelt in die Hose!“ sagte ich und pinkelte los. „Auch dein Vater tut das. Alle tun das, schau dich um!“ Ich streichelte zärtlich das Maschinengewehr während die Fahrgäste meiner indirekten Aufforderung nachkamen. Der Junge freute sich, dieses vorhin so verschüchterte Kind stand mit breiter Brust da und lächelte. Der böse Onkel stieg aus. Er hatte Lust auf einen Kaffee.

Einfach irgendeine Wohnung in einem mehrstöckigen Haus, da klingelte ich und eine Frau Mitte dreissig machte mir auf. „Kochen Sie mir einen Kaffee“ sagte ich. Sie schlug wuchtig die Tür vor mir zu. Fünf Minuten vergingen und ich klingelte wieder. Als sie erschien, zeigte ich ihr mein Maschinengewehr und sie liess mich rein. Ich setzte mich in der Küche hin und wartete. Ich schwieg und sie wurde nervös. „Vergewaltigen Sie mich“ sagte sie, „aber bitte tun Sie mir nichts!“ So ist das. Hauptsache man bleibt am Leben. Für mich persönlich ist Würde enorm wichtig. Ich lasse meine Würde nicht antasten. Die meisten Menschen besitzen gar keine. Vielleicht ist das besser so: keine Würde, kein Selbstwertbewusstsein, keine Schuldfähigkeit. Das, was meine Seele zu einem Torso zerfressen hat, scheinen so viele nicht fürchten zu müssen. Sie können einfach keine Schuld empfinden, sie müssen sich nie schämen, sie müssen sich nie vor sich selbst rechtfertigen oder vor einer höheren Instanz ihr Handeln verantworten. „Ich will nur einen Kaffee“ sagte ich. In diesem Moment spazierte die Tochter der Gastgeberin in die Küche. Ich starrte sie eine Weile lang an und sagte: „Werde bloss nicht wie deine Mutter“. „Nehmen Sie sie“ sagte die Frau. „Sie können es sich im Kinderzimmer bequem machen. Aber bitte, tun Sie uns nichts!“ Ich nahm das Kind mit ins Kinderzimmer und schloss die Tür hinter mit zu. Nach einer Weile hörte ich die Frau heulen und ging zu ihr. „Rufen Sie die Polizei“ empfahl ich ihr und ging wieder zu ihrer Tochter. Wir spielten zwei Stunden lang verschiedene Kartenspiele, ich brachte ihr bei, zu betrügen. Dann hörte ich wie der Vater des Mädchens kam und wie es einen Streit gab. Die Frau hat niemanden angerufen. Sie hat die ganze Zeit da gesessen und gewartet, bis sich der böse Onkel an ihrem Kind vergeht. Ihr Mann schrie sie an, als er vom Einbrecher erfuhr, er schlug sie und sie viel für sich selbst etwas unglücklich hin. Zunächst kümmerte er sich nicht um seine tote Frau. Er rannte ins Kinderzimmer und sah wie ich mit seiner Tochter Poker spielte. Sein verzweifelter Gesichtsausdruck verriet mir, dass der Streit mit seiner Gattin in einen Totschlag ausgeartet ist. „Rufen Sie die Polizei“ sagte ich. „Ich habe Ihre Frau getötet“. Ich befahl ihm seine Tochter mitzunehmen und sich im Wohnzimmer auf einen Sessel zu setzen. Ich schlug die Leiche und feuerte auf sie, bis die Polizisten die Tür einbrachen. „Stehen bleiben, Polizei!“ „Ist ja schon gut“ sagte ich und gab einem der Beamten meine Waffe.

„Warum?“ fragte mich mein Pflichtverteidiger über den letzen Fall. „Sie hat mich an meine Mutter erinnert“ sagte ich. Ich gestand auch die anderen Morde und bekam lebenslänglich. Mein Psychologiestudium durfte ich fortsetzten, ich war schliesslich im achten Semester. Im Knast wurde noch ein Doktor aus mir. Wir Psychopathen, wir sind keine bösen Monster, wir sind verängstigte Kinder, die Schwächsten in der Gesellschaft, die solange auf uns einprügelt, bis wir aus unserer Wehrlosigkeit heraus irgendwann zurückschlagen, nicht etwa aus Rache, sondern weil so viel Böses in uns hinein geprügelt wurde, dass wir uns gegen uns selbst nicht mehr wehren können, und die Einflüsse von Aussen nicht mehr wie normale Menschen verarbeiten, sondern direkt und unmittelbar spiegeln.

Heute bin ich ein rundum glücklicher Mensch. Ich bete jeden Tag morgens und abends, ich treibe viel Sport und ich therapiere Mitgefangene. Sie nennen mich einfach Doktor und haben grossen Respekt vor mir. Ich trage eine schwere Schuld, meine eigene schwere Schuld, die ich freiwillig auf mich geladen habe. Fremde Schuld prallt mittlerweile an mir ab. Ich kenne die Grenzen meines Ichs, die Grenzen meiner Verantwortung. Als Doktor der Psychologie, der Psychotherapie praktiziert, betrachte ich mich selbst als geheilt.

Anmerkung von Terminator:

2005

2020 Eiserner Preis in der Kategorie "Normalste Psychopathengeschichte"


 
 

Kommentare zu diesem Text


Dieter Wal
Kommentar von Dieter Wal (05.01.2021)
Mordsspaß gehabt.
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Dies ist ein Heft des mehrteiligen Textes Literatur.
Veröffentlicht am 05.01.2021, 1 mal überarbeitet (letzte Änderung am 05.01.2021). Textlänge: 1.584 Wörter; dieser Text wurde bereits 85 mal aufgerufen; der letzte Besucher war ein Gast am 27.04.2021.
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